Jetzt ist es amtlich: Im Kernkraftwerk Grafenrheinfeld wird kein Strom mehr produziert, die Anlage definitiv nicht mehr hochgefahren. Bei einem Jahresauftaktgespräch teilte Kraftwerksleiter Reinhold Scheuring den Journalisten mit, dass die rechtlichen Vorbehalte, die der Kraftwerksbetreiber Preussen Elektra gemacht hatte, vom Tisch seien. Bis zuletzt war es dem Konzern um mögliche Entschädigungszahlungen im Zusammenhang mit der vorzeitigen Stilllegung des Kraftwerks gegangen. In Grafenrheinfeld konzentriere man sich voll auf den anstehenden Rückbau der Anlage, hieß es.

Entsprechende Genehmigungsanträge für die erste Stufe des Rückbaus habe man vorsorglich bereits im Jahr 2014 gestellt. Und die Vorbereitungsarbeiten für den Rückbau würden weiter vorangetrieben. Nach der jüngst getroffenen Vereinbarung zwischen Bund und Energieversorgern bleiben die Energieunternehmen weiter für den Rückbau und die Verpackung des atomaren Restmülls zuständig. Der Betrieb der Zwischen- und Endlager wird vom Staat übernommen. Die Finanzierung erfolgt durch einen Fonds, in den allein PreussenElektra inklusive eines Risikozuschlags rund zehn Milliarden Euro einzahle, hieß es. Für die unterfränkische Anlage rechnen die Verantwortlichen bis Anfang 2018 mit einer offiziellen Rückbaugenehmigung. Was nicht heißt, dass dann auch schon Gebäude abgerissen werden.


Rückbau und Abriss

Rückbau und Abriss dürften nicht miteinander verwechselt werden, erläuterte der in Grafenrheinfeld für die Rückbaumaßnahmen zuständige Stefan Krieger. Die Anlage würde in den nächsten Jahren nur innen rückgebaut. Gestartet würde mit dem Reaktordruckgebäude. Zuvor müssten allerdings die derzeit 597 Brennelemente, die derzeit im Nachklingbecken im Innern des Druckgebäudes abkühlen, in Castoren verpackt und ins Zwischenlager Bella transportiert werden. Dort könnten auch notwendige Reparaturen für den Fall durchgeführt werden, dass einer der Castoren, von denen ein jeder 19 Brennelemente aufnimmt, undicht werden sollte.

Außerdem: Für mittel- und schwach radioaktive Abfälle soll bis 2020 auf dem Kraftwerksgelände in unmittelbarer Nähe zum Zwischenlager eine Bereitstellungshalle (Beha) errichtet werden. 100 Meter lang, 28 Meter breit und 17 Meter hoch, soll sie einen Großteil der rund 600 Behälter mit Atommüll, der aus Betrieb und Rückbau anfällt, zur Zwischenlagerung aufnehmen. Auch Atommüll aus anderen von Preussen Elektra betriebenen Kernkraftwerken soll hier - allerdings nur für eine Dauer von maximal zehn Jahren - gelagert werden können.

Der Traum von der "grünen Wiese" nach dem Abriss des Kernkraftwerks, er dürfte noch lange geträumt werden. Weil auch nach dem Abriss des Kraftwerks die Zwischenlager bleiben, und das in staatlicher Regie. Das ändert sich erst mit einem Endlager. Wann und wo das stehen soll, ist noch völlig offen.