Die einen schwören auf Schulmedizin, die anderen auf Naturheilkunde: Da hat die jeweils "konträre" Disziplin oft keine Chance. Manche Patienten wiederum picken sich hier wie dort Therapieansätze heraus. Wo die Kombination aus konventioneller Medizin und wissenschaftlich fundierter Naturheilkunde eingesetzt werden kann, erklären zwei Experten bei einer Telefonaktion dieser Zeitung.

Sie beantworten am Donnerstag, 10. Dezember, von 17 bis 18.30 Uhr alle Fragen unserer Leser: Prof. Dr. Jost Langhorst, Chefarzt der Klinik für Integrative Medizin und Naturheilkunde am Klinikum Bamberg, und seine Kollegin Jessika Schnitker, Fachärztin für Innere Medizin.

Prof. Langhorst ist unter der Durchwahl 0951/188-221 zu erreichen, Jessika Schnitker unter Tel. 0951/188-226.

Ambulante und stationäre Konzepte

Sie sind von der Verbindung aus moderner, konventioneller Medizin mit gesundheitsfördernder Lebensstilmodifikation und wissenschaftlich fundierter Naturheilkunde überzeugt und sagen: "Diese Kombination kann den Gesundheitszustand von Patienten langfristig und nachhaltig verbessern."

In der Klinik erarbeite ein interdisziplinäres Team aus Fachärzten, Ernährungs- und Sportwissenschaftlern, Psychologen, Pädagogen, Pflegekräften und Physiotherapeuten übergreifende Therapiekonzepte für die Patienten. Stationär werden Langhorst und Schnitker zufolge vor allem die Bereiche Schmerz, Migräne, Darm- sowie Atemwegserkrankungen, Rheuma, Bluthochdruck und Diabetes behandelt. Bei entsprechender Indikation übernehmen die Krankenkassen die Kosten für den Klinikaufenthalt. Die ambulanten Angebote müssen von den Patienten selbst bezahlt werden.

Patient erlernt neuen Lebensstil

"Ziel einer ganzheitlichen Therapie ist die langfristige und nachhaltige Linderung der Beschwerden", erklären die Experten. Unter anderem werden Wasser-, Ernährungs- sowie Physiotherapie eingesetzt. Eine spezielle Methode ist die so genannte "Ordnungstherapie" (Mind-Body-Medizin). "Hier erlernt der Patient einen gesundheitsfördernden Lebensstil, der von Bewegung über Ernährung bis hin zur Achtsamkeit reicht", sagen Langhorst und Schnitker.

Bekannte Wegbereiter

Bereits unsere Vorfahren setzten natürliche Mittel gegen Verletzungen und Krankheiten ein. Seit dem Mittelalter wurden bestimmte Methoden der Naturheilkunde schriftlich festgehalten und dadurch verbreitet. Bekannte Wegbereiter waren die Äbtissin Hildegard von Bingen, der Arzt Paracelsus oder Pfarrer Sebastian Kneipp. Als Begründer der "Homöopathie" gilt der Arzt Sebastian Hahnemann.

Die genannten Behandlungen werden heute unter dem Begriff "Komplementärmedizin" zusammengefasst. Er umfasst alle Methoden, die ergänzend zur konventionellen Medizin eingesetzt werden.

300 alternative Verfahren

Das schließt fast 300 unterschiedliche Verfahren ein, darunter auch ganze Medizinsysteme wie die Traditionelle Chinesische Medizin, die Anthroposophie, das Ayurveda oder die Homöopathie. Häufig werden auch die Verfahren der Naturheilkunde darunter zusammengefasst. Es handelt sich also im Grunde um einen "Sammelbegriff" für die komplementären und naturheilkundlichen Verfahren.

Bei einigen ist die Wirksamkeit allgemein anerkannt, weshalb die Kosten von den Krankenkassen übernommen werden. Andere sind wissenschaftlich nicht nachgewiesen, gar umstritten, und müssen selbst bezahlt werden.

Welche Wassertherapie gegen welche Beschwerden helfen könnte, wo Pflanzen, Blutegel, Heilfasten und Bewegung eine sinnvolle Ergänzung zur Schulmedizin sind: Antworten auf diese und alle weiteren Fragen aus dem Bereich integrative und Naturmedizin bekommen unsere Leser bei unserer Telefonaktion am 10. Dezember von den Experten Langhorst und Schnitker. Die Anrufe sind kostenlos und werden auf Wunsch anonym behandelt.