"Vollkatastrophe!" Die ersten Resaktionen auf das Bauvorhaben von Lisa (31) waren skeptisch. Ihr Plan: ein Tiny House bauen, im Baukastensystem. Und das als alleinerziehende Mutter mit schmalem Verdienst. Geht das überhaupt?
Den Traum vom Eigenheim haben viele. Auch Lisa (31), Klimatechnikerin aus dem sauerländischen Hemer. Sie hatte zwar eine große Vision, aber einen kleinen Geldbeutel. Und eine kleine Tochter. Aber aufgeben war keine Option. Die Lösung: Lisa wollte für sich und Tochter Luna (8) ein sogenanntes Tiny House bauen. Mit eigenen Händen im Bausatz-System. Die Nachbarschaft war alles andere als euphorisch. "Wir haben sie für verrückt erklärt", gibt einer zu.
"Ich hätte nicht gedacht, dass es als Alleinerziehende möglich ist, erst recht mit so wenig Verdienst, ein Haus bauen zu können, dass ein Tiny House die Option ist, wie ich den Traum vom Eigenheim für mich und meine Tochter ermöglichen kann", sagt die Bauherrin. Wie das Projekt klappte, zeigt die ZDF-Doku-Reportage "37°Leben: Challenge Hausbau". Die dreiteilige Reihe wird ab 12. Juli, jeweils um 9.03 Uhr, an drei Sonntagen im ZDF gezeigt.
14 Monate begleitete das Team von Iris Toussaint und Corinna Wirth Lisa, Luna und ihre tatkräftig unterstützenden Nachbarn und Freunde sowie zwei andere Bautrupps: Sabrina (33) und Micky (36) sanieren in der Eifel ein Gebäude. Johannes (31) und Louise (31) bauen mit Freunden in Brandenburg eine ganze Schule um.
"Wir sind die bekannteste Baustelle in Hemer"
"Es muss einfach klappen", sagte sich Lisa. Aber die Zweifel kamen eigentlich jeden Abend - vor allem in den vier Monaten, als sie im Bauwagen lebte, um die Miete für die Grundstückfinanzierung zu sparen. Hat sie sich übernommen? Kriegt sie das alles auf die Reihe? Wie soll das alles funktionieren?
Ihre Vision: ein Tiny House mit komplett ökologischem Hintergrund, ein Niedrigenergiehaus aus über 40 Tonnen Vollholz, mit Stopfhanf gefüllt und einer Fläche von 80 Quadratmetern. Im Baukastensystem zum Selbermontieren kostete es 96.000 Euro. Schlüsselfertig hätte es das auch gegeben, aber: "Das würde das Budget deutlich überschreiten."
Die Skepsis der Nachbarn wich Anerkennung und Bewunderung für Durchsetzungsvermögen, Durchhaltevermögen und Einsatz. Denn Lisa kann nicht nur delegieren, sondern auch anpacken. Und Rückschläge wegstecken. Denn die gab es. Das Holz kam zu spät, es war teilweise falsch nummeriert, falsch gefräst. Ihr Projekt sprach sich schnell rum. "Wir sind die bekannteste Baustelle in Hemer", sagte sie. Die lokale Tageszeitung berichtete, auch bei Instagram gab es Feedback - und Interesse. "Toll, dass mein Mut zum Beispiel für andere wurde", sagt sie.
In der Bauphase wurde "alles viel teurer"
Nachbarn und Freunde halfen tatkräftig. "Ohne sie wäre das nicht möglich gewesen", räumt Lisa ein. Sie plante ihr Häuschen für zwei. Einziehen werden drei. Denn Nachbar Guido, der von Anfang an tatkräftig unterstützte, machte offenbar nicht nur auf der Baustelle eine gute Figur. "Es hat sich gezogen", lächelt Lisa in der Doku verliebt, "aber wir konnten das irgendwann nicht mehr leugnen." Guido bekam das Lebensgefährten-Upgrade und wird mit Lisa und Luna ins Tiny House einziehen. Sein eigenes, viel größeres Haus soll vermietet werden.