Michelau
Wirtschaft

SMIA baut 100 Arbeitsplätze ab

Der Michelauer Automobilzulieferer regiert auf zurückgehende Aufträge. Er steht damit in der Region nicht alleine da.
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Bei SMIA in Michelau werden 100 Arbeitsplätze abgebaut. Fotos: Matthias Einwag
Bei SMIA in Michelau werden 100 Arbeitsplätze abgebaut. Fotos: Matthias Einwag
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Eine rückläufige Auftragslage zwingt die Samvardhana Motherson Innovative Autosystems (SMIA) dazu, Mitarbeiter zu entlassen. 100 der 1800 Stellen werden im Unternehmen deshalb abgebaut. Der Automobilzulieferer in Michelau fertig vor allem Kunststoffteile. SMIA ist nach Baur der zweitgrößte Arbeitgeber im Landkreis Lichtenfels.

"Gründe für den Abbau sind die erheblich eingetrübten Marktbedingungen, mit deutlich reduzierten Kundenabrufen gegenüber der Planung und der Verlust von einigen wichtigen Folgeaufträgen im Rahmen der zurückliegenden Insolvenz. Außerdem sind in verschiedenen Bereichen Restrukturierungen notwendig, um das Unternehmen zur Sicherung der verbleibenden Arbeitsplätze für die Zukunft wettbewerbsfähig aufzustellen", schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung.

Auch Ruhestandsangebote

Um den Personalabbau sozialverträglich zu gestalten und die Anzahl der betriebsbedingten Kündigungen so gering wie möglich zu halten, will man auch die natürliche Fluktuation nutzen, zudem Vorruhestandsangebote machen und offene Stellen im Konzern an anderen Standorten anbieten.

Bei SMIA spricht man auch von allgemeinen Auswirkungen der Lage in der Automobilindustrie, die Probleme an mehreren Fronten hat: Die Einführung des neuen Abgaszyklus WLTP zum September 2018 führte bei einigen Herstellern, etwa dem Volkswagenkonzern, zu Einbrüchen in der Produktion. Dazu kommen aktuell Diskussionen um mögliche US-Zölle für Autos aus Europa und der Brexit. Das Thema Dieselfahrverbote trägt ebenfalls zur Eintrübung der Autokonjunktur ein.

Das führt zu einer allgemeinen Verunsicherung, auch bei anderen Unternehmen in der Region. Ende Februar gab der Automobilzulieferer Dr. Schneider in Neuses (Kreis Kronach) bekannt, 60 Mitarbeiter am Stammsitz Neuses zu kündigen, in einem weiteren Werk in Tschirn wurde in einigen Bereichen Kurzarbeit eingeführt. Dr. Schneider beschäftigt an verschiedenen Standorten insgesamt 4000 Mitarbeiter.

Bei Bosch in Bamberg mit rund 7400 Beschäftigten ist noch nicht genau absehbar, welche Folgen die Probleme der Autohersteller haben werden. In Bamberg werden vor allem Teile für Dieselmotoren gefertigt. Die Dieselkrise hat dazu geführt, dass immer weniger Autos gebaut werden und es im Bamberger Werk deshalb einen Auftragsrückgang gibt. Nachdem in Deutschland auch die Wende hin zu mehr Elektromobilität eingeleitet worden ist, geht es bei Bosch auch um die Frage, mit welchen Produkten die Werke des Konzerns künftig ausgelastet werden sollen. Kündigungen in Bamberg sind durch eine Betriebsvereinbarung ausgeschlossen, doch der Druck ist groß. Es gibt Bestrebungen in der Werkleitung, die Arbeitszeit abzusenken. Jährlich verlassen 250 Mitarbeiter aus Altersgründen das Unternehmen, die nicht ersetzt werden.

Bei Brose sind in Verwaltung, Entwicklung und Produktion am Standort Bamberg/Hallstadt 3300 Personen beschäftigt, in Coburg 3200. Auch hier spürt man die veränderte Situation in der Autobranche. "Deshalb wurden kurzfristige Maßnahmen eingeleitet, die bereits im laufenden Geschäftsjahr zu Kosteneinsparungen in deutlich zweistelliger Millionenhöhe führen. Darüber hinaus hat Brose ein weltweites Programm zur Kostensenkung gestartet, um Prozesse, Strukturen und Personalkapazitäten anzupassen", sagt eine Sprecherin.

Der Michelauer Betrieb ist vielen noch unter dem Namen "Scherer und Trier" ein Begriff. Das in Familienbesitz befindliche Werk hatte 2015 Insolvenz anmelden müssen, Ende 2015 kaufte es der indische Konzern Samvardhana Motherson. Damals konnten alle Mitarbeiter übernommen werden. Dass man ein durchaus vertrauensvolles Verhältnis zwischen Werkleitung und Mitarbeitern pflegt, zeigt der Umstand, dass auch die zuständige Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE) eingebunden war bei der Erstellung eines Sozialplans und die Maßnahmen mitträgt. Mit ihr hat man auch einen Haustarifvertrag abgeschlossen.

Die betroffenen Mitarbeiter, die am Mittwoch informiert wurden, können wählen zwischen einer Abfindung oder dem Übergang in eine Transfergesellschaft.

Landrat Christian Meißner (CSU) zeigt sich betroffen von der Nachricht, doch sie kommt für ihn nicht überraschend. "Man kann mit keinem Unternehmer aus dem Bereich reden, der keine Sorgenfalten auf der Stirn hat." Einer von ihnen habe bei seinen Unternehmensbesuchen gesagt: "Die Krise ist da, aber keiner redet davon." Auch bei Maschinenbauern, die unter anderem Produktionsanlagen für die Autoindustrie fertigten, sei das bereits zu spüren. "Ich habe in ein paar Tagen einen Termin mit der Geschäftsleitung von SMIA", spricht er ein länger vorbereitetes Treffen an. "Man muss jetzt beobachten, wie das weitergeht."

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