Wenn sich das Klima verändert, könne es verstärkende Rückkopplungen geben, die das Risiko einer beschleunigten Erwärmung erhöhen. Dazu zählt das Team das Schmelzen von Eis und Schnee, das Auftauen von Permafrost, das Absterben von Wäldern und den Verlust von Bodenkohlenstoff.
Einige Kippelemente könnten bereits sehr nah sein
Zunehmende Hinweise deuteten darauf hin, dass viele Kippelemente nach dem Überschreiten bestimmter Schwellen eine sich selbst verstärkende Erwärmung auslösen könnten, die die Erde in Richtung Hothouse treibe, erklärte Rockström. «Unsere Arbeit zeigt, dass wir noch nicht dort sind – aber sehr nahe.»
Kippelemente können sich abrupt und dann unaufhaltsam verändern, sobald kritische Temperaturschwellen überschritten werden. Für einige könnte das Kippen bereits im Gange sein oder in naher Zukunft eintreten, schreibt das Team. Dazu zähle: das Schmelzen des grönländischen und des westantarktischen Eisschilds, der auftauende Permafrost in den nördlichen Wäldern der Erde, schmelzende Gebirgsgletscher sowie das Sterben von Teilen des Amazonas-Regenwaldes.
Der grönländische Eisschild zeige bereits Anzeichen von Destabilisierung und sei wahrscheinlich anfällig für ein Kippen bei einer Erwärmung zwischen 0,8 und 3,4 Grad Celsius. Solche Prozesse könnten die globalen Temperaturen weiter erhöhen, den Meeresspiegelanstieg beschleunigen, gewaltige Kohlenstoffspeicher freisetzen und Ökosysteme destabilisieren - und sich auch gegenseitig verstärken.
Auch wenn das genaue Risiko für die Kipppunkte ungewiss sei, sei klar, dass die derzeitigen politischen Klimaschutzzusagen - die uns auf einen Pfad von etwa 2,8 Grad maximaler Erwärmung bis zum Jahr 2100 bringen – unzureichend seien und deutlich mehr Klimaschutz erforderlich machten.
Die Lösungen
Die Unsicherheit darüber, wo genau Kippschwellen liegen, sei kein Grund zum Zögern, «sondern vielmehr ein zwingender Grund für sofortiges vorsorgliches Handeln», schreibt das Team. «Kurz gesagt könnten wir uns einem gefährlichen Schwellenbereich nähern, bei gleichzeitig rapide schwindenden
Möglichkeiten, gefährliche und nicht mehr beherrschbare Klimaentwicklungen zu verhindern.»
«Bestehende Klimaschutzmaßnahmen, wie der Ausbau erneuerbarer Energien und der Schutz Kohlenstoff-speichernder Ökosysteme, sind entscheidend, um den Anstieg der globalen Temperaturen zu begrenzen», sagte Ripple. Nötig sind nach Ansicht des Teams eine vorausschauende Regierungsführung, stärkere politische Rahmenwerke zur Minderung der Emissionen, die auch Kipppunktrisiken berücksichtigen, und eine koordinierte globale Überwachung von Kipppunkten.