Ein Polizist stirbt durch Schüsse aus einer Dienstwaffe. Nun fiel das Urteil - demnach ist der Angeklagte schuldunfähig. Zuschauer sprechen von einem «Skandal».
Im Mordprozess um einen erschossenen Polizisten im Saarland ist der Angeklagte von den Tötungsvorwürfen freigesprochen und wegen besonders schweren Raubes verurteilt worden. Der Deutsche mit türkischen Wurzeln werde unbefristet in einer forensischen Psychiatrie untergebracht, sagte Richterin Jennifer Klingelhöfer. Der Freispruch vom Mordvorwurf sowie von den Tötungsvorwürfen erfolgte, weil das Gericht von einem Zustand der Schuldunfähigkeit ausging.
«Er war beim Überfall in seiner Steuerungsfähigkeit erheblich vermindert», begründete die Richterin. Er habe gewusst, dass der Überfall ein Fehler gewesen sei. Der Angeklagte sei während des Polizeieinsatzes infolge seiner Krankheit von massiver Angst getragen worden. «Die Angst hatte sein Denken übernommen», erläuterte die Richterin.
Was sagte der Gerichtsgutachter?
Ein Gerichtsgutachter hatte dem jungen Mann wegen einer schizophrenen Erkrankung eine eingeschränkte Schuldfähigkeit attestiert. Die Kammer hat nach den Ausführungen der Richterin keine Zweifel, dass diese Krankheit sich am 21. August gezeigt habe. «Zeitlebens wird eine Behandlung des Angeklagten nötig sein», stellte sie fest.
In krankheitsbedingter Verkennung der Lage habe der 19-Jährige mehrmals auf den Polizisten geschossen. «Der Angeklagte gab die Schüsse ab, weil er einen subjektiven Angriff auf sein Leben glaubte», so die Richterin.
Ganzes Magazin leer geschossen
Zum Tathergang erläuterte die Richterin: Bereits die Schüsse auf Hals und Brustkorb seien wegen des hohen Blutverlusts tödlich gewesen. Zudem habe der Angeklagte einen Schuss auf den Rücken des Polizisten abgegeben sowie weitere Schüsse, als dieser schon am Boden gelegen habe, einen davon ins Gesicht.
Im Anschluss habe er seine Flucht fortgesetzt, wobei er auf weitere Polizisten geschossen habe, die er als Bedrohung für sein Leben angesehen habe. Er habe sein Magazin mit 17 Schuss leer geschossen. Die anderen Beamten habe er jedoch verfehlt. Die Polizisten hätten den Angeklagten vor der Festnahme unter anderem am Schulterblatt getroffen. Insgesamt sei es trotz aller Bemühungen in dem Prozess nur zum Teil gelungen, alle Fragen zu beantworten, betonte die Richterin.
Zuschauer sprechen von «Skandal»
Das Urteil fiel für viele Prozessbeobachter überraschend aus und sorgte für heftige Reaktionen im Gerichtssaal. Zuschauer sprachen von einem «Skandal».