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Ludwigsstadt
Geborgenheit

Rennsteig wird für syrische Familie zur neuen Heimat

Jamil Alsalim kam Ende 2014 als Flüchtling nach Tettau. Mittlerweile wohnt der Syrer mit seiner Familie in Ludwigsstadt und hat bei der Heinz-Gruppe einen Job gefunden. Langsam fühlt er sich am Rennsteig heimisch.
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Die Kinder fühlten sich schneller heimisch als die Eltern, doch inzwischen ist die ganze Familie gut integriert (v. l.): Roaa, Manahel, Jamil Alsalim, Zain und Ehefrau Souad. Foto: Veronika Schadeck
Die Kinder fühlten sich schneller heimisch als die Eltern, doch inzwischen ist die ganze Familie gut integriert (v. l.): Roaa, Manahel, Jamil Alsalim, Zain und Ehefrau Souad. Foto: Veronika Schadeck
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Es duftet nach Tee und orientalischem Gebäck, als unsere Reporterin bei Jamil Alsalim und seiner Frau zu Gast ist. Als Flüchtlinge an den Rennsteig gekommen, hat sich die syrische Familie dort schnell integriert und zeigt sich ihrerseits sehr gastfreundlich. Während die beiden Erwachsenen in den ersten Minuten des Gesprächs noch etwas zurückhaltend, aber zugleich auch neugierig sind, beginnen die Kinder gleich zu erzählen.

Sie möchte später mal einen Pflegeberuf ergreifen, meint die älteste Tochter Roaa. Da könne sie anderen Menschen helfen, für sie da sein, zusammen mit ihnen lachen und weinen. Sie möchte anderen Leuten helfen, so wie ihrer Familie geholfen wurde.

14-Jährige beherrscht die Sprache fließend

Roaa besucht die achte Klasse der Mittelschule Pressig. Die 14-Jährige ist Klassensprecherin und spricht fließend Deutsch. "Ich verstehe alles", meint sie. Dabei ist auch etwas Stolz auf diese Leistung aus ihrer Stimme zu hören.

Ihre Schwester Manahel besucht die vierte Klasse der Grundschule Ludwigsstadt. Sie möchte den Sprung an die Realschule schaffen. Ihr erstes Schuljahr habe sie wegen der Sprachbarriere wiederholen müssen, aber es habe sich geloht, erzählt sie.

Dann meldet sich auch Zain zu Wort. Der Siebenjährige war ein Kleinkind, als er mit seiner Familie aus Syrien flüchtete. Er besucht die zweite Klasse und ist aktiver Fußballer in der JfG Rennsteig. An ihre Heimatstadt Alquneterat, nahe den Golanhöhen gelegen, können sich die Kinder kaum erinnern.

Jamil Alsalim hört gespannt zu. Nicht alles kann er sofort verstehen, was seine Kinder erzählen. "Sie sprechen zu schnell Deutsch!" Ein Jahre dauerte der Krieg in seinem Heimatland an, als er die Entscheidung traf, zusammen mit seiner Familie in ein neues und besseres Leben zu fliehen. Er hatte genug von den Kämpfen, der Angst und dem Krieg.

Zwischenstation in Libyen

Die erste Station war Libyen. Dort verbrachte er zwei Jahre zusammen mit seiner ersten Frau und den Kindern. Danach zog er alleine weiter übers Mittelmeer nach Italien und von dort aus mit dem Zug nach Deutschland. Zwei Tage lang wurde er in Hamburg untergebracht, bevor er ins Auffanglager nach Zirndorf kam. Von dort aus ging es nach Reichenbach und anschließend nach Tettau.

Erinnert sich Jamil Alsalim an diese Zeit, so spricht er von Ungewissheit, Zweifeln und der Hoffnung auf ein besseres Leben. Seit dem vergangenen Jahr lebt er nun in Ludwigsstadt, in einer eigenen Wohnung, die er von seinem Einkommen bezahlt. Darauf ist Jamil Alsalim stolz.

