Im Disco-Zeitalter erschuf die schwedische Band Abba vor 50 Jahren einen Song für die Ewigkeit. Was macht die Pop-Hymne bis heute so unwiderstehlich?
Zwei Musiker-Paare, ganz in Schwarz gekleidet, auf den Köpfen weiße Hüte im gestylten Western-Look: Mit diesem Cover erschien vor 50 Jahren, am 16. August 1976, Abbas Single «Dancing Queen» in Schweden. Man spüre nicht immer, wann ein Hit entstehe, sagt Sängerin Agnetha Fältskog, heute 76. «"Dancing Queen" war eine Ausnahme - wir wussten sofort, dass der Song ein Riesenerfolg werden würde», ergänzt sie auf Abbas Internet-Seite. Rund zwei Milliarden Streams allein auf Spotify beweisen, dass die Pop-Hymne ein zeitloser Klassiker geworden ist. Was war das Erfolgsrezept?
1976 glücken der Nasa Sonden-Landungen auf dem Mars, in Europa startet das Überschall-Flugzeug Concorde. Steve Jobs, Steve Wozniak und Ronald Wayne gründen die Firma Apple. Im Kino laufen Martin Scorseses psychologisches Drama «Taxi Driver» mit Robert De Niro und der Boxerfilm «Rocky» mit Sylvester Stallone. Und in der Musikkultur? Da dominieren Punk und Disco die zweite Hälfte der 1970er Jahre.
Disco als Lebensgefühl der 70er Jahre
In «Dancing Queen» zeichnet der Text das Bild einer 17-Jährigen, die am Freitagabend Freiheit, Aufmerksamkeit und unbeschwerte Freude auf der Tanzfläche genießt. Doch es geht nicht allein um ein Mädchen - es ist wie ein Lebensgefühl, wenn es heißt «you can dance, you can jive, having the time of your life» - tanze und hab die beste Zeit deines Lebens. Nur ein Jahr später stärkt der US-Tanzfilm «Saturday Night Fever» mit John Travolta und dem Soundtrack der Bee Gees Disco als Massenphänomen.
Der Hit «Dancing Queen» aber startet von Europa aus durch. Erst im April 1977 wird der Song die erste und einzige Nummer Eins von Abba in den Vereinigten Staaten. Weltweit steht er in mehr als einem Dutzend Ländern an der Spitze der Charts, auch im damaligen Westdeutschland. Vielleicht ist das ein Durchbruch, wie ihn heute die südkoreanische Boygroup BTS erlebt.
Auftritt bei Silvias Hochzeit
1976 gibt es noch ein Ereignis, das vor allem Deutschland und Schweden in seinen Bann zieht. Es ist die Hochzeit der deutschen Dolmetscherin Silvia Sommerlath mit König Carl Gustaf von Schweden. Am Vorabend, am 18. Juni, lässt sich das Brautpaar in einer Gala in der Königlichen Oper in Stockholm feiern. Als einziger Pop-Act ist Abba eingeladen, die zwei Jahre vorher mit «Waterloo» den Eurovision Song Contest gewonnen hatten. Die Musiker entscheiden sich augenzwinkernd für einen Aufzug in barocken Reifröcken und Pumphosen und für «Dancing Queen» - Silvia und Carl Gustaf applaudieren.