Supermarktkette verschwindet für immer: Weiterer Konkurrent deutet Filial-Deal an

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Tegut in der Krise: Übernimmt Rewe zahlreiche Filialen?
Tiefkühlabteilung einer Tegut-Filiale
Tegut (Symbolbild)
Tegut in der Krise: Übernimmt Edeka jetzt sämtliche Filialen?
Obst- und Gemüseabteilung einer Tegut-Filiale
Tegut (Symbolbild)

Der Schweizer Einzelhandels-Riese stampft die deutsche Supermarkt-Tochter Tegut ein. Edeka übernimmt einen Löwenanteil der Filialen - nun will aber ein weiterer Konkurrent zum Zug kommen.

Update vom 16.04.2026: Rewe deutet Tegut-Deal an - 40 Filialen betroffen

Der Lebensmittelhändler Rewe plant, bis zu 40 Filialen der Supermarktkette Tegut zu übernehmen. Wie das Unternehmen der Deutschen Presse-Agentur mitteilte, wurde ein entsprechender Vertrag mit dem Mutterkonzern Genossenschaft Migros Zürich unterzeichnet. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Freigabe des Bundeskartellamts.

Gibt die Behörde grünes Licht, will Rewe den Großteil der Tegut-Märkte selbst betreiben, die übrigen sollen an die Discountertochter Penny gehen. Zum Kaufpreis äußerte sich das Unternehmen ebenso wenig wie zu den betroffenen Standorten. Den Beschäftigten will Rewe ein Jobangebot machen. Die meisten Tegut-Filialen befinden sich in Hessen.

Nach Edeka: Rewe und Penny wollen rund 40 Tegut-Filialen übernehmen

Migros hatte kürzlich angekündigt, sich aus Deutschland zurückzuziehen und Tegut verkaufen zu wollen. Rund 200 der etwa 300 Supermärkte der Kette will der Lebensmitteleinzelhändler Edeka übernehmen. Zusätzlich gehören das Tegut-Logistikzentrum in Michelsrombach sowie die rund 40 "Teo"-Minimärkte zum Paket. Das Geschäft bedarf ebenfalls einer Zustimmung des Kartellamtes. 

Auch Aldi Nord interessiert sich nach Informationen der dpa für einzelne Standorte. Migros hatte bereits im März bekannt gegeben, mit Rewe zu verhandeln. Die Marke Tegut soll aufgegeben werden. Unklar ist bislang, wie viele Märkte bestehen bleiben. "Die Filialen werden zu größten Teilen an andere Lebensmitteleinzelhändler verkauft", heißt es im Jahresabschluss der Genossenschaft Migros Zürich.

Rechtsexperten sehen die geplanten Übernahmen teilweise kritisch. Der Kartellrechtler der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Rupprecht Podszun, beklagt eine zu hohe Marktmacht der großen Handelsketten in Deutschland. Er erwartet eine besonders intensive Prüfung durch das Kartellamt. Podszun hält es sogar für möglich, dass die Behörde die Vorhaben ganz oder teilweise untersagt.

Der Sprecher der Edeka-Zentrale, Rolf Lange, meint: "Eine Untersagung der Übernahme durch Edeka und andere große deutsche Lebensmitteleinzelhändler hätte gravierende Folgen für die Versorgung der Verbraucher sowie für tausende Arbeitsplätze, da Standortschließungen drohen." Realistisch kämen für eine Übernahme der Tegut-Märkte nur die großen deutschen Lebensmitteleinzelhändler in Betracht. 

"Ausländische Investoren scheuen den Markteintritt in den deutschen Markt, da dieser so wettbewerbsintensiv und von niedrigen Margen geprägt ist", sagte Lange. Edeka war nach eigenen Angaben auch offen dafür, Tegut vollständig zu kaufen. Um das Freigabeverfahren beim Kartellamt zu beschleunigen, sei das Filialpaket jedoch begrenzt worden, hieß es.

Tegut wurde 1947 in Fulda gegründet. Anfang 2013 übernahm Migros die Kette, die in sechs Bundesländern vertreten ist. Nach Angaben des Konzerns gibt es etwa 340 Tegut-Filialen, inklusive der "Teo"-Minimärkte. Knapp 7500 Menschen sind bei Tegut beschäftigt, teilte Migros mit. Rewe gehört neben Edeka, der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) und Aldi zu den größten Lebensmittelhändlern in Deutschland. Die gleichnamige Supermarktkette betreibt hierzulande rund 3800 Filialen, der Discounter Penny mehr als 2100.

