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Wirtschaft

Der Mietvertrag ist unterschrieben - Loewe bleibt in Kronach

Kronach bleibt auch künftig Hauptsitz des TV-Geräteherstellers Loewe: Skytech, der neue Inhaber der Markenrechte, einigte sich mit der Stadt am Dienstag auf einen Mietvertrag für einen großen Teil des Loewe-Areals in der Lucas-Cranach-Stadt.
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Schon zum 1. Februar werden zunächst 45 Angestellte wieder bei Loewe in der Industriestraße anfangen. Foto: Timm Schamberger/dpa / Montage: Dagmar Klumb
Schon zum 1. Februar werden zunächst 45 Angestellte wieder bei Loewe in der Industriestraße anfangen. Foto: Timm Schamberger/dpa / Montage: Dagmar Klumb

Harte Verhandlungen statt netter Gespräche, Wasser statt Alkohol und Stimmengewirr statt Stimmungsmusik: Seinen 65. Geburtstag dürfte Wolfgang Beiergrößlein (FW) nicht so schnell vergessen. Denn anstatt entspannt hineinfeiern zu können, verhandelte der Kronacher Bürgermeister am Dienstag (14. Januar 2020) als Geschäftsführer der Stadtentwicklungs GmbH bis tief in die Nacht über einen Mietvertrag für Loewe.

Wie bereits berichtet, wollte Skytech - der neue Inhaber der Markenrechte des Kronacher Traditionsunternehmens - rund 30 000 Quadratmeter Gebäudefläche auf dem Areal in der Industriestraße anmieten. Geworden sind es letztlich 25 000. Darunter das halbe Entwicklungsgebäude. "Um fünf vor zwölf haben wir uns die Hand gegeben", erzählt Beiergrößlein über das Ende der nächtlichen Verhandlung mit Skytech-Geschäftsführer Aslan Khabliev. "Er hat gesagt ,go!‘ und ich habe gesagt ,Welcome to Kronach‘."

Aus 40 wird 45

Auf finanzielle Details des ausgehandelten Vertrags, der am 1. Februar beginnt und zunächst bis zum 31. Dezember 2023 laufen wird, möchte der Bürgermeister nicht eingehen. Viel lieber spricht er über die Folgen, die dieser haben wird. Schließlich kann es nun wieder losgehen und Loewe den Neustart beginnen. Das Wichtigste: in Kronach. Bereits am Mittwochmorgen führte Skytech in der Kreisstadt erste Gespräche mit Kandidaten, die Anfang kommenden Monats als Loewe-Angestellte auf das Gelände an der Industriestraße zurückkehren könnten. "Entgegen unserer jüngsten Pressemitteilung werden in einem ersten Schritt nicht 40 Mitarbeiter eingestellt, sondern 45", sagt ein Skytech-Sprecher im Gespräch mit unserer Redaktion. "Auf diese Zahl hat sich Herr Khabliev jetzt erst einmal festgelegt." Eingesetzt werden sollen sie zunächst im Support, der Entwicklung und dem Design. In den kommenden Monaten soll auch die Fertigung wieder ihren Betrieb aufnehmen, so dass bis zum Ende des Jahres wieder 100 Angestellte für Loewe arbeiten sollen.

Laut Beiergrößlein handelt es sich bei den 45 Mitarbeitern zu 95 Prozent um Personen, die bereits vor der Insolvenz beim Kronacher TV-Gerätehersteller beschäftigt waren. Rein rechtlich sind die neuen Mitarbeiter dann übrigens bei einem neuen Unternehmen angestellt, denn die "Loewe Technologies GmbH" ist jetzt Wirtschaftsgeschichte. An ihre Stelle tritt die von Khabliev neu gegründete "Loewe Technology GmbH".

"Es ist eine klassische Win-win-Situation", freut sich Kronachs Bürgermeister. "Wir haben ein gutes Ergebnis erzielt, das ich als Geschäftsführer vertreten konnte." Er habe dabei noch einmal einen Ermessensspielraum wirken lassen, ohne die rechtlichen Vorgaben zu brechen. Gehakt hatte es unter anderem an der Quadratmeterfläche und dem Mietzins. Skytech hätte gerne deutlich weniger als den ortsüblichen Mietpreis bezahlt und möglichst viele Gebäude gemietet. Die Stadt hingegen wollte mit Blick auf die übrigen Mieter, die inzwischen auf dem Loewe-Areal heimisch sind, Skytech nicht zu weit mit dem Preis entgegenkommen.

