Klingt nach einem coolen Job: Geld bekommen, losziehen, einkaufen und fürs Shoppen auch noch bezahlt werden. Zehn Damen und Herren haben so einen Job: Sie sind Einkäufer bei der Stiftung Warentest. Ihre Besorgungen sind ein wesentlicher Punkt für die Prüfprogramme. Bis die Einkäufer jedoch losziehen können, Labore mit Tests beauftragt werden und die Ergebnisse in den Test-Heften oder auf der Internetseite der Stiftung Warentest veröffentlicht werden, dauert es zwischen sechs und zwölf Monaten.

Fachbeirat legt Prüfprogramm fest

"Vor den Prüfungen werden von einem Fachbeirat mit Vertretern von Anbietern, Verbrauchern und unabhängigen Institutionen Marktsituation und Prüfprogramm diskutiert, das Programm festgelegt und an die Anbieter verschickt", erklärt Holger Brackemann, Bereichsleiter Untersuchungen der Stiftung Warentest in Berlin. Für das Prüfprogramm wird ein "umfassender Ansatz zugrunde gelegt, der die für den Verbraucher relevanten Produkteigenschaften beinhaltet."

Produktauswahl

Dann wird für jeden Test eine Produktauswahl getroffen. Dabei spielen unter anderem die Bedeutung am Markt, technische Merkmale und der Preis eine Rolle. Jetzt dürfen die Einkäufer anonym überall in Deutschland Fotos, Lebensmittel oder Laufschuhe einkaufen. Außer Warentests werden Schnelltests (Einkauf am Morgen, Testergebnis online am Abend), Dienstleistungs- sowie Finanzdienstleistungstests durchgeführt. Seit 2004 nimmt die Stiftung außerdem in CSR-Tests (Corporate Social Responsibility) die soziale Verantwortung von Herstellern unter die Lupe und bewertet diese durch Besuche in Firmen zum Beispiel in China, Pakistan und Indien.

Die normalen Untersuchungen werden bei über 100 unabhängigen Testinstituten (ein bis drei Labore pro Test) in Deutschland in Auftrag gegeben. Deren Namen bleiben geheim, damit Anbieter nicht auf die Idee kommen, die Prüfergebnisse beeinflussen zu wollen. Die Prüfkriterien - für Geräte üblicherweise Handhabung, Haltbarkeit, Umwelt und Sicherheit - legen die wissenschaftlich qualifizierten Projektleiter der Stiftung Warentest fest, die auch die Ergebnisse auswerten und die Noten vergeben. "Bewertet wird nach wissenschaftlichen Kriterien", sagt Brackemann. "Das geht häufig weiter als einschlägige gesetzliche oder normative Anforderungen."

Dauertests im Ausland

Viele Tests finden mit ausländischen Partnern statt: Um von der Expertise aller internationalen Netzwerke des Verbraucherschutzes sowie Labore in 26 Ländern zu profitieren, aber auch, um Kosten zu sparen. Dauertests von Waschmaschinen beispielsweise wären wegen der hohen Energie- und Wasserkosten in Deutschland undenkbar.

Außerdem werden bei den Untersuchungen oft Testpersonen einbezogen. Sie geben ihre Wäsche zum Test-Waschen ab oder schmieren sich Hautcreme ins Gesicht. Sie schließen Auslandskrankenversicherungen ab, reisen ans andere Ende der Welt und rufen die angegebenen Leistungen ab. Oder sie lassen sich auf den Kork-Geschmack von Wein trainieren und testen mit diesem Wissen den Wein, sie rennen mit Laufschuhen über Stock und Stein und so weiter und so weiter.

Alles muss stimmen

So genannte Verifizierer überprüfen intern die Auswertung und Veröffentlichung der Prüfergebnisse, Artikel und Grafiken. "Jedes Wort, jede Zahl muss stimmen", sagt Anita Stöcker, Chefredakteurin von Test. Parallel erhalten die Anbieter objektive Messergebnisse zu ihrem Produkt mit der Gelegenheit zur Stellungnahme. Die Testberichte werden dann in Themen-Teams mit jeweils einem Projektleiter und einem Redakteur verfasst. Diese Teams sind ein wesentlicher Bestandteil der Stiftung: 90 von 280 Mitarbeitern sind dort eingebunden.
Anbieter reagieren unterschiedlich

Nach der Veröffentlichung können die Anbieter die Gutachten einsehen oder Prüfmuster zurückkaufen. "Dann sehen sie selbst, wo und warum zum Beispiel der Laufschuh gebrochen ist", sagt Brackemann. Die Reaktionen der Hersteller seien ganz unterschiedlich. "Viele orientieren sich am Prüfprogramm der Stiftung bei eigenen Entwicklungen", erklärt Brackemann. Einige üben Kritik an den Tests, weil sie über die gesetzlichen Anforderungen hinausgingen.

Mittelwert bei Note 2,4

Am häufigsten werden die Urteile mangelhaft (Lebensmittel) vergeben und "ein schlechtes gut. Der Mittelwert über alle Produkte liegt bei 2,4." Schon oft seien Produkte aber durch ein schlechtes Testurteil verbessert worden. So wertet es Brackemann als Erfolge der Stiftung, dass Kinderautositze jetzt auch einen Seitenaufprallschutz haben oder Weichmacher aus Speiseölen größtenteils verschwunden sind. Auch ein für 2015 erwartetes Verbot von Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) schreibt Brackemann der Stiftung auf die Fahne. Die Diskussion um diesen schädlichen Kunststoff trat ein Test von Hämmern los, in deren Griffen 2005 die PAK gefunden wurden.

Manchmal kommt es nach der Bekanntgabe der Testergebnisse auch zu Abmahnungen, Anwaltsschreiben und Prozessen (etwa sechs im Jahr), "meistens aus dem Lebensmittelbereich", sagt Brackemann. Immerhin kann ein schlechtes Test-Urteil für Hersteller und Unternehmer erhebliche Einbußen nach sich ziehen. Bisher wurde die Stiftung aber noch nicht rechtskräftig zu Schadensersatzzahlungen verurteilt.