Es ist eine bewegende Geschichte, eine sehr persönliche und eine, die tiefe Einblicke gewährt in das Leben und Denken eines Menschen, den man mit Recht als ein Genie bezeichnen kann. Die Dokumentation "Hawking", die jetzt auf DVD vorliegt (Ascot, ca. 16 Euro), ist mindestens so spannend wie ein Spielfilm und sie ist tief berührend, weil sie Stephen Hawking selbst erzählt.

"Willkommen in meiner Welt" - so lädt der berühmte Astro-Physiker die Zuschauer ein und gibt im Laufe der Dokumentation, die mit Spielszenen und privatem Material der Familie angereichert ist, Einblick in ein Leben, das von Anfang an ungewöhnlich ist. An welchem Mittagstisch war es wohl sonst üblich, sich über Abtreibung, Sex oder Homosexualität zu unterhalten? Und in wie vielen Familien lagen und standen Bücher an jedem freien Platz im Haus? Kein Wunder, dass die Familie Hawking als exzentrisch galt und Stephen Hawking schon von Kindheit an das
bekam, was er bis heute für überlebenswichtig hält: Geistige Nahrung, die ihn dazu bringt, sich Gedanken darüber zu machen, wie eine Modelleisenbahn und das Universum funktionieren.

Sein Leben in Oxford, das nach seinen eigenen Aussagen aus Rudern, Feiern und Witze erzählen bestanden hat, ändert sich nicht nur mit dem Wechsel nach Cambridge, wo er zum ersten Mal richtig arbeiten muss. Inmitten dieses hoch wissenschaftlichen Lebens, in dem sehr schnell klar ist, welche brillanten Ideen Hawking hat, gibt es Vorboten der Krankheit, die er aber erst im Rückblick als solche erkennt, da gibt es ungeschickte Bewegungen, die zunehmen und sogar einen Treppensturz.

Niederschmetternde Diagnose

Aber erst als er erkennt, dass er die Symptome nicht mehr länger verbergen kann, lässt er sich untersuchen und bekommt die niederschmetternde Diagnose, dass ihm die Krankheit ALS allmählich die Kontrolle über seinen Körper entziehen wird. Die Ärzte geben dem damals 20-Jährigen nur noch zwei bis drei Jahre, eine Zeitspanne, die ihm nicht einmal garantieren konnte, dass Hawking seine Doktorarbeit würde abschließen können.
Je mehr das Gefangensein im eigenen Körper zunahm, umso mehr entwickelte Hawking die Fähigkeit, sich von seiner Umgebung zu distanzieren und über das Universum nachzudenken, während sich die Menschen in seiner Umgebung über etwas ganz anderes unterhielten. Mit der Liebe zu seiner ersten Frau Jane Wilde bekam sein Wille, der unaufhörlich fortschreitenden Krankheit Paroli zu bieten, weitere Nahrung. "Die Liebe war etwas, wofür es sich zu leben lohnte, etwas wofür es sich lohnte, der Zukunft und ihren Herausforderungen zu begegnen", sagt Hawking im Film. Zwar nehmen Hawkings Beschwerden so stark zu, dass er bald ausschließlich auf den Rollstuhl und die entsprechende Pflege angewiesen ist und sich nur noch mit Hilfe eines Sprachcomputers verständigen kann, seine geistigen Fähigkeiten bleiben aber erhalten. Hawking lehrt immer noch an der Universität von Cambridge, ist täglich dort und unterrichtet Studenten, die bei ihm ihre Doktorarbeit schreiben.
Die DVD ist ein erstaunliches und sehr offenes Bekenntnis eines Mannes, der trotz seines erschütternden Schicksals weder seinen Humor noch seine Liebe zum Leben verloren hat. Und der mit seinen zahlreichen Auftritten, die er durchaus genießt, eigentlich nur eines bewirken will: Menschen für Physik zu interessieren.

Videos gibt es hier und hier.