«The Avengers» (2012) – wenn Einzelkämpfer ein Team werden
Vier Jahre später führt Marvel zusammen, was zuvor einzeln aufgebaut wurde. So müssen unter anderem Iron Man, Thor (Chris Hemsworth) und Captain America alias Steve Rogers (Chris Evans) erstmals gemeinsam kämpfen. Dass ein Milliardär im Hightech-Anzug, ein Donnergott und ein patriotischer Supersoldat nicht sofort als Team funktionieren, gehört dabei zum Konzept.
Regisseur Joss Whedon macht aus dem Superhelden-Spektakel mehr als nur eine Materialschlacht. Besonders der Kontrast zwischen Technikgenie Stark und dem moralischen Pflichtsoldaten Rogers wird zur Blaupause späterer Konflikte. Gleichzeitig etabliert der Film endgültig die große Marvel-Formel: Mehrere Geschichten laufen auf ein gemeinsames Ereignis zu, in dem die Figuren aufeinandertreffen.
Mark Ruffalo ist in der jüngeren Filmgeschichte nach den Schauspielern Eric Bana und Edward Norton bereits der dritte Hulk-Darsteller – aber der erste, der die Figur dauerhaft prägt.
«The Return of the First Avenger» (2014) – Marvel wird politisch
Dieser Film hat viele Zuschauer überrascht. Statt bunter Superhelden-Action erzählt «The Return of the First Avenger» von Überwachung, Geheimdiensten und wachsendem Misstrauen. Chris Evans darf Steve Rogers hier erstmals als zweifelnden Helden spielen, der sich in einer Welt wiederfindet, in der Freund und Feind nicht mehr klar zu unterscheiden sind.
Mit dem Winter Soldier führt das MCU zugleich eine seiner tragischsten Figuren ein: Sebastian Stan verkörpert den Attentäter mit dunkler Vergangenheit. Freundschaft, Loyalität und moralische Entscheidungen rücken stärker in den Mittelpunkt als Explosionen und Spezialeffekte.
Der Film verändert damit den Ton des gesamten Universums. Marvel zeigt, dass Superheldengeschichten auch politische Thriller sein können – mit Verschwörungen, Machtmissbrauch und der Frage, wie viel Sicherheit eine Gesellschaft für Freiheit opfern darf.
«Guardians of the Galaxy» (2014) – Außenseiter erobern das All
MCU-Chef Kevin Feige wagt einen ungewöhnlichen Schritt: Statt bekannter Superhelden stehen plötzlich eher unbekannte Comicfiguren im Mittelpunkt. Unter der Führung eines selbst ernannten, chaotischen Anführers trägt eine Gruppe von Figuren eine Geschichte, die zuvor selbst unter Comicfans ein Nischendasein führte. Regisseur James Gunn nutzt diese Freiheit – und etabliert mit seinem eigenwilligen Stil eine neue Richtung im MCU.
Chris Pratt spielt den charmant-überforderten Peter Quill, der gemeinsam mit Gamora (Zoe Saldaña) und Drax (Dave Bautista) eher zufällig zum Retter der Galaxis wird. Pratt, zuvor vor allem aus der Serie «Parks and Recreation» bekannt, gelingt hier der Sprung zum Action-Star, während Ex-Wrestler Bautista zum Publikumsliebling wird. Eine besondere Sprechrolle hat neben Bradley Cooper als Waschbär Rocket auch Vin Diesel, der für das baumartige Wesen Groot lediglich die Worte «Ich bin Groot» einspricht – und das in über 15 Sprachen.
Das Ganze zahlt sich aus: Der Film wird zum Publikumshit und spielt weltweit über 770 Millionen US-Dollar ein. Der kosmische Teil des MCU wird erstmals verständlich(er) – inklusive der Bedeutung mächtiger Artefakte für den späteren Filmverlauf. Der Soundtrack mit Songs aus den 70er- und 80er-Jahren («Awesome Mix Vol. 1») wurde selbst ein Hit und prägt bis heute den Stil der Reihe.
«Avengers: Infinity War» (2018) – Der Bösewicht gewinnt
Zehn Jahre Aufbau münden in einem Film, der alles zusammenführt. Nahezu alle zuvor eingeführten Figuren treffen in «Infinity War» zusammen. Im Zentrum steht erstmals ein Gegner, der das gesamte Universum bis dato verbindet: Thanos (Josh Brolin).
«Infinity War» zeigt die volle Wucht des vernetzten Erzählens: Handlungsstränge aus zahlreichen Filmen greifen ineinander, Figuren begegnen sich erstmals und müssen trotz aller Unterschiede zusammenarbeiten. Gleichzeitig endet der Film ungewöhnlich düster – ein Bruch mit den Erwartungen des Publikums und ein Beweis dafür, wie weit sich das MCU inzwischen von klassischen Superheldenmustern entfernt hat.
Mit «Avengers: Endgame» (2019) wird diese Geschichte schließlich aufgelöst. Der Film führt die offenen Handlungsstränge zusammen, verabschiedet zentrale Figuren und markiert für viele Fans einen emotionalen Schlusspunkt der ersten großen Marvel-Ära – der sogenannten Infinitiy Saga. Mit einem Einspielergebnis von insgesamt rund fünf Milliarden US-Dollar weltweit gehören beide Streifen zu den erfolgreichsten Filmen aller Zeiten.
Der Anfang im großen Ganzen
Wer diese zentralen Filme gesehen hat, versteht die Grundmechanik des Marvel Cinematic Universe – auch wenn das Universum inzwischen deutlich komplexer geworden ist. Mit Multiversen, neuen Figuren und zahlreichen Serien hat Marvel in den vergangenen Jahren die eigene Erzählstruktur weiter ausgedehnt. Das macht den Einstieg nicht leichter, zeigt aber zugleich, wie groß das Projekt inzwischen geworden ist.
Mit «Avengers: Doomsday» steht im Dezember das nächste große Gipfeltreffen bevor. Für Einsteiger gilt dennoch: Der Weg ins MCU beginnt nicht mit der Masse – sondern mit den richtigen Filmen.