Zudem sollte noch genug Fläche zur Verfügung stehen, um auch neue Unternehmen auf dem Areal ansiedeln zu können - und so weitere Arbeitsplätze zu schaffen. Das sollte angesichts der 25 000 Quadratmeter, die Loewe anmieten darf, weiterhin möglich sein. Stehen auf dem Loewe-Gelände doch rund 55 000 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung. Insgesamt ist das Areal sogar gut 100 000 Quadratmeter groß.

"Bin dem Gremium sehr dankbar"

Khabliev selbst klingt nicht ganz so euphorisch wie sein Verhandlungspartner. "Wir wollten eine noch größere Fläche mieten", teilt er auf Anfrage des Fränkischen Tags mit. "Jetzt sind wir aber mit der erzielten Einigung mit der Stadt Kronach zufrieden - auch wenn die Bedingungen nicht ganz unseren Erwartungen entsprechen." Für die Kompromissbereitschaft bei der erzielten Einigung möchte er sich beim Bürgermeister und dem Kronacher Stadtrat bedanken. Letzterer gab am Dienstag in einer Sondersitzung Beiergrößlein den Rahmen vor, in dem dieser anschließend die letzten Details verhandeln konnte. "Ich bin dem Gremium sehr dankbar, dass es dem Mietvertrag fast einstimmig zugestimmt hat", betont auch Beiergrößlein.

Vorausgegangen war der Sitzung am Nachmittag ein gemeinsamer Besichtigungstermin des Loewe-Geländes. Dabei wurde schon einmal besprochen, welche Gebäudeteile Khabliev für seine Pläne mit Loewe unbedingt braucht und welche weniger wichtig sind. Zwei Stunden später stellte der Skytech-Geschäftsführer dem Gremium seine Ziele und seinen Businessplan vor.

Eine Präsentation, die bei den Stadtratsmitgliedern offenbar gut ankam. "Was er aus Marken wie Sharp oder Blaupunkt im europäischen Umfeld gemacht hat, kann sich schon sehen lassen", sagt der FW-Fraktionsvorsitzende Michael Zwingmann. "Ich traue ihm auf jeden Fall zu, dass seine Visionen den Zeitgeist treffen und dass das, was er perspektivisch vorhat, auch funktioniert." Besonders wichtig findet er es, dass "man diese Brücke des Mietzinses geschafft hat". Es sei zwar üblich, dass der Mietpreis geringer ausfällt, wenn eine größere Fläche angemietet wird, gravierende Unterschiede im Mietzins dürften allerdings nicht sein. Die Stadtentwicklungs GmbH müsse Umsätze generieren, um ihre Kosten zu decken, dürfe aber den Bogen nicht überspannen. "Genau dieser Spagat ist uns gelungen."

Sicherheit für die Mitarbeiter

Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Ralf Völkl spricht nach der Sitzung "von einem guten Eindruck", den er von Khabliev gewonnen habe. Insgesamt sei eine gute Lösung gefunden worden. Weniger gefallen habe seiner Fraktion, dass zuletzt zu oft über Mietkonditionen diskutiert wurde. "Denn man muss ja auch sehen, dass es um Arbeitsplätze geht. Und von den zuletzt 460 Angestellten sind immer noch viele arbeitslos", mahnt er.

Nun würde immerhin ein Teil derer wieder in ihren Job zurückkehren können. "Aus unserer Sicht war Eile geboten, weil Loewe den Betrieb auch bei der Hotline und beim Service eingestellt hatte", sagt Völkl. "Je länger der Neustart gedauert hätte, desto schwieriger wäre es geworden. Daher war eine zeitnahe Lösung wichtig."

Mit dem Mietvertrag werde Loewe nicht nur ein Neustart ermöglicht, sondern den vorerst 45 Angestellten auch eine Sicherheit gegeben, sagt der CSU-Fraktionsvorsitzende Jonas Geissler. "Und dann haben wir als Stadt auch die Erwartung, dass bis Ende des Jahres wirklich 100 Arbeitsplätze entstehen werden." Die ausgehandelte Vertragslaufzeit gebe sowohl der Stadt als auch Skytech die Gelegenheit, nach drei Jahren "eine offene und ehrliche Bilanz" zu ziehen. Dann dürfte es aber wohl nicht bis kurz vor Mitternacht dauern, ehe es zu einer Entscheidung kommt.

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