Kulturstaatsminister Wolfram Weimer bezeichnete Baselitz als einen «der weltweit bedeutendsten bildenden Künstler unserer Zeit». Weimer schrieb in einer Reaktion: «Seine Werke sind geprägt durch eine radikale Befragung der eigenen Identität als Künstler – und einer ebenso radikalen Befragung der deutschen Geschichte.»
In seinen «Heldenbildern» ab 1965 bezog sich Baselitz auf den Krieg. Die vermeintlichen Helden wanken heran als kaputte Gestalten in zerlumpten Uniformen, Figuren, die mit ihren verzerrten Proportionen, riesigen Händen und Füßen und kleinen Köpfen verstören. «Ich bin in eine zerstörte Ordnung hineingeboren worden, in eine zerstörte Landschaft, in ein zerstörtes Volk, in eine zerstörte Gesellschaft», sagte er der Deutschen Presse-Agentur vor seinem 85. Geburtstag.
Er malte gerne auf dem Boden
Da war er schon weitgehend auf einen Rollstuhl angewiesen, aber das bremste nicht seinen Schaffensdrang: «Meine Fortbewegungsmittel im Atelier kommen jetzt aus dem orthopädischen Fachhandel», sagt er. Baselitz malte gerne auf dem Boden. Seine Frau Elke, mit der er mehr als 60 Jahre verheiratet war, habe ihm in späteren Jahren extra ein Podest dafür gebaut.
Seine monumentalen Bilder hängen in den wichtigsten Museen der Welt. 2004 erhielt Baselitz den japanischen Preis Praemium Imperiale, einen der weltweit wichtigsten Preise für Kunst. 2019 wurde er in die ehrwürdige Akademie der bildenden Künste in Paris gewählt. In seiner Antrittsrede sagte er 2021, die Gesellschaft brauche Künstler, «sonst wäre sie nur ein Affenstall (...). Mit Kunst kann man die Welt bereichern, aber die Bösartigkeit nicht verjagen».
Künstlername als Hommage an Geburtsort in Sachsen
Baselitz wurde in Sachsen geboren, mit bürgerlichem Namen Hans-Georg Kern. Der Künstlername ist eine Hommage an seinen Geburtsort Deutschbaselitz. Er fing als Teenager mit dem Malen an. «Beim Bildermalen hatte ich ein Gespür, dass ich etwas hatte, das man Talent nennt», sagte er 2018 im Museum Beyeler bei Basel.
Mit seinem Widerspruch gegen alles Herkömmliche brüskierte der junge Baselitz seine Lehrer schnell und flog in den 50er Jahren wegen «gesellschaftlicher Unreife» von der Kunsthochschule in Berlin. Er hatte lieber Picasso gemalt, als in den Semesterferien ins Kombinat zu fahren. Er siedelte schließlich in den Westteil der Stadt über.
Verhältnis zu Deutschland nicht ungetrübt
Ende der 1970er Jahre begann er mit kantig gesägten Holzskulpturen, die an afrikanische Kunst erinnern. Wieder ein Aufreger: Seine Skulptur für den deutschen Pavillon bei der Biennale 1980 in Venedig hielt den Arm nach oben. Ein Hitlergruß sei nicht seine Intention gewesen, sagte er später. Sein Verhältnis zu Deutschland war nicht ungetrübt. Als Reaktion auf das Kulturgutschutzgesetz 2016 zog er seine Dauerleihgaben aus deutschen Museen ab. Der Maler und Bildhauer befürchtete, nicht mehr frei über sein Eigentum verfügen zu können.
Die überdimensionalen Bilder, die ihn weltberühmt machten, das sei auch Geltungsdrang gewesen, sagte Baselitz dem Kurator der Werkschau 2018 in der Fondation Beyeler, Martin Schwander. «Mit kleinen Formaten kannst du nichts werden» - so habe er lange gedacht. Und: «Das Großformat zerstört auch das einvernehmliche Verhältnis zwischen Sofa und Bürgertum, da die Bilder nicht durch die Tür gehen.»
Selbst, als seine Bilder schon in den wichtigsten Museen hingen und auf dem Kunstmarkt Millionenpreise erzielten, war Baselitz noch von Angst getrieben: «Die Unsicherheit und die Angst vor dem Scheitern sind ein tägliches Problem», sagte er.