Eine Nacht voller Angst, danach zerstörte Zuhause und Spielplätze: Kinder aus dem Ahrtal erzählen, wie die Flut ihr Leben bis heute prägt.
Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe tragen viele Kinder im Ahrtal die Erinnerungen noch immer mit sich. Der heute 13-jährige Kiyan lebte damals mit seiner Familie direkt an der Ahr. Als sein Vater ihn nachts weckte und durch das Wasser zum Auto trug, glaubte er zunächst, er träume.
«Ich habe es nicht mal geglaubt, als es passiert ist», erzählt er. Erst als seine Mutter ihm später Videos des zerstörten Hauses zeigte, wurde ihm das Ausmaß bewusst. Seine Spielzeuge, Kuscheltiere und Spielekonsolen seien verschwunden gewesen. «Dann war halt alles weg.»
Nach Starkregen kam es in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 zu einer verheerenden Sturzflut. Dabei starben 136 Menschen in Rheinland-Pfalz. Als die Flut kam, riss sie Autos, Häuser und Leben mit sich. Es folgte für viele Menschen eine harte Zeit voll Trauer, Frust und erzwungenen Neuanfängen.
Angst um Mama
Bei vielen Kindern sind nicht nur die Bilder der Wassermassen geblieben, sondern auch die Angst um Angehörige. Die zehnjährige Johanna erinnert sich daran, wie sie stundenlang mit ihrer Schwester am Fenster saß und auf ihre Mutter wartete. Diese hatte eine Nachricht geschickt, sie sei mit dem Auto beinahe von den Wassermassen erfasst worden. «Irgendwie hatte ich Angst gehabt», sagt Johanna.
Der heute 13-jährige Max verbrachte die Nacht wach im Obergeschoss seines Hauses. Während das Wasser ins Erdgeschoss eindrang, verfolgte die Familie per Nachrichten die dramatische Lage der Großeltern. Diese saßen auf dem Dach ihres Hauses fest, während das Wasser immer weiter stieg. «Das Haus daneben ist auch schon zusammengekracht», erzählt Max. Er erinnert sich an die Angst, dass den Großeltern etwas passieren könnte.
Währenddessen wurde die 13-jährige Josephine nachts durch Geräusche geweckt. «Dieses Wasser und die ganzen Schreie», erinnert sie sich. Sie habe befürchtet, dass die Flut auch ihr Zuhause erreichen könnte. Ihr gleichaltriger Freund Mattis erinnert sich an den Morgen danach: Die Rollläden ließen sich wegen des Stromausfalls nicht mehr öffnen, draußen lag ein beißender Ölgeruch in der Luft. Erst nach und nach sei klar geworden, was passiert war.
Für viele Kinder wurde die Katastrophe vor allem in den Monaten danach spürbar. Spielplätze waren zerstört, Schulen beschädigt, Brücken unpassierbar. «Man konnte halt nichts machen», erinnert sich Josephine. Auch Mattis erzählt, dass gerade in einem Alter, in dem er wie viele Jugendliche beginnen wollte, seine Umgebung selbstständig zu erkunden, plötzlich nichts mehr möglich war.