Manche hofften auf Aspirin & Co. als einfaches Mittel mit Schutzwirkung vor Darmkrebs. Eine große Studie aus China zeigt nun: Diese Hoffnung scheint sich nicht zu erfüllen.
Täglich Aspirin nehmen und damit das Risiko für Darmkrebs verringern? Chinesische Forscher sprechen sich im Fachjournal «Cochrane Database of Systematic Reviews» klar dagegen aus – nachdem sie systematisch Patientendaten aus klinischen Studien ausgewertet haben.
Jeden Tag Aspirin – und dadurch ein geringeres Krebsrisiko?
Das Team ging der Frage nach eigenen Angaben genauer nach, weil in den vergangenen Jahren der Einsatz von Schmerzmitteln – genauer gesagt NSAR (nicht steroidale Antirheumatika) wie Aspirin oder Ibuprofen – zur Senkung des Darmkrebsrisikos vermehrt diskutiert oder sogar empfohlen wurde. Da die Mittel entzündungshemmend wirken und Entzündungen auch bei der Entwicklung von Tumoren eine Rolle spielen sollen, entstand die Hoffnung, man könne durch eine regelmäßige Einnahme das Darmkrebsrisiko senken. In den USA war dies zeitweise sogar offiziell empfohlen.
Der nun veröffentlichten Analyse zufolge gibt es dafür jedoch keine ausreichenden Belege – anders als für die mit der Einnahme verbundenen Risiken. Innerhalb einer Zeitspanne von 5 bis 15 Jahren nach Beginn der regelmäßigen Einnahme habe Aspirin mutmaßlich keinen Einfluss auf die Zahl neuer Darmkrebsfälle, schreiben die Autoren. Möglicherweise gebe es eine gewisse Schutzwirkung nach einer Dauer von 15 Jahren, allerdings sei dieses Ergebnis nicht eindeutig und daher mit Vorsicht zu genießen. Dabei könnten jedoch auch andere Faktoren neben dem Aspirin eine Rolle spielen.
Zehntausende Patientendaten ausgewertet
Um den Nutzen und die Risiken von Aspirin zu verstehen, werteten die Forscherinnen und Forscher Daten von insgesamt rund 125.000 Menschen mit einem durchschnittlichen Krebsrisiko aus, die aus zehn klinischen Studien hauptsächlich aus Europa und Nordamerika stammen. In sieben der Studien wurde eine tägliche Einnahme von Aspirin in niedriger Dosis (75 bis 100 Milligramm pro Tag) betrachtet, in dreien höhere Dosierungen. Entsprechende Studien, in denen Probanden andere vergleichbare Schmerzmittel einnahmen, fand die Gruppe nicht, weshalb sie nur Aussagen über Aspirin trifft.
Die Forscher analysierten, wie häufig bei Teilnehmenden, die täglich Aspirin einnahmen, Darmkrebs auftrat und verglichen dies mit dem Anteil der Betroffenen in Kontrollgruppen, die kein Aspirin oder ein Placebo einnahmen.
Unklarer Nutzen – unmittelbares Risiko
Die federführende Studienautorin Zhaolun Cai von der Sichuan University in China erklärt: «Obwohl die Vorstellung, dass Aspirin langfristig Darmkrebs vorbeugen könnte, faszinierend ist, zeigt unsere Analyse, dass dieser Nutzen nicht garantiert und mit unmittelbaren Risiken verbunden ist.»
Die Auswertung des Teams zeigte nämlich deutlich, dass das regelmäßige Einnehmen von Aspirin unter anderem das Risiko für Blutungen in oder um das Gehirn und das Schlaganfallrisiko erhöht. Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen sind demnach besonders gefährdet.