Länder sollen zusammenarbeiten
Das Ausrufen einer Notlage soll keine Panik schüren, sagte ein WHO-Sprecher. Vielmehr soll es Länder informieren, dass es ein dringliches Problem gibt, und es soll die Zusammenarbeit stärken.
Die afrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC forderte die internationale Gemeinschaft auf, zunächst von Reisebeschränkungen abzusehen. Das benachbarte Ruanda hat seine Grenze zum Osten des Kongo bereits geschlossen. Die USA haben für den Kongo ihre höchste Reisewarnung herausgegeben und Einreisebeschränkungen für Personen ohne US-Pass verhängt, die sich kürzlich im Kongo, in Uganda oder im Südsudan aufgehalten haben.
Erfahrungen aus früheren Ausbrüchen hätten gezeigt, dass weitreichende Reisebeschränkungen und Grenzschließungen oft nur einen begrenzten Nutzen für die öffentliche Gesundheit hätten, während sie erhebliche wirtschaftliche, humanitäre und operative Folgen nach sich zögen, warnte Africa CDC Direktor Jean Kaseya. «Der schnellste Weg, alle Länder der Welt zu schützen, besteht darin, die Eindämmung des Ausbruchs an der Quelle entschlossen zu unterstützen», so Kaseya.
Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) sprach von einer extrem ernsten Lage und kündigte Hilfe in Zusammenarbeit mit afrikanischen Partnern vor Ort an. «500 Schutzanzüge für medizinisches Personal sollen nächste Woche ausgeliefert werden, ein Schulungsmarathon zum sicheren Umgang mit Ebola-Verdachtsfällen ist in Vorbereitung», teilte sie mit. Außerdem bereite sich eine Expertengruppe auf einen Einsatz vor.
Ausbruch begann wohl im April
Der Ebola-Ausbruch begann laut Africa CDC vermutlich in der dritten Aprilwoche in der nordöstlichen Provinz Ituri, die an Uganda und den Südsudan grenzt, wurde aber erst Anfang Mai gemeldet. Auch im benachbarten Uganda wurden zwei Fälle gemeldet.
Nach Angaben der WHO herrscht große Unsicherheit hinsichtlich der Infektionszahlen und des Ausmaßes der Ausbreitung des Virus. Trotz mehr als 500 Verdachtsfällen wurden im Kongo erst 30 Fälle diagnostisch bestätigt. Der Ausbruch betreffe mittlerweile zehn Gesundheitszonen in der Provinz Ituri und habe auch die Provinz Nord-Kivu erreicht, wo in den Städten Goma und Butembo bestätigte Fälle vorlägen.
Die vom Ausbruch direkt betroffenen Gebiete sind dicht besiedelt und auf der kongolesischen Seite teils in der Hand von Rebellengruppen. Schätzungsweise leben allein in der Provinz Ituri nach Angaben der WHO etwa 8 Millionen Menschen, darunter mehr als eine Million Vertriebener.
Stephan Becker, Leiter des Instituts für Virologie an der Philipps-Universität Marburg, bezeichnete es als «besorgniserregend, dass der Ausbruch offenbar lange unentdeckt blieb». Es handelt sich um den insgesamt 17. Ebola-Ausbruch im Kongo seit 1976. Nur zweimal zuvor hat es laut Africa CDC Ausbrüche der Bundibugyo-Variante gegeben.
Ebola ist eine ansteckende und lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Das Virus wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. In den Jahren 2014 und 2015 waren bei einem Ausbruch der Zaire-Variante in Westafrika mehr als 11.000 Menschen gestorben.