London
Kommentar

"Hässlicher schwarzer Bastard": Rassistische Attacke bei Ryanair sorgt für Empörung

Ein Fluggast nennt seine Sitznachbarin "einen hässlichen schwarzen Bastard", weigert sich neben der Frau zu sitzen. Beschimpft und beleidigt sie. Umsetzen muss sich aber schließlich die Frau. Rassismus pur im Billigflieger von Ryanair.
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Ein 77-jähriger Mann wird auf einem Ryanair-Flug dabei gefilmt, wie er eine Frau rassistisch beschimpft und beleidigt. Er weigert sich neben ihr zu sitzen. Umsetzen musste sich schließlich die Frau. Foto: Marcel Kusch/dpa
Ein 77-jähriger Mann wird auf einem Ryanair-Flug dabei gefilmt, wie er eine Frau rassistisch beschimpft und beleidigt. Er weigert sich neben ihr zu sitzen. Umsetzen musste sich schließlich die Frau. Foto: Marcel Kusch/dpa

Was sich am Freitag auf einem Flug der Billigfluglinie Ryanair abgespielt hat, ist Rassismus pur und definitiv ein Skandal. Ein Fluggast hält das Ganze in einem Video für die Nachwelt fest.

Die irische Fluggesellschaft steht deshalb heftig in der Kritik - und das völlig zu Recht! Das Servicepersonal von Ryanair gab bei dem Vorfall ein katastrophales Bild ab: Mit ihrem Verhalten trugen sie dazu bei, den rassistischen Vorfall zu bagatellisieren. Letztendlich wurde das eigentliche Opfer des Vorfalls sogar bestraft.

Doch der Reihe nach: Was genau ist passiert? Ein weißer Mann hat eine 77-jährige, dunkelhäutige Frau im Flugzeug aufs Übelste beleidigt. Er nannte sie auf einem Flug von Barcelona nach London "ugly black bastard" - also "einen hässlichen schwarzen Bastard". Der Mann mochte ganz offenbar nicht neben der Frau sitzen, drohte der Frau sogar damit, sie von ihrem Platz zu schubsen, wenn sie sich nicht woanders hinsetze.

Rassistische Beleidigungen sind unterste Schublade

Als die Frau mit der schwarzen Hautfarbe darauf reagiert und den älteren Mann anspricht, reagiert der Rassist wieder harsch: Sie solle nicht in einer fremden Sprache mit ihm sprechen (die 77-Jährige hat einen jamaikanischen Akzent). Er beleidigt sie abermals. Es sind unglaubliche Szenen, die sich da im Flugzeug abspielen.

Ausgelöst hatte den Streit wohl, dass die schwarze Frau nicht schnell genug Platz gemacht hatte für den "weißen Mann". Die Tochter der 77-Jährigen, die ebenfalls an Board war, erklärte dem Mann zwar, dass ihre Mutter behindert sei und wegen ihrer Arthritis nicht schneller aufstehen konnte. Doch statt darauf einzugehen, rastete der Mann völlig aus und brüllte: "Es ist mir egal, ob sie behindert ist oder nicht. Wenn ich ihr sage, dass sie Platz machen soll, dann hat sie auch Platz zu machen." Das Alles ist im Video zu sehen und zu hören.

 

Einige andere Fluggäste mischen sich in den Streit ein und versuchen den Mann zu beschwichtigen. Auch ein Steward der Airline gibt dem Mann zu verstehen, dass er sich beruhigen müsse. Wieder ein anderer Passagier filmt den Vorfall und hält ihn somit für die Nachwelt fest. Die Forderung wird laut, dass das Flugpersonal den Mann doch aus dem Flieger schmeißen soll, wenn er nicht neben der schwarzen Frau sitzen will. Immerhin: Ein Zeichen, dass es noch so etwas wie Zivilcourage gibt.

Auch die angegriffene Frau selbst empfiehlt dem Steward, den Mann rauswerfen zu lassen. "Kick him out", sagt die 77-Jährige.

Shitstorm gegen Ryanair

Die Aufnahmen lösten einen Sturm der Empörung aus. Das Video wurde in der Zwischenzeit millionenfach geklickt und weiterverbreitet. In den sozialen Medien wird heftig diskutiert.

Besonders die Rolle von Ryanair wird kritisiert: Das Unternehmen gibt tatsächlich ein beschämendes Bild ab. Viele Nutzer kritisieren online, dass Ryanair den Mann nicht aus dem Flugzeug geworfen hat. Es wurde mittlerweile sogar zum Boykott der Airline aufgerufen. Unverständnis macht sich breit, dass das Personal gegen derartige rassistische Ausschreitungen nichts unternommen hat.

Das Unglaubliche: Am Ende setzt sich der unmögliche Mann tatsächlich durch. Er muss nicht neben der schwarzen Frau sitzen. Die Frau wird auf einem anderen Sitz platziert. Ein absolutes Armutszeugnis. Dass so etwas in der heutigen Zeit überhaupt noch möglich ist, ist wirklich beschämend. Man wird unweigerlich an Szenen aus der USA erinnert, in denen Schwarze nicht zur Mitte des letzten Jahrhunderts im Bus nicht neben Weißen sitzen durften.

 

In einem Interview mit der "Huffington Post" macht die Tochter der beleidigten Frau ihrem Ärger Luft: Sie wirft der Airline vor, das rassistische Verhalten ignoriert - gar toleriert zu haben. "Ich weiß, das wenn ich oder jeder andere Schwarze sich so verhalten würde, dann wäre die Polizei gerufen worden und wir wären aus dem Flieger geworfen worden", sagt sie.

Die beiden werden nie wieder mit Ryanair fliegen, sagt die Tochter. Das würde ich an ihrer Stelle auch nicht! Doch die allein reicht wohl nicht: Es bleibt zu hoffen, dass sich möglichst viele Menschen gegen solches rassistisches Verhalten stellen - und auch Unternehmen bestrafen, die solches Verhalten dulden.

Das Flugpersonal will übrigens nichts von rassistischen Beleidigungen gehört haben - die Frau solle sich doch am Montag telefonisch an den Kundenservice wenden. Einziges Statement der Billigairline bisher ist ein kurzer Tweet. Man sei sich des Videos bewusst und die Polizei wurde informiert.