«Es ist nun mal ein unordentliches Leben»
Als sich ein Fernsehreporter an einer Charakterisierung von ihr versuchte (sie sei angeblich «naiv-vertrauend», trotzdem berechnend, «trotzig-unabhängig», aber anlehnungsbedürftig), antwortete sie: «Sie machen aus mir 24 Personen auf einmal.» Und nahm sich eine Zigarette.
Natürlich mache der Mensch viel Veränderung durch, sagte Knef dann weiter. Die Veränderung, die Veränderlichkeit sei das Beständigste in unseren Leben. «Es ist nun mal ein unordentliches Leben.» Das gelte für jedes Leben. Selbst wenn man versuche, es sehr ordentlich zu gestalten.
Das Glück kennt nur Minuten
Wann sie glücklich gewesen sei? «Also richtig glücklich? Was ist glücklich?», entgegnet Koch. Knef habe ja selbst geschrieben: «Das Glück kennt nur Minuten, der Rest ist Warteraum». Wenn ihre Tochter da gewesen sei, sei sie wie jede Mama sicher glücklich gewesen. Das Interessante an Knef sei, dass sie nie gejammert habe. «Sie war ein Steh-Auf-Frauchen.»
«Ich habe mit ihr mehr gelacht als geweint», sagt Koch, der in einer Altbauwohnung im Westen Berlins heute viele Erinnerungsstücke ausstellt. Wenn sie mal einen schlechten Tag gehabt habe, dann habe er sie mit seiner Ente abgeholt und sie seien zum KaDeWe gefahren oder ins Hutgeschäft.
Lieber eine Stange Zigaretten
Wenn man ihr etwas habe schenken wollen, habe man ihr mit drei Dingen eine Freude machen können. Es seien nicht die roten Rosen gewesen, wie die Fans immer gedacht hätten, erzählt Koch. «Nein. Eine Stange Marlboro, eine Flasche Champagner - Dom Pérignon, und eine Schüssel Kaviar, russisch.» Er habe ihr auch Kosmetiksachen oder Kleider mitgebracht.
Als sich die Zeiten und die Mode änderten, habe er ihr mal geraten, beim Make-up weniger zu machen. Sie habe die Wimpern aber behalten wollen - und im Nachhinein sei das gut gewesen, räumt Koch ein. «Wir reden heute noch von den Wimpern und es war doch richtig, dass sie sie nicht abgelegt hat.»
Die legendären künstlichen Wimpern
Ein Paar ihrer Wimpern liegt heute in der Vitrine. Damals konnte man nicht einfach in der Drogerie magnetische Wimpern kaufen oder Contouring-Videos auf Tiktok gucken. Den Kleber habe er damals noch in Hollywood bestellen müssen, erzählt Koch, der die Knef auch mal liebevoll «Ida Putenschlund» nannte, wenn sie noch verknittert im Bett lag.
Er habe sich mal einen Ohrring von ihr geliehen und vergessen ihn zurückzugeben, erzählt Koch. Sie schrieb ihm: «Du hast meinen goldenen Ohrring. Nicht, dass ich ihn dir nicht gönne. Doch leih ihn mir mal für einen Abend aus. Deine Ida Putenschlund.» Die beiden kannten sich seit den 1970ern, mehr als zwei Jahrzehnte.
Knef starb am 1. Februar 2002 im Alter von 76 Jahren. Ihr Leben wurde mit Heike Makatsch verfilmt und als Graphic Novel erzählt. Ob sie erwartet hätte, dass ihre Erinnerungsstücke mal bei Koch ausgestellt werden? Er glaube, sie sei ein Mensch gewesen, der im Moment gelebt habe, sagt Koch. «Das war für sie immer das Schönste, der Moment.»