Ursprünglich habe er daran gedacht, nach ein oder zwei Jahren wieder in sein Heimatland zurückzukehren, erzählt der 39-Jährige. Er hatte erwartet, dass der Krieg schnell vorüberziehen und er zu seiner Familie und seinen Eltern zurückgehen würde.

Bessere Chancen für die Kinder

Mittlerweile habe sich seine Einstellung geändert. "Meine Kinder haben hier eine bessere Zukunft, mehr Chancen und Perspektiven", sagt der 39-Jährige. Er spricht davon, dass sie mittlerweile Freunde gefunden haben. Am Rennsteig könnten sie zudem ohne Ängste aufwachsen. "Hier sind wir sicher." Sein Sohn Zain habe Schwierigkeiten mit seiner Muttersprache. Jamil Alsalim stellt fest: "Er spricht besser Deutsch als Arabisch!" Zain ist auch ein begeisterter Fußballer bei der JfG. Oftmals sei er mit dabei, wenn sein Sohn auf dem Spielfeld steht.

Der Familienvater spricht auch davon, dass er als Flüchtling großes Glück gehabt habe. Denn mit Adem Elkol und Karin Weber hat er zwei Menschen gefunden, die ihm am Anfang beistanden und ihn auch jetzt noch sehr unterstützen. Adem Elkol lernte er über einen türkischen Bekannten kennen. Aufgrund dieses Kontakts wurde er auch von seinem jetzigen "Chef", Carl-August Heinz, Ende des Jahres 2015 zu einem Essen ins Tropenhaus eingeladen. Und er erhielt einen Job bei der Heinz-Gruppe.

Denkt Jamil Alsalim an diese Zeit zurück, spricht er von einer großen Umstellung. In seinem Heimatland unterrichtete er als Lehrer Kinder in Mathematik und Arabisch. Im Heinz-Werk in Spechtsbrunn wurde er im Bereich Veredelung eingesetzt. Dann waren da noch die immensen Sprachbarrieren mit den Kollegen. Hinzu kam die Trennung von seiner Frau. Als alleinerziehender Vater mit mangelnden Sprachkenntnissen, Schichtdienst und dem schlechten Gewissen, nicht genügend Zeit für die Kinder zu haben, sei die Situation nicht gerade berauschend gewesen. "Aber es war viel besser als Krieg und Angst!"

Deutschkurs und Führerschein

Mittlerweile hat Jamil Alsalim mit Souad wieder eine Ehefrau und eine Mutter für seine Kinder gefunden. Er hat einen Deutschkurs mit der Note 2 abgeschlossen und den Führerschein gemacht. Er denkt daran, in der Region ein Haus zu kaufen, wenn seine befristete in eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis umgewandelt wird. Er fühlt sich ein bisschen heimisch, geborgen und aufgenommen.

Wie Elkol erzählt, habe er mittlerweile 17 Flüchtlinge bei der Heinz-Gruppe betreut. Zieht er ein Resümee, so meint er: "Ich habe gute und schlechte Erfahrungen damit gemacht." Er hoffe, dass die Familie Alsalim in der Rennsteig-Region sesshaft wird, so wie er. "Die passen nämlich!"

Adem Elkol kam vor über 46 Jahren mit seinen Eltern als Kleinkind aus der Türkei nach Kleintettau. Sein Vater wollte eigentlich nur ein paar Jahre in Deutschland bleiben. Der dreifache Familienvater Adem Elkol hat dann auf dem Spielplatz, in der Schule und im Sportverein in Kleintettau deutsch gelernt. Überhaupt vertritt Adem Elkol die Auffassung, dass Sport am besten dazu beiträgt, Vorurteile abzubauen und binnen kurzer Zeit die deutsche Sprache zu erlernen. Er meint: "Ich bin doch ein gutes Beispiel für eine gelungene Integration!"

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