Auf die Frage, ob Buckelwale möglicherweise zum Sterben an die Küsten kommen, sagte Stephanie Groß, dafür gebe es keine wissenschaftlichen Hinweise. «Ansonsten würden wir weltweit deutlich mehr Buckelwal-Strandungen sehen, wenn alle alten, kranken, geschwächten Buckelwale in die Flachwassergebiete kämen.»
Wal seit Anfang März an Ostseeküste unterwegs
Bereits seit Anfang März war der Wal den Angaben zufolge immer wieder an der Ostseeküste aufgetaucht, zunächst im Hafen von Wismar, später in der Lübecker Bucht und an der Küste bei Steinbeck (Kreis Nordwestmecklenburg). Das Tier hatte sich demnach in einem Netz verfangen. Einsatzkräfte und Meeresschützer der Organisation Sea Shepherd hatten es von einem Teil des Materials befreit.
Am vergangenen Montagmorgen war der Meeressäuger dann auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand bei Lübeck entdeckt worden. Eine umfangreiche Rettungsaktion startete und in der Nacht zu Freitag hatte sich der Buckelwal dann selbst durch eine per Bagger ausgegrabene Rinne befreit.
Biologe von Rettungsaktionen ausgeschlossen?
An der Rettungsaktion vor Timmendorfer Strand war auch der Biologe und YouTuber Robert Marc Lehmann beteiligt. Er hatte im Neoprenanzug neben dem gestrandeten Wal gestanden und versucht, ihn zu beruhigen und zum Losschwimmen zu animieren.
Lehmann warf Verantwortlichen vor, ihn von weiteren Aktionen ausgeschlossen zu haben. Auf der Plattform Instagram berichtete er, dass ihm als Grund hierfür «Selbstdarstellung» unterstellt worden war. Er sei vor Ort bereits unfreundlich begrüßt worden.
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Backhaus wies Lehmanns Anschuldigungen bei der Pressekonferenz in Wismar zurück. «Wir haben niemanden ausgeschlossen», sagte er und kündigte an, mit Lehmann darüber sprechen zu wollen. «Ich glaube, damit ist auch ein Signal gesendet, dass wir Kooperation suchen, pflegen und umsetzen.»
Auch der Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Burkard Baschek, und Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) bekräftigten, dass niemand Lehmann aktiv von Rettungsmaßnahmen ausgeschlossen habe.
Zuspruch für Lehmann im Internet
In einem Video bei Instagram forderte Lehmann am Sonntag: «Liebe Experten, ab in die Neoprenanzüge, seid für den Wal da!» In den sozialen Medien stellten sich viele Nutzerinnen und Nutzer hinter Lehmann und wünschten sich seine erneute Beteiligung an einer Rettung des Wals. Den YouTube-Kanal des Biologen haben mehr als eine Million Menschen abonniert, auf Instagram hat er rund 790.000 Followerinnen und Follower.
Noch immer Netz im Maul des Wals
Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack sagte, die Fischerei sei weltweit ein Problem für Meeressäuger. Schätzungen zufolge kämen jedes Jahr rund 300.000 Wale und Delfine in Netzen ums Leben. Auch der Wal vor der Ostseeküste war offenbar in ein Netz geraten. Helfer konnten in den vergangenen Tagen einen Teil des Netzes von dem Tier entfernen. Nach Worten von Stephanie Groß hängt ein Teil aber immer noch in seinem Maul. Es habe sich nicht herausziehen lassen.