Bundesregierung rief schon vor Jahren «Vision Zero» aus
Die Bundesregierung hatte sich zum Ziel gesetzt, den Straßenverkehr in Deutschland in diesem Jahrzehnt deutlich sicherer zu machen. Bis 2030 soll die Zahl der Verkehrstoten um 40 Prozent sinken. Zugleich soll es weniger Schwerverletzte bei Unfällen geben. Das langfristige Ziel ist die «Vision Zero»: keine Toten im Straßenverkehr.
Da die aktuellen Zahlen vorläufig seien, sei keine seriöse Bewertung nötig, sagte eine Sprecherin des Verkehrsministeriums. Sie betonte aber auch: «Jeder Tote ist einer zu viel.»
Aber wie können Straßen tatsächlich sicherer werden?
Autofahrer würden meist auf Landstraßen sterben, sagte Zeidler vom GDV. «Hier helfen Schutzplanken an Bäumen, zusätzliche Überholspuren und an kritischen Stellen geringere Geschwindigkeiten, schwere Unfälle zu vermeiden.» In Städten seien vor allem Kreuzungen und Einmündungen Unfall-Hotspots. «Statt zugeparkter Kreuzungen brauchen wir hier freie Sicht aufeinander. Ampeln mit getrennten Grünphasen würden Rad- und E-Scooterfahrende genauso wie Gehende schützen.»
Der Verkehrssicherheitsrat formulierte zehn Forderungen an Bund und Länder, um die «Vision Zero» zu erreichen. Neben Geschwindigkeitsbegrenzungen zählt dazu ein Alkoholverbot am Steuer und eine nationale Strategie für kooperative intelligente Verkehrssysteme.
Unfallforscher Brockmann sieht vor allem einen Weg, um die Zahl der Todesopfer zu reduzieren. «Die Politik muss mutig sein und auch die Bürgerinnen und Bürger müssen einsehen, dass nur eine Temporeduzierung wirklich hilfreich sein kann.»
Ministerium: Aktuell keine Einführung eines Tempolimits geplant
Das bedeute Tempo 30 innerorts. Und bei Landstraßen - zumindest bei schmalen - Tempo 80. Auf Autobahnen gebe es nicht so wahnsinnig viele Tote, aber man sollte sich schon fragen, «ob Deutschland das Raserland bleiben darf, wo man unbegrenzt schnell fahren kann», sagte Brockmann.
Das Bundesverkehrsministerium fördert nach eigenen Angaben Projekte im Rahmen der Präventionsarbeit in diesem Jahr mit knapp 16 Millionen Euro. Dazu zählten etwa Verkehrserziehung für Kinder oder die Weiterentwicklung von Assistenzsystemen. Die Ministeriumssprecherin stellte aber auch klar: «Wir sehen eine Einführung eines generellen Tempolimits aktuell nicht vor.»
Und wo verunglückten besonders viele Menschen?
Laut der vorläufigen Daten gab es - gemessen an der Einwohnerzahl - die meisten Todesopfer in Mecklenburg-Vorpommern mit 60 und in Brandenburg mit 50 Getöteten je einer Million Einwohnerinnen und Einwohner.
Weit unter dem bundesweiten Durchschnitt von 34 Getöteten je einer Million Einwohnerinnen und Einwohner liegen aufgrund ihrer Siedlungsstruktur die Stadtstaaten Berlin (10) und Hamburg (11). Für Bremen lagen keine vollständigen Daten vor.