Schwester Clarita hat sich jedoch auch einem verhältnismäßig einfachen Lebensstil verpflichtet – sie und ihre Mitschwestern haben ein Gelübde für Armut, Gehorsam und Keuschheit abgelegt. Stille plane sie sich regelmäßig ein, doch leicht ist das nicht immer. «Ich würde eigentlich lieber ein Buch lesen und ertappe mich dann aber doch dabei, dass ich dann irgendwie mal kurz auf Insta gehe.» Gedanken, die sicherlich auch viele Menschen außerhalb von Klostermauern kennen.
Schwester Clarita nutzt kein Make-Up, schaut kein Trash-TV und nutzt Parfüm nur an Sonntagen. Alkohol und Süßigkeiten sind dagegen kein Tabu.
«Keinen Mann abbekommen»
Ein Klischee, das der Schwester zufolge auch gerne abgeschafft werden kann, ist die Vorstellung, dass man nur ins Kloster geht, wenn man «keinen Mann abbekommen» hat. Dem hält sie entgegen: «Ich kenne kaum Leute, die so reflektiert sind, wenn sie eine Entscheidung treffen.»
Für sie war früh klar, dass der Platz an ihrer Seite leer bleiben wird. Ab dem 15. Lebensjahr hat sie sich bewusst damit auseinandergesetzt. Sie denkt unter anderem an Freunde, die sie aus ihrer Zeit im Studentenwohnheim kennt, und ergänzt: «Meine Beziehungsform ist Freundschaft.»
Das Klischee, dass Klosterschwestern alt sind, trifft auf die junge Schwester Clarita zwar nicht zu, doch der Altersdurchschnitt liegt bei den 35 Schwestern im Kloster Arenberg bei etwa 81 Jahren. Erst am Morgen des Gesprächs verstarb eine Ordenschwester – die Sechste in diesem Jahr nach einer Grippewelle im Januar. «Was für mich eigentlich das Traurige dabei, ist nicht, dass wir irgendwie weniger werden, sondern dass ich all diese Schwestern zu Grabe trage», sagt die 28-Jährige.
«Darf die so glücklich sein?»
Auch die 50 Jahre alte Schwester Ursula ist sehr aktiv auf Instagram. Ob sie eine Influencerin ist? «Ja, hoffentlich», sagt sie. «Möchte ich gerne sein, ich bin jenseits der hohen Zahlen, aber ich möchte gerne Einfluss nehmen.» Es macht ihr Spaß, ihren Glauben mit Menschen zu teilen.
Schwester Ursula lebt seit 20 Jahren hier. Das Einzige, was ihr wirklich fehle, sei Langeweile und «auch manchmal eine Couch, wo man einfach mal einen Mittag lang 'rumhängen und chillen kann». Und dennoch sagt sie:
«Ich bin einfach total glücklich und breche dadurch schon das Klischee einer Ordensfrau – darf die das? Darf die so glücklich sein?»
Die Zeit im Kloster hat ihr aber auch gezeigt, dass es nicht alle Frauen so positive Erfahrungen mit der Kirche gemacht haben. Das habe sie zur Feministin gemacht. «Ich kämpfe sehr für Frauenrechte, auch in der Kirche», sagt die Schwester.