Kurze Schnauzen, besondere Fellfarben oder Falten: Was für Menschen niedlich aussieht, kann für Hunde zur gesundheitlichen Belastung werden. Solche Äußerlichkeiten sind oft mit Schmerz verbunden.
Hunde gehören zu den beliebtesten Haustieren in Deutschland. Für viele Menschen sind sie Familienmitglieder, Begleiter im Alltag oder Partner beim Sport und in der Freizeit. Bei der Wahl eines Vierbeiners spielt auch das Aussehen eine Rolle: Manche mögen besonders kleine Hunde, auffällige Fellfarben oder kurze Schnauzen.
Doch Merkmale, die Menschen süß oder besonders finden, können für die Tiere gesundheitliche Probleme mit sich bringen. Wenn Hunde gezielt auf Merkmale gezüchtet werden, die ihrer Gesundheit oder ihrem Wohlbefinden schaden, spricht man laut Tierschutzgesetz von Qualzucht. Ein Überblick zum Welthundetag am 10. Oktober:
Kurze Schnauzen können das Atmen erschweren
Besonders betroffen sind Hunde mit sehr kurzen Schnauzen. Bei Möpsen und Französischen Bulldoggen treten Atemwegserkrankungen vergleichsweise häufig auf. Ihre veränderte Schädel- und Gesichtsform kann die Atemwege verengen. «Der Großteil leidet unter Atemnot und einer Störung der Wärmeregulation», sagt Tierärztin Lisa Hoth-Zimak vom Deutschen Tierschutzbund.
Eine mögliche Folge ist das brachyzephale obstruktive Atemwegssyndrom, kurz BOAS. Betroffene Hunde haben Schwierigkeiten beim Atmen. Ihre Atmung kann laut und geräuschvoll sein. Bei Bewegung und hohen Temperaturen können sie schnell überhitzen. Auch die Belastbarkeit und der Schlaf sind mitunter beeinträchtigt, in schweren Fällen droht eine Operation.
Nicht nur die Schnauze kann zum Problem werden
Der Deutsche Tierschutzbund nennt auch andere mögliche Qualzuchtmerkmale. Dazu gehören bestimmte Formen von Haarlosigkeit und das sogenannte Merle-Gen. Es sorgt für ein Fellmuster mit helleren und dunkleren Bereichen. Bestimmte genetische Kombinationen, insbesondere die Verpaarung zweier Merle-Träger, können mit Augen- und Hörschäden verbunden sein. «Jedes Merkmal, das vererbbar ist und zu Schmerzen, Leiden oder Schäden führt, ist zu vermeiden», sagt Hoth-Zimak.
Der Tierschutzbund kritisiert, dass bei der Zucht teilweise das Aussehen wichtiger sei als die Gesundheit. Menschen züchteten oder kauften Hunde, weil sie ihnen besonders süß oder schön erschienen. Die Tiere würden dadurch nach den optischen Vorstellungen der Menschen «designt», so der Verband.
Bei anderen Hunderassen gibt es ebenfalls erbliche Gesundheitsrisiken. Bei großen Tieren etwa können Hüftgelenksdysplasien und andere Gelenkerkrankungen auftreten.