Bevor es in das Dschungelcamp geht, dürfen sich die Kandidaten noch auf einer Yacht mit Champagner in der Hand präsentieren und sich vorstellen. Das ist auch dringend notwendig, denn wie die Moderatoren süffisant erwähnen, haben die meisten Kandidaten ihre Karriere noch vor sich, "teilweise seit mehreren Jahrzehnten."

Was neben der geringeren Promidichte bei der neuen Staffel von "Ich bin ein Star" auffällt, ist die Ehrlichkeit der Teilnehmer im RTL-Dschungelcamp. Sie geben ganz offen zu, dass Geld eine große Rolle spielt bei der Entscheidung, sich in den Dschungel zu begeben. Immerhin gibt keiner vor, der Titel "Dschungelkönig" oder "Dschungelkönigin" liege ihm oder ihr aus irgendwelchen ideellen oder gar transzendenten Gründen am Herzen.

Sprung ins kalte Wasser
RTL zieht das Programm immerhin routiniert durch, kein Wunder bei der 9. Staffel. Und so erhalten die Stars völlig überraschend Besuch von Dr. Bob, der ihnen verkündet, dass einige von ihnen die Yacht verlassen. So sorgt man natürlich - hofft man sicher beim Sender - für etwas Zwiespalt und erste Differenzen.

Jörn Schlönvoigt, Sara Kulka, Benjamin Boyce, Rebecca Simoneit-Barum und Maren Gilzerwerden also mit dem Hubschrauber ausgeflogen und müssen mit Fallschirmen über dem Dschungel abspringen. RTL schätzt schließlich aufgesetzte Dramatik und extravagante Umwege. Erstere bekommt auch die andere Gruppe auf der Yacht geboten, die eben noch über Patricia Blancos Brustimplantate plaudert, als australische Ranger eine Leibesvisitation vornehmen und aus den Taschen der Kandidaten so etwas wie Damenunterwäsche fischt und konfisziert - Walter Freiwald muss wohl ohne Andenken an seine Frau in den Dschungel.

Stress, Streit, Spannungen
RTL hat Erfahrung darin, für Streit und Lästerpotenzial zu sorgen. Sicherer Garant ist da die Dschungelprüfung. Schon bei der Nominierung verliert Sara Kulka die Fassung, als sie von Aurelio Savina zu dessen Begleitung ernannt wird. Der ehemalige "Bachelorette"-Kandidat wurde mangels Zuschauervotum von den anderen Stars bereits im Hotel zur ersten Prüfung geschickt, wo sehr wahrscheinlich sehr unappetitliche Dinge auf ihn warten.

Die temperamentvolle Sara, Zuschauern von Pro-Sieben bekannt aus "Germany's Next Topmodel", vermutet hinter der Nominierung ein übles Komplott: "Fick dich, ey! Warum? Weil du mir eins auswischen willst?" Aurelio versucht ihr glaubhaft zu versichern, dass er sie wegen augenscheinlicher Fitness gewählt hat. Hätte er vorab einen Kandidatencheckgelesen, wäre seine Wahl wohl eher auf Angelina Hegergefallen.

Die wenig begeisterte Sara Kulka beschleicht bei der anschließenden Reflektion eine Ahnung dessen, was bereits einige "Stars" im Dschungelcamp ereilte: Immer und immer wieder von den Zuschauern in die Dschungelprüfung gewählt zu werden. Zumindest, wenn das Opfer in spe beim ersten Mal offensichtlich "verkackt", wie Sara Kulka ihre Angst zum Ausdruck bringt. (Ihre Angst bewahrheitet sich schließlich - zumindest in der zweiten Prüfung muss sie erneut ran.)

Immer gleiche Rollen
Vor Augen hat sie dabei wohl Sarah "Dingens" Knappik und Larissa Marolt, die fast im Alleingang die Dschungelprüfungen bestritten. Der Zuschauer ist gern gemein und sieht gerne immer wieder das Gleiche. Und so werden die Rollen auch dieses Mal nach dem gewohnten Muster verteilt und die Themen kommen dem Zuschauer auch bekannt vor.

