Das Thema Naturheilkunde beschäftigt viele Menschen, die Ergänzungen zur konventionellen Medizin suchen. Das zeigte sich bei der jüngsten Telefonaktion dieser Zeitung: Pausenlos standen unsere Experten Rede und Antwort.

Um unseren Lesern Informationen aus erster Hand zu ermöglichen, hatte die Redaktion zwei Ärzte

der Klinik für Integrative Medizin und Naturheilkunde am Klinikum Bamberg eingeladen. Ansprechpartner war zum einen Chefarzt Prof. Dr. Jost Langhorst, als Gastroenterologe in der FocusÄrzteliste als "Top-Mediziner" geführt. Er bringt aus Essen einen Lehrstuhl für Integrative Medizin mit, der an einer bayerischen Universität angesiedelt werden soll. "Dort beforschen wir naturheilkundliche Methoden, damit sie als bewiesene Therapien in Leitlinien und als medizinische Standards aufgenommen werden", erklärt Langhorst.

Die zweite Expertin unserer Telefonaktion war Jessika Schnitker, Fachärztin für Innere Medizin und Oberärztin der Abteilung. Diese ist mit ihrer Verbindung aus Schulmedizin und integrativ-naturheilkundlichen Ansätzen in einer eigenen Klinik mit stationären Betten, die gleichzeitig einen universitären Lehrstuhl führt, erst die dritte ihrer Art in Deutschland.

Langhorst und Schnitker bestätigten nach der Telefonaktion, was ihnen in ihrer täglichen Praxis begegnet: "Viele Menschen setzen Hoffnungen in die Kombination aus konventioneller Medizin und fundierter Naturheilkunde." Entsprechend groß war deshalb auch die Resonanz auf unser Angebot, das eine zwanglose Beratung außerhalb von Klinik und Praxis ermöglichte. Im Folgenden eine Zusammenfassung.

Ich habe schon seit längerer Zeit Schmerzen im Knie. Gibt es alternative Methoden?

Hier können Auflagen mit Retterspitz helfen. Auch Blutegel haben sich als schmerzlindernd erwiesen, ebenso Akupunktur. Bewegen Sie sich trotzdem, damit die Gelenke geschmeidig bleiben. Ernähren Sie sich ausgewogen und achten Sie auf Ihr Gewicht.

Ich habe immer wieder Durchfall. Gibt es da etwas Pflanzliches?

Es gibt zum Beispiel die Kombination aus Myrrhe, Kamille und Kaffeekohle, den Flohsamen oder Heidelbeermuttersaft, aber auch Heilerde. Sie sollten Ihre Ernährung auf Vollwertkost umstellen. Grundsätzlich muss man aber genauere Untersuchungen anstellen, um gravierende organische Erkrankungen abzuklären.

Gibt es bei Herzinsuffizienz auch etwas Pflanzliches?

Bei leichten Herzrhythmusstörungen, die oft durch eine Herzschwäche ausgelöst werden, entfaltet der Weißdorn eine heilsame Wirkung. Hoch dosiert erhöht er die Durchlässigkeit der Zellmembran für Kalium-Ionen und blockiert zugleich Kalzium-Ionen. In der Folge wird der Herzmuskel gestärkt.

Bei mir wurde erhöhte Harnsäure festgestellt. Wie kann ich den Wert senken?

Essen Sie weniger Fleisch, verzichten Sie auf Fischsorten wie Sardinen, Hering, Thunfisch oder Forelle und essen Sie Hülsenfrüchte nur in Maßen. Verzichten Sie in jedem Fall auf Alkohol. Die geeignete Ernährungsform ist eine Pflanzen-basierte Vollwertkost. Nicht geeignet sind purinreiche Lebensmittel wie Kohl, Brokkoli und Spargel. Auf Dauer kann eine erhöhte Harnsäure zu Gicht führen.

Ich habe Rheuma und suche nach einer natürlichen Therapie.

