Würde man dies als soziologisches Experiment denken, so wäre nicht nur den Experten vorab klar, was geschehen würde. Nur der Zeitpunkt wäre ungewiss. Knapp 2000 Menschen unterschiedlichster Herkunft wochen- bzw. sogar monatelang auf engstem Raum zu kasernieren, ohne ihnen die Chance auf irgendeine sinnvolle Tätigkeit zu bieten: Dies muss zwangsläufig zur Explosion führen.

Und so sind die Ereignisse von Suhl wenig überraschend, wenngleich sie einen verstört zurücklassen. Die Verstörung gilt aber weniger dem Ausmaß der Wut, die sich in und vor jenem Erstaufnahmelager entlud. Vielmehr ist es die staatliche Naivität, mit der die Flüchtlingsströme im Land gelenkt werden. Es liegt nicht an den Möglichkeiten, sondern an der Wurstigkeit des gesamten Apparats beim Umgang mit bald 800.000 Neuankömmlingen in diesem Jahr.
Von den Durchhalteparolen auf oberster Ebene können sich die Mangelverwalter am untersten Ende der Institutionen wenig kaufen. Ihr Handlungsrahmen ist überdehnt, vielerorts am Rande des Möglichen. Darum: Schafft endlich Strukturen! Verabschiedet jetzt ein Einwanderungsgesetz, schnürt jetzt ein Akut-Milliardenpaket für Länder und Kommunen, holt jetzt das notwendige Personal an Bord! Denn wir stehen vor einer Jahrhundertaufgabe.