Sara ist das schnoddrige Mädel, das in jede Prüfung muss, Walter Freiwald der etwas olle und wehleidige Altstar, der bald aufgeben muss und für den exotischen Akzent sorgt dieses Mal Ex-"Caught In The Act"-Star Benjamin Boyce. Sätze wie "Was geht los da rein" liegen förmlich wieder in der Luft und dann werden ihm auch noch Augen wie Brigitte Nielsen attestiert und zwar von Patricia Blanco.

Sie übernimmt die undankbare Rolle des Star-Nachwuchses, der ein Problem mit dem Erzeuger hat, ob der nun wie einst Uwe Ochsenknecht heißt oder jetzt eben Roberto Blanco. Das schafft Potenzial für die Folge-Verwertung inklusive weiterem Familienstreit oder Versöhnung.

Die Rolle des netten Kumpels wird wohl Jörn Schlönvoigt übernehmen, schließlich positioniert sich Aurelio ja schon als Frauenheld. Ob er nun Tanja Tischewitsch oder Angelina Heger Avancen macht, bleibt immerhin noch offen. Rolfe Scheider gibt den Paradiesvogel und Rebecca ist die Macherin und Lager-Mama.

Maren Gilzer als nie wirklich erfolgreiche Buchstaben-Umdreherin wird wohl vor allem Mitleid erregen, während bei Angelina noch nicht klar ist, ob sie eher unauffällig bleibt oder sich im vorab beschworenen Playboy-Zickenkrieg mit Sara verzettelt.

Unspektakulärer, aber Start
Im Prinzip geht es beim Dschungelcamp alljährlich im Januar um vier Dinge:

Der Zickenfaktor: Hier hat Walter Freiwald schon vorgelegt, erst fehlten ihm Inlays in seinen Schuhen, dann wurde er Opfer von menschenfressenden, giftigen Quallen. Der vorab beschworene Zickenkrieg zwischen Sara und Angelina bleibt bislang aus. Aber das Dschungelcamp hat ja gerade erst losgelegt.

Der Ekelfaktor: Da liefert RTL zuverlässig ab. Ob die Kandidaten bei der Dschungelprüfung nun Hoden mit den Zähnen balancieren müssen oder die bewährte Kotzfrucht zu sich nehmen müssen, für Würgen, Ausrufe des Ekels und erregtes Kreischen ob krabbelnder Käfer ist gesorgt.

Persönliches / dunke Geheimnisse: Erste zaghafte Versuche wurden bereits im Hotel unternommen, da fühlt sich Rolfe unsicher und ungeliebt und Sara weint ein paar Tränchen des Vermissens ob ihrer fernen Tochter. Die planmäßigen Geständnisse und die Offenlegung schwerer Schicksalsschläge werden aber noch auf sich warten lassen. Auch hier ist Geduld angesagt.

Nacktheit: Da haben es die Dschungelbewohner schwer, denn viel nackte Haut zeigten Angelina und Sara ja bereits vor Start der RTL-Show. Von den üblichen "versehentlichen" Busenblitzern werden wir wohl auch in dieser Staffel nicht verschont, allen Beteuerungen einer brav wirkenden Angelina zum Trotz.

Bissiger als die noch nicht so zahlreich vertretenen Krabbeltierchen sind dagegen die Kommentare der Moderatoren. Seitenhiebe etwa auf Pegida bleiben da nicht aus und die Lästereien über die "Stars" sind dank süffisanter Vortragsweise und guter Autorenarbeit durchaus unterhaltsam. Sich von dem Karneval freiwilliger Selbstdemütigung abzuheben ist zwar denkbar einfach, aber die Süffisanz von Sonja Zietlow und Daniel Hartwich tut ihr Übriges. Manche Gespräche der Kandidaten müssen allerdings nicht einmal mehr kommentiert werden: "In der Nacht ist es genau so wie am Tag" - "Nur man sieht nichts." Solche Dialoge schreibt der Dschungel.

Zum Schluss noch eine Weisheit von Sara Kulka, die sich manch Kandidat im Dschungel vielleicht schon zu oft zu sehr zu Herzen genommen hat: "Sich dumm stellen schafft Freizeit."