Sonia Braga gehört spätestens seit dem Erfolg von "Kuss der Spinnenfrau" zu den größten brasilianischen Schauspiel-Exporten nach Hollywood. Nun kommt eine neue Verfilmung des "Spinnenfrau"-Romans in die Kinos. Anlass genug, um an Weltstar Braga zu erinnern.
Sie küsst wieder, die Spinnenfrau. Mit "Kiss of the Spider Woman" kommt nämlich am 16. April eine weitere Verfilmung von Manuel Puigs Kultroman "Der Kuss der Spinnenfrau" in die Kinos. In der Titelrolle ist diesmal Jennifer Lopez zu sehen - und damit jemand, die das Musical-Drama von Bill Condon nicht mehr zum Star machen muss. Das war bei der ersten Adaption von 1985 durch Hector Babenco noch anders, als Sonia Braga mit dem preisgekrönten Film ihren internationalen Durchbruch feierte.
Auch Braga wäre für ihre Leistung in "Kuss der Spinnenfrau" fast mit einem wichtigen Filmpreis Hollywoods geadelt worden. Für ihre Mehrfachrolle als Leni Lamaison, Marta und die Spinnenfrau wurde sie neben ihren Kollegen William Hurt und Raúl Juliá für einen Golden Globe nominiert. Gewonnen hatte allerdings keiner von ihnen, nicht einmal Hurt, der später für seine Darstellung immerhin sogar den Oscar erhielt. Braga und Juliá waren für diesen Preis, den Oscar, gar nicht erst vorgeschlagen.
Eine Karriere konnte diese Nichtberücksichtigung nicht verhindern, weder in Juliá Fall noch in Bragas. Die hatte die brasilianische Schauspielerin schon vor dem "Kuss der Spinnenfrau". Immerhin stand Braga, Tochter afro-brasilianischer Eltern, schon als Jugendliche vor der Kamera. Und dank diverser Serien wie der auch außerhalb Brasiliens erfolgreichen Telenovela "Gabriela" oder Spielfilmen wie "Dona Flor und ihre zwei Ehemänner" (1976) und "Die Dame im Bus" (1977) galt sie schon in den 1970er Jahren als "internationales Sex-Symbol", so das Magazin "Vogue".
Sprung nach Hollywood
International war Bragas Bekanntheit also schon vor dem "Kuss der Spinnenfrau", doch der Kultfilm gab ihrer Karriere einen weiteren Schub, wodurch sie bald zu dem wurde, als was sie heute zählt - wieder Zitat "Vogue": "der größte brasilianische Filmstar seit Carmen Miranda mit ihrem Bananenhut in den 1930er- und 1940er-Jahren." Bananenhut? Miranda trug gerne ausgefallen Kopfbedeckungen, so wie den legendären, auch mit Bananen verzierten Tutti-Frutti-Hut aus dem Filmmusical "The Gang's All Here" (1943).
Nach dem ihrem "Kuss" lag man Braga sogar in Hollywood zu Füßen. 1988 war sie in Robert Redfords Komödie "Milagro - Der Krieg im Bohnenfeld" zu sehen, und in "Rookie - Der Anfänger" war sie die Partnerin von Clint Eastwood, Charlie Sheen und Raúl Juliá. Überhaupt Raúl Juliá, mit ihm arbeite sie immer wieder zusammen, als hätten sich die beiden nach den versagten Oscar-Ehren solidarisiert. Bei "Mond über Parador" (1988) von Paul Mazursky waren sie ebenfalls Kollegen und dann noch einmal im Fernsehfilm "The Burning Season" (1994).
Allmählich aber begann die Fernsehrollen die Leinwandauftritte zu überwiegen. Immerhin: So manche TV-Sache war von Format: "Die Bibel", "Law & Order", "Alias - Die Agentin" oder zuletzt die Superheldenserie "Marvel's Luke Cage". Aus dem Gros herausragend auch ihre Rolle in "Sex and the City". Die City, der hier gehuldigt wird, bedeutet auch Braga sehr viel. Seit Anfang der 1990-Jahre hat sie in New York - neben Haus und Wohnung in Rio de Janeiro - einen Wohnsitz. "Ich liebe diese Stadt genau so, wie sie ist", sagte sie in einem Interview mit der "Vogue".
Späte Karriereblüten
Was New York unter den Städten ist, das ist "Aquarius" (2016) unter ihren Filmen. Die Rolle, die sie hier spielt - eine ehemalige Musikkritikerin, die einmal ihren Brustkrebs besiegte und nun gegen eine Immobilienfirma kämpft, die sie aus ihrer Wohnung drängen will -, gehört zu ihren intensivsten. Und eigentlich galt das Drama als aussichtsreicher Kandidat für Brasiliens Antritt bei den Oscars. Doch weil Braga, Regisseur Kleber Mendonça Filho und andere aus dem Filmteam ihre Stimme gegen die Amtsenthebung der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff erhoben hatten, stellte sich die neue Regierung gegen diesen Schritt. Das sah mancher Kritiker so und das sahen auch die "Aquarius"-Macher so. "Wir hatten damit gerechnet", sagte Braga der "Vogue".