Das Rebhuhn ist der Vogel des Jahres 2026. Die scheuen Tiere mit orange-braunem Kopf und grauer Brust sind bereits vielerorts aus der Landschaft verschwunden. Wo und wie Hilfe gefragt ist.
Hier ist besetzt! Das macht der Hahn mit seinem Krächzen Konkurrenten deutlich. Der Ton kommt allerdings aus einem Lautsprecher, den Marcel Holy in den Abendhimmel hält. Es handelt sich um eine akustische Provokation. Der Leiter der Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer gaukelt Rebhühnern vor, dass da ein anderer Hahn in der Dunkelheit steht.
Wenn aus den Feldern ebenfalls der Revierruf «kirräck» erklingt, kann er ein Kreuz auf seiner Landkarte machen: Auf diese Weise werden die männlichen Rebhühner gezählt. Hier in Brockum nordöstlich von Osnabrück in Niedersachsen und im angrenzenden Nordrhein-Westfalen sowie in den anderen Flächenländern. Allerdings ist in vielen Landstrichen Deutschlands keine Antwort eines Hahns zu erwarten.
Wie stark ist der Bestand gesunken?
Die Initiative «Rebhuhn retten - Vielfalt fördern!» geht davon aus, dass noch etwa 35.000 bis 61.000 Brutpaare in Deutschland leben. Das bedeute einen Rückgang zwischen 1980 und 2025 um mehr als 80 Prozent. Einer Erhebung des Deutschen Jagdverbandes zufolge ist der Bestand zuletzt leicht gestiegen: Im Vergleich zum Tiefstand 2019 wurden demnach 2023 ein Drittel mehr Paare gemeldet.
Warum gibt es deutlich weniger Rebhühner?
Die Umweltorganisation Nabu sieht unter anderem den Rückgang von Insekten als Faktor für das Schrumpfen des Bestands. In den ersten Lebenswochen seien junge Rebhühner auf Insekten und Spinnen als Nahrung angewiesen. Zudem seien viele Brachen und krautreiche Feldraine in den vergangenen Jahrzehnten verloren gegangen, die zum Nisten und Brüten benötigt werden.
Wie kann das Rebhuhn gerettet werden?
Um das Rebhuhn zu retten, setzt die Initiative in einer Reihe von Projektgebieten in acht Bundesländern Schutzmaßnahmen um. Dazu gehören mehrjährige Blühflächen und Brachen, Getreidefelder mit doppeltem Reihenabstand und niedrig wachsender Untersaat, Feld- und Wegraine sowie Hecken. Auch das Bejagen von Fressfeinden der Rebhühner ist ein Thema.
Wie ist die Resonanz bei Landwirten?
Im Fokus steht die Landwirtschaft, Lebensraum für Rebhühner zu schaffen und zu verbessern. «Wir rennen da offene Türen ein. Die Bereitschaft ist absolut da», sagt Projektmanagerin Elisabeth Böhnlein vom Deutschen Verband für Landschaftspflege. Die Fördermöglichkeiten für die Landwirte seien allerdings bundesweit nicht gleich, sondern je nach Bundesland sehr unterschiedlich.
Kommt das auch anderen Tierarten zugute?
Hunderte Landwirte in Deutschland beteiligten sich an den Schutzmaßnahmen, heißt es. Besonders wichtig sei die Beratung von Landwirten, welche Maßnahmen und Förderungen möglich seien. Für die Landwirte müsse das wirtschaftlich sein. «Die Maßnahmen helfen nicht nur dem Rebhuhn, sondern auch vielen anderen Arten», betont Böhnlein. Etwa Nachtfalter und andere Vögel profitierten davon.