Wir empfehlen eine Kombination aus begleitenden Verfahren zur konventionellen Medizin. Bei Rheuma können pflanzliche Medikamente helfen, aber auch Akupunktur und Bewegung. Wichtig ist eine antientzündliche Vollwerternährung, die reich ist an Omega-3-Fettsäuren. Zu Beginn ist Heilfasten eine gute Therapieform, die auch stationär durchgeführt werden kann.

Ich bin chronischer Schmerzpatient. Was kann ich ergänzend und alternativ zur Einnahme von Schmerzmitteln machen?

Bei Schmerzen kann Akupunktur helfen. In der Regel wird eine Serie von zehn bis zwölf Behandlungen angesetzt. Nach fünf bis sechs Sitzungen sollte sich ein erster Erfolg einstellen. Zusätzlich helfen Wasser-, Wärme-, gymnastische oder Ernährungstherapien.

Ich habe immer wieder Schmerzen in der Halswirbelsäule. Was kann ich tun?

Physiotherapie ist hilfreich. Auch Schröpfen kann die Muskeln lockern und die Schmerzen lindern.

Ich schlafe schlecht, möchte aber keine Schlaftabletten nehmen. Welche Alternativen gibt es?

Pflanzliche Medikamente mit Baldrian oder Lavendel haben sich bewährt. Eine wichtige Rolle spielt aber auch der Lebensstil. So soll man am Abend nicht schwer essen, möglichst immer zur selben Zeit ins Bett gehen, sich tagsüber an der frischen Luft bewegen.

Ich leide seit Jahren unter Fibromyalgie und habe alle konventionellen Therapien durch. Was bietet die Naturheilkunde?

Eine positive Wirkung hat zum Beispiel das Heilfasten. Auch die Hyperthermie, eine Methode zur Überwärmung des Körpers, ist eine Möglichkeit. Grundsätzlich ist es wichtig, von passiven Anwendungen wegzukommen und stattdessen selbst Übungen zu machen. Patienten mit Fibromyalgie sollten sich moderat und viel an der frischen Luft bewegen.

Ich habe eine Colitis ulcerosa, die medikamentös gut eingestellt ist. Was kann ich sonst noch für mich tun?

Bei Darmerkrankungen spielt immer die Ernährung eine wichtige Rolle. Wir empfehlen eine pflanzenbasierte Vollwertkost und pflanzliche Medikamente. Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder Reizdarm sind auch Entspannungsverfahren eine gute Hilfe. Man muss sie aber auch anwenden, wenn man sie bei einer Reha gelernt hat.

Ich habe starke Schmerzen in den Gelenken und schon einiges erfolglos ausprobiert. Haben Sie einen Rat?

Wenn bestimmte Gelenke schmerzen oder Patienten an Arthrose leiden, könnten Blutegel helfen. Sie werden nach einer ganz alten Tradition angesetzt, beißen zu, saugen sich voll und fallen dann ab. Der Blutegelspeichel enthält Stoffe, die Entzündungen hemmen und die Durchblutung fördern. Außerdem verändern sie die Fließeigenschaften des Blutes. Die ausleitende Wirkung hilft bei Schmerzen und Venenerkrankungen.

Das zahlt die Krankenkasse

Akupunktur Sie ist Kassenleistung für gesetzlich Versicherte mit chronischen Schmerzen in der Lendenwirbelsäule oder bei Kniegelenksarthrose.

IGeL Ansonsten fallen alternative Heilmethoden unter die Selbstzahler-IGeL (Individuelle Gesundheitsleistungen). Einige Kassen übernehmen manche IGeL, Nachfragen lohnt sich. Übersicht und Bewertung unter www.igel-monitor.de.

Reizdarm Menschen, die unter dem Reizdarmsyndrom leiden, finden Informationen und Anlaufstellen unter https://reizdarmselbsthilfe.org/.