Teils aus Langeweile rufen sie die Polizei oder Rettungskräfte. Sind die dann da, werden sie belästigt, provoziert und mit Flaschen beworfen. Am Wochenende droht neuer Ärger.
Betrunkene Jugendliche, fliegende Flaschen und ein Angriff auf einen Rettungswagen: Im Englischen Garten, Münchens weitläufigem Parkidyll, spielten sich an den vergangenen beiden Wochenenden chaotische Szenen ab. Rund um das Monopteros-Bauwerk, wo bei schönem Wetter tagsüber Familien grillen und Freunde Fußball spielen, hatten sich Hunderte junger Leute versammelt. Sie feierten, tranken, und eine kleine Gruppe bekam irgendwann Lust auf mehr. Auf Ärger. Auf Krawall.
Zu vermeintlicher Reanimation gerufen
Am vergangenen Samstag führte das so weit, dass Jugendliche bei der Polizei anriefen und Schlägereien meldeten, die gar nicht stattfanden - nur um die Beamten auf den Plan zu rufen.
Feuerwehrmann Stefan Kießkalt war in jener Nacht vor Ort. Sein Team war gegen 22 Uhr zu einer vermeintlichen Reanimation im Englischen Garten alarmiert worden. "Da waren wahnsinnig viele Leute, aber keiner hat uns herangewunken und keiner wirkte aufgeregt", berichtet Kießkalt.
Weil kein Patient zu finden war, wollte die Mannschaft schon wieder abfahren - als Jugendliche die Rettungskräfte auf einen Menschen aufmerksam machten, der Hilfe brauche. Eine junge Frau lag mit einer Alkoholvergiftung am Boden und musste versorgt werden.
Flaschen flogen auf Krankenwagen
Als der Krankenwagen mit der Patientin abfahren wollte, eskalierte die Situation. Jugendliche rüttelten an dem Fahrzeug, beleidigten die Feuerwehrleute, schubsten sie. "Die wollten uns provozieren", schildert Kießkalt. Als Flaschen flogen, griff die Polizei ein. Etwa 100 Beamte konnten die Lage schließlich beruhigen. "Sowas habe ich noch nie erlebt. Wir sind alle nur mit Kopfschütteln dagestanden", sagt der Feuerwehrmann. Er könne nicht nachvollziehen, warum man Rettungskräfte so angehe. "Wir wollen doch helfen!".
Auch an diesem Wochenende soll es wieder sonnig und mild werden - ideale Bedingungen für einen Besuch im Park. Damit die Ereignisse nicht noch einmal derart aus dem Ruder laufen, hat die Münchner Polizei Vorkehrungen getroffen. Die Beamten seien verstärkt an bestimmten Stellen im Englischen Garten unterwegs, sagt Sprecher Marcus da Gloria Martins. Zum Einsatz kämen vor allem Polizisten in Zivil und Reiterstaffeln. "Wir sind vorbereitet", sagt er.