Er gehört zu Hollywoods bekanntesten Actionhelden und verkörpert auf der Leinwand meist Männer, die niemals aufgeben. Doch Gerard Butler denkt heute ganz anders über Erfolg und Stärke. Im Interview spricht der Schauspieler über Niederlagen und Verletzlichkeit.
Ob als Spartanerkönig in "300" oder als unerschrockener Retter in der "Has Fallen"-Reihe: Gerard Butler (56) ist für Millionen Zuschauer der Inbegriff eines Kämpfers. Doch privat hat sich die Einstellung des Schotten zum Gewinnen grundlegend verändert. "Ich habe so oft verloren, dass mir das Gewinnen heute nicht mehr wichtig ist", gesteht der Hollywoodstar im Gespräch mit teleschau. Eine überraschende Aussage für jemanden, dessen Karriere seit Jahrzehnten von Durchhaltevermögen und Ehrgeiz geprägt ist.
Anlass des Gesprächs war der Kinostart von "Drachenzähmen leicht gemacht", der jetzt bei Sky Cinema sowie beim Streamingdienst WOW zu sehen ist. In der Realverfilmung des beliebten Animationsklassikers verkörpert Butler den Wikingerhäuptling Haudrauf, den Vater des jungen Drachenfreundes Hicks. Eine Geschichte über Mut, Freundschaft und die Suche nach dem eigenen Weg.
Dass Butler heute so gelassen über Niederlagen spricht, war nicht immer selbstverständlich. Früher sei er extrem ehrgeizig gewesen, habe im Sport, im Studium und später in seiner Karriere unbedingt gewinnen wollen. Doch das Leben habe ihn eines Besseren belehrt. "Ich mache nichts perfekt - ganz im Gegenteil", räumt er ein. Seine innere Stärke sei oft gerade aus Fehlentscheidungen entstanden. "Dass Dinge schiefgehen. Aber ich komme da durch. Und genau daraus entsteht diese innere Kraft."
"Meine eigene Stärke finde ich im Austausch mit Freunden"
Auch sein Verständnis von Stärke hat sich verändert. Während seine Filmfiguren häufig mit Muskeln und Kampfgeist überzeugen, findet Butler seine persönliche Kraft heute ganz woanders. "Meine eigene Stärke finde ich im Austausch mit Freunden und Menschen, denen ich vertraue - im Gespräch, im Zulassen von Verletzlichkeit", erzählt er gegenüber teleschau. Die eigenen Erfolge ebenso teilen zu können wie Niederlagen, schaffe eine besondere Nähe.
Früher habe er dagegen oft versucht, möglichst stark, kontrolliert und souverän zu wirken. Erst mit den Jahren sei ihm klar geworden, dass gerade die eigenen Schwächen Menschen miteinander verbinden. "Wahre Verbindung entsteht, wenn man ehrlich ist. Wenn man nicht nur seine Erfolge, sondern auch seine Zweifel teilt." Diese Erkenntnis habe ihn ruhiger gemacht. Seinen wichtigsten Rückzugsort hat der gebürtige Schotte allerdings fernab des Hollywood-Trubels gefunden: in der Natur. "Wenn ich draußen bin, in den Bergen oder am Meer, spüre ich sofort - alles wird klar", sagt Butler. Dann verschwinde das Gedankenkarussell, all der Lärm im Kopf. Wann immer es sein Terminkalender zulasse, ziehe es ihn deshalb hinaus aus den Städten.
Schon vor Jahren habe er beschlossen, sein Leben grundlegend zu verändern. "Ich habe in Hollywood gelebt und meine Energie ist dort einfach verpufft", erinnerte er sich. Seit seinem Umzug nach Malibu suche er bewusst die Ruhe der Berge, stehe früh auf, meditiere und verbringe möglichst viel Zeit draußen. "Wenn ich von der Natur umgeben bin, fühle ich mich fast so wie zu Hause." Vielleicht liegt genau darin Butlers größte persönliche Veränderung: Der Mann, der auf der Leinwand so oft unbesiegbare Helden verkörpert, muss im wirklichen Leben längst nicht mehr jeden Kampf gewinnen. Für ihn zählt heute etwas anderes: sich selbst treu zu bleiben und auch die eigenen Schwächen akzeptieren zu können.
Quelle: teleschau – der mediendienst