Er und andere Schüler hätten dann Sanitätssets aus ihren Autos geholt und damit weiter versucht, die Blutungen bestmöglich zu stoppen - um das Leben der Mitschülerinnen zu retten. Dann hätten sie sterile Kompressen aus dem Sanitätsraum geholt, um die Wunden zu versorgen, wie sie es bei der Ausbildung als Ersthelfer gelernt hätten. Auch Lehrer hätten geholfen.
Lehrkräfte halfen auch, den 16-Jährigen zu überwältigen. «Auch dem couragierten Eingreifen von Lehrern ist zu verdanken, dass er so schnell festgenommen werden konnte», sagte Polizeipressesprecher Stefan Sonntag.
Ministerin nennt Schülerinnen und Schüler «Helden»
Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) sagte der Schulfamilie bei einem Besuch vor Ort jede erdenkliche Unterstützung zu. Zugleich bedankte sie sich speziell bei den beiden Lehrkräften, die den mutmaßlichen Täter mit überwältigten, und bei den Schülerinnen und Schülern, die den schwer verletzten Mädchen halfen. «Eines der Mädchen wäre sehr wahrscheinlich verblutet, wenn sie das nicht gemacht hätten. Also die haben ihr wahrscheinlich das Leben gerettet», sagte Stolz der Deutschen Presse-Agentur. «Das sind echte Helden für mich.»
Bürgermeister: «Schwarzer Tag für Schongau»
Bürgermeister Thomas Schleich äußerte sich am Morgen bei einem Besuch an der Schule erschüttert. «Es ist ein schwarzer Tag für Schongau», sagte Schleich. «Wir werden im Rathaus greifbar sein für Leute, die einen Ansprechpartner brauchen.» Man könne unter anderem Kontakte herstellen, etwa wenn Menschen Betreuung bräuchten. «Man ist aufs Mark getroffen. Man macht sich viele Gedanken», sagte der Bürgermeister. «Ich bin auch Familienvater. Ich habe drei Kinder, und zwei Kinder gehen hier auch zur Schule.»
«Wir standen alle unter Adrenalin»
Der 19-jährige Ersthelfer Lachmann sagte, er sei erleichtert gewesen, als die Polizei eintraf und klar war, dass der Täter gestellt worden sei. Angst hätten er und die anderen aber zunächst nicht gehabt. «Wir standen alle unter Adrenalin.» Erst später sei langsam das Bewusstsein für das gekommen, was geschehen sei. «Ich weiß nicht, ob ich das wirklich schon an mich herangelassen habe, was da passiert ist. Ich denke, das kommt mit der Zeit.» Er spreche viel mit seiner Familie, aber auch mit Lehrern und dem Kriseninterventionsteam. Aber: «Gestern, der Tag, der bleibt unvergesslich.»
Auf die Frage, wie die Schüler auf einen solchen Fall vorbereitet gewesen seien, sagte Lachmann, die Schülerschaft sei grundsätzlich sensibilisiert worden, aber: «Für solche Notfälle kann man nicht vorbereitet sein. Das ist ein Extremfall.»
Spurenauswertung und Vernehmungen
Nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd wurde die Wohnung des 16-Jährigen, der bei seinen Eltern lebte, durchsucht. Nun laufe die Auswertung der Spuren, darunter auch digitale Daten. Zudem werden Schüler und Lehrkräfte vernommen. Auch die beiden schwer verletzten Mädchen sollen befragt werden, wenn es ihr Zustand zulässt.