Laden...
Bamberg
Nachtleben

Von Zapfenstreich und Randale

Helfen Sperrzeiten bei der Verhinderung von nächtlichen Gewalttaten? Eher nicht, fanden jetzt zwei Politologen in einer Studie heraus.
Artikel drucken Artikel einbetten
Anläuten zum  letzten Bier - Sperrstunde. Die Regelung wird in fränkischen Städten durchaus unterschiedlich gehandhabt.Parnaby/dpa
Anläuten zum letzten Bier - Sperrstunde. Die Regelung wird in fränkischen Städten durchaus unterschiedlich gehandhabt.Parnaby/dpa
Sperrzeitverlängerung ja oder nein? Wann sollte in unseren Städten der Zapfenstreich erfolgen? Fragen, die bislang ohne genauere wissenschaftliche Untersuchung geführt und dennoch beantwortet wurden. Mehr anhand von Polizeistatistiken und auf recht emotionaler Ebene. Weil seit 2005 die Kommunalpolitiker selbst darüber entscheiden können, ob die gesetzlich vorgeschriebene Sperrstunde von fünf bis sechs Uhr zu verlängern ist oder nicht.


Auswirkungen der Sperrzeit

Was den Bamberger Politologen Lukas Hohendorf nicht nur störte, sondern auch handeln ließ. Gemeinsam mit seinem Studienkollegen Falko Tesch veröffentlichte der wissenschaftliche Mitarbeiter an der Professur für Empirische Politikwissenschaft der Universität Bamberg jüngst eine Studie, in der überprüft wird, welche Auswirkungen die Sperrzeiterweiterung in bayerischen Städten auf nächtliche Gewaltdelikte hat. "Gerade weil die Sperrzeit in Bayern zum Teil auf einer sehr emotionalen Ebene diskutiert worden ist, wollten wir die Diskussion mit wissenschaftlichen Ergebnissen versachlichen und objektiv nachprüfbare Fakten liefern", so Hohendorf.
Bei ihrer Analyse konzentrierten sich die beiden jungen Wissenschaftler auf den Zeitraum von 2002 bis 2013. Ausgewertet wurden die Daten der polizeilichen Kriminalstatistik für 13 mittelgroße Städte, darunter sieben fränkische Städte wie Bamberg, Aschaffenburg oder Fürth. Überprüft wurde, wie sich unterschiedliche Sperrzeiten auf die Anzahl von Körperverletzungen auswirken. Dazu wurde die genaue Anzahl an Straftaten pro Stadt, pro Jahr und pro Delikt ausgewertet.


Spitzenreiter Regensburg

So wurde beispielsweise errechnet, dass es in Schweinfurt zwischen zwei und sechs Uhr nachts im Zeitraum von 2002 bis 2013 durchschnittlich 2,57 Körperverletzungen je tausend Einwohner gab. Noch mehr Gewaltdelikte gab es bei 13 untersuchten Städten nur in Regensburg (2,63). Bamberg landet in diesem Gewaltranking auf Rang 3 (2,55) während sich in Städten wie Fürth (1,07), Bayreuth (1,54) oder Erlangen (1,90) deutlich weniger Gewaltbereitschaft finden ließ.
Die Frage, ob eine erweiterte Sperrzeit mit ihrer Einführung zu mehr oder weniger Gewalttaten in einer Stadt geführt hat, lässt sich aufgrund unterschiedlicher Faktoren so nicht beantworten, bilanzieren die beiden Politologen: Erkennbar sei aber eine langfristige Tendenz. So hatte die Sperrzeitverlängerung nur marginale Effekte auf die Anzahl der untersuchten Delikte. Heißt: In Städten mit generell niedrigem Gewaltpotential bleibt die Deliktrate niedrig. Allerdings würde sich in Städten mit einem ohnehin schon hohen Anteil an Körperverletzungen je 1000 Einwohner dieser Trend durch eine verlängerte Sperrzeit verschlimmern.
Was heißt das für die Politik? Was tun also? Lukas Hohendorf rät dazu, beim Bemühen zur Verhinderung von nächtlicher Gewalt und Ruhestörung auch über Alternativen nachzudenken.


Internationale Studien

Internationale Studien hätten gezeigt, dass strengere Kontrollen von Auflagen zum Ausschank an alkoholisierte Gäste erfolgreicher seien als eine Sperrzeitverlängerung. Gute Erfahrungen habe es auch mit sogenannten "Partyengeln" gegeben. Geschultem Personal, dass in Konfliktsituationen deesk