Viel zu sehen sind auch Gebäude, an denen nicht nur der Eingang, sondern auch die ersten Etagen eingeschneit sind. Teils verließen Menschen ihre Wohnungen über das Fenster, wenn sie sich nicht selbst befreien konnten von den Massen, wie örtliche Medien berichteten.
Gouverneur räumt Versorgungsengpässe ein
Gouverneur Wladimir Solodow ordnete bei einer Krisensitzung nach Klagen über Chaos und Versorgungsengpässe an, schleunigst wichtige Straßen und Kreuzungen freizuräumen. Die Lage sei kritisch, sagte er. Es müssten Hauseingänge zugänglich gemacht und der Müll abtransportiert werden - viele Container sind wegen der Schneemassen nicht nutzbar. Auch Ampeln und Verkehrsschilder müssen demnach frei geschippt werden. Er rechnet damit, dass die Arbeiten noch Tage dauern.
In seinem Telegram-Kanal zeigt sich Solodow bei einem Besuch in einem Supermarkt; seit Tagen gebe es vor allem Probleme mit Obst und Gemüse, weil keine Lieferautos fahren könnten oder Gewächshäuser eingeschneit seien, heißt es. Der Politiker muss sich Berichte über Hamsterkäufe anhören. Teils hätten Leute 120 Brötchen auf einmal gekauft, um sie dann anderswo gewinnbringend weiterzuverkaufen, habe ihm der Leiter des Supermarkts erzählt.
Gezeigt wird aber auch, dass es Eier, Milch und in der hauseigenen Bäckerei gebackenes Brot gebe. Es ist der Versuch einer Antwort auf die ebenfalls kursierenden Videos von leeren Regalen und vielen Klagen von Bewohnern in entlegenen Orten, dass es nichts mehr zu essen gebe. Solodow wies an, die Versorgung mit Brot, Milch und Eiern sowie Treibstoff überall sicherzustellen - und drohte Verantwortlichen mit «Konsequenzen», sollten sie versagen.
«Der vorübergehende Mangel an einigen Waren in einigen Geschäften ist ausschließlich auf den Zustand der Infrastruktur zurückzuführen», sagte der Gouverneur. Betroffen seien kleine Läden. Sobald die Zufahrten und Eingänge freigeschaufelt seien, seien auch wieder Lieferungen möglich. Die Produktion der Lebensmittel laufe jedenfalls ununterbrochen.
Schneechaos verbreitet in Russland - auch Moskau kämpft
Die Lage bleibt aber gespannt bei tiefen Minustemperaturen. Schulen sind geschlossen und haben teils auf Fernunterricht umgestellt. Räumfahrzeuge fahren rund um die Uhr Einsätze, um die letzten Straßen freizubekommen.
Die Stadtverwaltung von Petropawlowsk-Kamtschatski forderte Eltern auf, ihre Kinder nicht auf die Straßen zu lassen. Die Warnung lautet, sie könnten von Schneemassen von Dächern oder riesigen Eiszapfen erschlagen werden. Solodow kritisierte, dass es bisher oft keine Warnschilder gebe. «Das geht gar nicht», sagte er. Das Problem gibt es fast überall in Russland. Immer wieder gibt es deshalb Todesfälle.
Auch in der Hauptstadt Moskau, die ebenfalls Rekordmengen an Niederschlag verzeichnete, sind bis heute Einsatzkräfte auf Dächern unterwegs, um den Schnee wegzuschaufeln. Am 9. Januar sprachen Meteorologen von einem der heftigsten Schneestürme in den vergangenen 146 Jahren der Wetterbeobachtung.
Für die Schneeräumarbeiten auf den Dächern sind ganze Bürgersteige gesperrt. In der Stadt fahren überall Lastwagen, um die Schneemassen an sichere Orte zu transportieren. Sogar am Roten Platz, dem Machtzentrum des Riesenreichs, türmen sich Berge von Schnee an der Kremlmauer und an der Basiliuskathedrale. Der Abtransport lässt auf sich warten.
Entspannung ist nicht in Sicht. Für die kommende Woche kündigen Meteorologen für die Hauptstadt auch noch Temperaturen von um die minus 20 Grad Celsius an.