Ursprungsmeldung: Edeka, Rewe und Co. wollen bekannte Supermarktkette Tegut schlucken

Die Zukunft ist ungewiss: Der Schweizer Lebensmitteleinzelhändler Migros zieht sich aus Deutschland zurück und verkauft die Supermarktkette Tegut. Ein großer Teil der vor allem in Hessen befindlichen Tegut-Filialen soll von Edeka übernommen werden. Bereits im vergangenen Jahr gab es Gerüchte, dass zahlreiche tegut-Filialen schließen könnten.

Eine entsprechende Vereinbarung wurde nach Angaben beider Unternehmen bereits unterzeichnet. Das Kartellamt muss dem Verkauf noch zustimmen. Angaben zum Kaufpreis wurden nicht gemacht. Edeka will rund 200 Tegut-Filialen in den genossenschaftlichen Edeka-Verbund integrieren. "Mit dieser Einigung schaffen wir eine klare Zukunftsperspektive für die Tegut-Märkte und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter", sagte der Vorstandsvorsitzende der Edeka-Zentrale, Markus Mosa. Auch das Logistikzentrum in Michelsrombach soll an die Supermarkt-Kette gehen.

Edeka will 200 tegut-Filialen übernehmen - auch Rewe und Aldi interessiert

Außer Edeka hat auch Rewe Interesse an Filialen gezeigt, laut der Lebensmittelzeitung (LZ) wird bereits ein entsprechendes Paket geschnürt. Wie das Branchenblatt berichtet, könnte Rewe vor allem Standorte in Bayern übernehmen. Abgesehen verhandelt Migros auch mit dem Discounter Aldi und der Kette Tante Enso, die vor allem autonome Supermärkte betreibt. Aldi möchte dabei vor allem größere Filialen übernehmen, Tante Enso entsprechend seines Geschäftsmodells wiederum kleinere Läden. 

Durch die Schließung zahlreicher Standorte hätte ansonsten der Verlust von mehr als 4500 Arbeitsplätzen gedroht, hieß es. Ob der Name Tegut erhalten bleiben wird, ist bislang unklar. Zu weiteren Details äußerte sich Edeka nicht. Zuvor hatte die Lebensmittel Zeitung darüber berichtet. Migros erklärt den Schritt folgendermaßen: Trotz massiver Kosteneinsparungen habe sich das Marktumfeld in Deutschland weiter verschärft und zu rückläufigen Umsätzen geführt. Tegut sei "unter diesen Bedingungen mit der spezifischen Positionierung und der vergleichsweise kleinen Unternehmensgröße langfristig wirtschaftlich nicht zukunftsfähig".

Die Option einer Gesamtübernahme von Tegut durch einen Händler, der bisher nicht im deutschen Markt präsent sei, habe sich als nicht umsetzbar erwiesen, hieß es. Offen ist bislang, was aus den übrigen Tegut-Märkten wird. Laut Migros laufen Gespräche mit weiteren Interessenten. Weitere Details wurden nicht genannt. Tegut wurde 1947 in Fulda gegründet. Im Jahr 2013 wurde die Kette von Migros übernommen. Laut Angaben auf der eigenen Internetseite beschäftigt Tegut ungefähr 7700 Menschen und hat mehr als 300 Supermärkte in sechs Bundesländern. Die mit Abstand meisten davon befinden sich in Hessen. In Franken betreibt die Supermarktkette knapp 50 Filialen - das vor allem in Unter- und Mittelfranken, aber auch zum Beispiel in Bamberg.

"Können da nicht zusehen" - Scharfe Kritik an Übernahme-Plänen von Edeka

Der Kartellrechtler Rupprecht Podszun sieht die geplanten Übernahmen von Tegut-Standorten kritisch. Er hält es sogar für möglich, dass das Kartellamt die Vorhaben ganz oder teilweise untersagt. Der Professor der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf ist Mitglied der Monopolkommission. Ein kürzlich veröffentlichtes Gutachten des Beratergremiums kam zu dem Schluss, dass die Konzentration im deutschen Lebensmittelhandel auf die vier Unternehmen Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) bereits sehr hoch ist.

Podszun erwartet deshalb eine besonders intensive Prüfung durch die Wettbewerbshüter. "Bislang wird oft argumentiert, dass es doch ausreicht, wenn es für Konsumenten in einer bestimmten Region genügend Auswahl unter den Supermärkten gibt." Die Marktmacht der großen Handelsketten ist dem Experten zufolge jedoch nicht mehr nur regional begrenzt. Sie drängten zudem zunehmend in die Produktion. "Wir können nicht einerseits eine hohe Konzentration beklagen und andererseits zusehen, wie die letzten kleinen Wettbewerber von genau diesen Unternehmen geschluckt werden."