Der Umbau erfordert aber Geduld. Die LWF-Experten weisen darauf hin, dass der Waldumbau eine Aufgabe für Generationen sei, die sich über viele Jahrzehnte bis hin zu einem Jahrhundert erstrecken könne. Erste Veränderungen könnten nach 20 bis 30 Jahren sichtbar sein. Der Waldumbau stellt aber auch eine finanzielle Herausforderung dar. Schüler rechnet mit tendenziell höheren Kosten.
Daneben gibt es für den Institutsleiter einen weiteren wichtigen Punkt, den er als eines der «dicksten Bretter» bezeichnet: Schüler wünscht sich eine bessere Zusammenarbeit von Forstwirtschaft und Jagdwesen. Hintergrund: Wildtiere wie Rehe und Hirsche fressen bevorzugt junge Bäume wie Eichen, die für die Klimaanpassung wichtig sind. Die LWF nennt angepasste Wildbestände als eine der entscheidenden Voraussetzungen für einen erfolgreichen Waldumbau.
Wenn der Klimawandel natürliche Systeme überfordert
Und was passiert, wenn der Waldumbau nicht funktioniert? Studien zeigen, dass rund ein Drittel aller europäischen Baumarten in Zeiten des Klimawandels gefährdet sind. Die LWF hält es für durchaus realistisch, dass der Klimawandel die natürliche Anpassungsfähigkeit der Bäume überholt. Eine steigende Anzahl warm-trockener Extremjahre wären eine Belastung.
Dauerhaft zu hohe Temperaturen und zu wenig Wasser stresse den Wald und bringe heimische Bäume ans Limit: Besonders wirtschaftlich wichtige Arten wie Fichte, Waldkiefer oder Buche zeigen der LWF zufolge bereits messbare Schäden. Schüler prognostiziert, dass selbst die Buche, die bisher als Hoffnungsträgerin gehandelt wurde, an ihre Grenzen kommen könnte: An extremen Standorten könnte sie nach seinen Worten künftig nur noch 20 Meter statt wie bisher bis zu doppelt so hoch werden und «regelmäßig Teile ihrer Krone verlieren».
Dazu gibt es ein erhöhtes Risiko durch Schädlinge: Gefährlich ist etwa der Buchdrucker. Der Borkenkäfer, der bevorzugt Fichten befällt, pflanze sich bei höheren Temperaturen schneller fort, erläutert die LWF. Das erhöhe das Risiko für großflächige Schäden.
Grundlegend sehen Experten einen Konflikt zwischen Klimaschutz und Klimaanpassung der Wälder. Denn ein lichterer, resilienterer Wald kann weniger CO2 speichern. Ein Wald mit nur noch 150 statt 400 Bäumen pro Hektar bedeutet zwangsläufig weniger Holzvolumen und damit weniger Kohlenstoffspeicherung.
Schon heute hat sich das Bild gedreht: Die jüngste Bundeswaldinventur ergab, dass der Wald in Deutschland mittlerweile durch die enormen Schäden mehr Kohlenstoff abgibt als er aufnehmen kann – also nicht mehr zum Erreichen der Klimaziele beiträgt, sondern sie sogar erschwert.
Der Wald wird auch anders aussehen
Der Wald der Zukunft wird sich also grundlegend verwandeln. Es handelt sich um einen Prozess, der den LWF-Experten zufolge bereits stattfindet. Beispiele sind das großflächige Aussterben von Arten wie Ulme oder Esche.
Der neue Wald wird sich auch optisch stark unterscheiden. Die LWF erklärt, dass besonders trockenheitstolerante Eichenmischwälder häufig lichter und artenreicher sein werden als heute. Langfristig liege der Fokus vermutlich stärker auf der Stabilität und dem Erhalt der Waldfunktionen als auf der reinen Maximierung des Holzertrags, prognostiziert die Landesanstalt.
Die Bürger in Deutschland werden sich wohl vom gewohnten Bild dunkler Nadelwälder verabschieden müssen. Das werde für viele Menschen als «Gewohnheitstiere» sicher nicht einfach werden, vermutet Schüler. Egal, wie der Umbau ausgeht, der Institutsleiter stellt klar: «Der Wald wird auch in Zukunft existieren, aber er wird anders aussehen, anders riechen und seine heutigen Funktionen möglicherweise nicht mehr im selben Ausmaß wahrnehmen können.»