Die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Britta Haßelmann, sprach von einem «technischen Begriff im Haushaltsverfahren und im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages in der parlamentarischen Arbeit» und erklärte: «Letztlich bedeutet es, dass für Investitionen Schulden möglich sind. Und das ist etwas, darüber kann man natürlich trefflich streiten.»
Der Co-Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Sören Pellmann, hält «Sondervermögen» für die richtige Wahl: «Ich hätte, wäre ich beteiligt gewesen an der Auswahl, mich auch genau für dieses Wort entschieden», sagte er. Es gehe um «ein Schuldenmachen für künftige Generationen und kein Sondervermögen», daher sei es passend gewählt.
«Zustrombegrenzungsgesetz» auf Platz zwei
Auf Platz zwei bei der «Unwort»-Kür landete der Ausdruck «Zustrombegrenzungsgesetz». Der Ausdruck bediene sich einer «Wassermetapher» und stelle Zuwanderung als «Herbeiströmen in großen Mengen» dar, hieß es. Dadurch werde Zuwanderung negativ als Bedrohung konnotiert.
Gast wählt «Umsiedlung» als persönliches «Unwort des Jahres»
Als Gastjuror hatte sich in diesem Jahr der Autor, Jurist und Journalist Ronen Steinke beteiligt. Sein persönliches «Unwort des Jahres» ist der Begriff «Umsiedlung», mit dem israelische und amerikanische Politiker im vergangenen Jahr dafür geworben hätten, die Bevölkerung des umkämpften Gazastreifens dauerhaft in ein anderes Land zu schicken. «Was klingt wie eine Wohltat, verschleiert ein Verbrechen», so die Jury.
«Stadtbild» aus Jury-Sicht kein geeignetes «Unwort»
Das «Unwort des Jahres» wird aus Vorschlägen ausgewählt, die Interessierte jeweils bis zum Ende eines Jahres einreichen können. Unter den insgesamt 553 vorgeschlagenen Begriffen war auch «Stadtbild» - ein Wort, das Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verwendet hatte.
Im Oktober sagte er, die Bundesregierung korrigiere frühere Versäumnisse in der Migrationspolitik und mache Fortschritte, «aber wir haben natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem». Was er genau meinte, blieb zunächst offen. Später konkretisierte Merz, Probleme machten jene Migranten, die keinen dauerhaften Aufenthaltsstatus hätten, nicht arbeiteten und sich nicht an die in Deutschland geltende Regeln hielten.
Das Wort «Stadtbild» sei «nicht unbedingt negativ besetzt» - und deshalb für die Jury kein «Unwort», sagte Spieß. Infrage kommen dafür grundsätzlich Begriffe und Formulierungen, die gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder Demokratie verstoßen, die gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die euphemistisch, verschleiernd oder irreführend sind. Für 2024 war «biodeutsch» zum «Unwort des Jahres» bestimmt worden.