Lindholm darf nach Hannover zurück. Doch vorher gilt es noch einen Fall zu lösen. Der dreht sich um die prekäre Lage von Paketdienst-Fahrern. Es ist auch ein Abschied von dem Duo mit Anais Schmitz.
Zum Schluss kommt es für Charlotte Lindholm in Göttingen noch einmal ganz dicke. Eigentlich hat sich die niedersächsische Kriminalhauptkommissarin ja - nach sechs gelösten «Tatort»-Fällen - für ihre Verhältnisse gut integriert in der malerischen Universitätsstadt. Dorthin war die TV-Ermittlerin 2019 wegen mangelnder Teamfähigkeit strafversetzt worden.
Bei Vorgesetzten und Kollegen ist sie anerkannt. Etwa bei Anais Schmitz (Florence Kasumba, «Get Up»), mit der sie nach anfänglichen Querelen inzwischen recht konfliktarm zusammenarbeitet. Und dennoch reagiert Lindholm (Maria Furtwängler) im «Tatort»-Fall «Geisterfahrt» (Sonntag, 20.15 Uhr, das Erste) erfreut, als man ihr mitteilt, dass das Landeskriminalamt in Hannover sie gern als Fahnderin zurück hätte.
Ein Strudel an Missständen
So sehnt sich die immer noch eher eigenwillige Kripobeamtin nach ihrem kleinen Sohn David, der in der Landeshauptstadt bei der Großmutter in Obhut ist. Zunächst muss allerdings in Göttingen ein letzter Fall gelöst werden. Das blutige Geschehen im winterlich eisigen Südniedersachsen kommt sowohl spannend als auch plakativ daher. Es lässt Lindholm mit traurigen Ereignissen in der Welt der Niedriglohn-Beschäftigten in Kontakt kommen. Auch geht es um Gewalt in der Ehe und um Ehebruch. Ein Strudel an Missständen also, wie sie auch im wahren Leben allzu oft vorkommen und in den Medien bereits viel diskutiert werden. In diesen Sog wird Lindholm so tief hineingezogen, dass auch ihre Weste nicht weiß bleibt.
Am Ende wird es für sie auch ein Abschied von Schmitz, die nach Lindholms Weggang in Göttingen bleibt und dort - so wird es angedeutet - weiter Karriere macht. Kasumba steigt aus dem Sonntagskrimi-Klassiker aus. Das hatte der verantwortliche Norddeutsche Rundfunk (NDR) Ende Dezember ohne nähere Angaben von Gründen mitgeteilt.
Cross-over-Episode mit Kasumba
In einem weiteren «Tatort» wird die ausdrucksstarke 47-Jährige jedoch noch einmal zu sehen sein. Denn im Herbst ist in Hannover eine Cross-over-Episode gedreht worden, in der sie neben Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring), der sonst im Bundespolizei-«Tatort» aus Hamburg agiert, Teil einer überregionalen Ermittlungsgruppe zu einer Messerstecherei mit Todesfolgen ist. Laut NDR soll der Film mit dem Arbeitstitel «Die kälteste Maschine» 2025 laufen.
In «Geisterfahrt» feiert Lindholm zunächst ein fröhliches Fest mit. Polizeidirektor Liebig (Luc Feit, «Berlin Babylon») wird 60 und gibt Champagner aus. In seiner launigen Ansprache macht er seine Untergebenen auch mit seiner neuen Frau Tereza (Bibiana Beglau, «Der Barcelona- Krimi») bekannt. Sie ist Ärztin und arbeitet in genau der Klinik, in deren Intensivstation alsbald zwei Menschen nach einem schweren Autounfall gebracht werden - der eine Fahrer, der andere Passant.
Es handelt sich um den rumänischen Fahrer Illie (Adrian Djokic), prekär bezahlter Sub-Sub-Unternehmer eines Paketdienstes, und um einen Teenager, der sich zufällig in der Innenstadt aufgehalten hatte. Kurier Illie war mit seinem Transporter direkt auf eine Menschengruppe zugerast. Aus der Feier heraus sind Lindholm und Tereza Liebig schnell am Tatort. «Amok? Suizid? Mord? Das ganze Programm», konstatiert bald darauf Schmitz.