Wer war im Ergebnis erfolgreicher bei der Schmerzerkennung – die KI oder Tierärztin und Tierarzt? «Das können wir bisher nicht sagen», sagt Forscherin Kästner. Die KI sei von ihren messbaren Trefferquoten her nicht besser gewesen als der Mensch. «Doch ein Riesenvorteil von KI ist, dass sie keine schlechten Tage hat wie wir», sagt Tierärztin Kästner. Und nicht jeder Veterinär sei ein Katzenspezialist.
Apps mit Gesichtserkennung sollen unterstützen
Das Wissen um visuelle Merkmale von Schmerzen bei Katzen hat inzwischen Einzug bei Bezahl-Apps gefunden. Hält Kästner es für sinnvoll, wenn damit der Gesichtsausdruck der Tiere fotografiert wird? «Wenn Katzen merken, dass wir sie beobachten und dann noch mit einem Smartphone vor ihrer Nase herumfuchteln, kann allein das schon von Schmerzen ablenken», sagt die Tierärztin.
Hilfreich sei deshalb eher eine Serie von Fotos über einem längeren Zeitraum – aber nicht als einziges Kriterium. Erfahrene Halter würden ihre Miezen oft so gut kennen, dass sie eine veränderte Mimik und Verhaltensänderungen wie Verkriechen, eine niedrige Kopfhaltung oder mangelnden Hunger auch ohne technische Hilfe bemerkten.
Hightech bei der Katzenklappe und am Futterplatz
Manche Freigänger-Katzen tragen, tiermedizinisch unbedenklich, einen Mini-Chip mit Informationen über ihr Zuhause unter der Haut, falls sie verloren gehen. Auch smarte Katzenklappen können diese Chips lesen. Nur das eigene Tier hat so Zuhause Zutritt. Manche Klappen mit Kameras verriegeln den Eingang, wenn die Mieze Beute im Maul trägt.
Smarte Futterautomaten helfen, das Ernährungsmanagement zu verbessern. Überdies können Webcams Stubentiger im Visier haben. Das alles schade Katzen nicht, heißt es beim Tierschutzbund. «Klar ist aber auch, dass technische Hilfsmittel eine verantwortungsvolle Tierhaltung nicht ersetzen können», betont Sprecherin Wattad. Denn auch Hauskatzen werden nicht gern alleingelassen.
Wachstumsmarkt vermutet
Nach den jüngsten Zahlen des Branchenverbands der digitalen Wirtschaft, Bitkom, hatten 2024 rund vier Prozent der Bundesbürger intelligente Haustier-Tools im Einsatz. Grundsätzlich sei anzunehmen, dass – wie beim Menschen – ein Trend zur zunehmenden Technisierung und Datenerfassung auch den Heimtierbereich erfasse, heißt es beim Tierschutzbund.
Die Versprechen der Werbung sind dabei beinahe grenzenlos und reichen von selbstreinigenden Katzentoiletten bis hin zu und Miau-Apps für eine bessere Kommunikation mit den Vierbeinern.
Der Tierschutzbund ordnet ein: «Technologien sind abzulehnen, wenn sie dem Tier schaden. Akzeptabel, wenn sie lediglich dem Menschen nutzen, ohne das Tier zu beeinträchtigen. Und sinnvoll, wenn sie nachweislich dem Tierwohl dienen», sagt Wattad.