Im Prozess habe das Gericht ein gutes Bild gewinnen könne von der verantwortungsvollen Arbeit der Palliativmedizin, betonte Richterin Busch. «Diese Arbeit hat er durch seine unfassbaren Taten in Verruf gebracht.»
Überraschendes Geständnis
Mit seinem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte sich gegen eine Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und gegen eine Sicherungsverwahrung im Anschluss an die Haftstrafe ausgesprochen.
«Ich bin erleichtert. Ich glaube, dass ich nun abschließen kann», sagte die Tochter eines 75-jährigen Opfers. Sie gehörte zu den Nebenklägern im Prozess. «Wir können alle nur hoffen, dass er keinerlei Möglichkeiten mehr hat, Menschen zu töten», sagte Nebenkläger-Anwältin Christina Clemm.
Verteidiger: falsches Urteil
Der Angeklagte hatte nach monatelangem Schweigen überraschend am 25. Juni gestanden, zwölf schwer kranke Patientinnen und Patienten bei Hausbesuchen getötet zu haben. Er habe sich eingeredet, das Richtige zu tun und Patienten «Leid und Siechtum» zu ersparen, hieß es in seiner Erklärung. Zum Abschluss des Prozesses entschuldigte er sich erneut bei den Hinterbliebenen.
Verteidiger Christoph Stoll bezeichnete das Urteil als «beeindruckend falsch». Das Gericht zeichne vom Angeklagten ein falsches Bild und die juristische Bewertung sei falsch. Es ist davon auszugehen, dass die Verteidigung Rechtsmittel einlegt.
Seit fast zwei Jahren in Haft
Der Arzt, der verheiratet ist und einen Sohn im Grundschulalter hat, sitzt seit Anfang August 2024 in Untersuchungshaft. Auslöser der Ermittlungen waren Brände, die er gelegt haben soll, um Tötungen von Patienten zu verdecken. Zunächst wurde wegen Brandstiftung mit Todesfolge ermittelt. Dabei geriet der Angeklagte zunehmend in den Fokus. Dazu beigetragen haben laut Staatsanwaltschaft Hinweise des Pflegedienstes, für den der Arzt gearbeitet hatte.
Für den Fall richtete das Berliner Landeskriminalamt eine Ermittlungsgruppe des Morddezernats ein. Sie wertete Hunderte Patientenunterlagen aus. Im April 2025 erhob die Staatsanwaltschaft schließlich Anklage in 15 Fällen gegen den in Frankfurt am Main geborenen Mann, den Patienten, Angehörige und Kollegen als einfühlsam beschrieben.
Weiterer Prozess zeichnet sich ab
Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach eigenen Angaben in 76 weiteren Fällen und geht von einer weiteren Anklage noch in diesem Jahr aus. Mit Blick darauf kündigte der Arzt in seinem sogenannten letzten Wort vor Gericht an: «Ich werde mich in dem kommenden Verfahren deutlich früher einlassen.»
Der Fall könnte einer der größten bundesweit sein. Bislang gilt eine Mordserie in Niedersachsen als die wohl größte der deutschen Nachkriegsgeschichte: Ex-Pfleger Niels Högel wurde 2019 wegen 85-fachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Motiv für die Taten blieb unklar. Es sei ihm um die «Gier nach Spannung» gegangen, so das Gericht damals. Zuvor war Högel bereits wegen weiterer Morde verurteilt worden.