Stettfeld
Chorreise

Stettfelder Sänger in der Arena

Der "Chor Intakt" erhielt beim internationalen Festival in Verona ein "Sehr gut" für seine musikalische Leistung.
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Beim Abschlusssingen in der Arena sammelten sich alle teilnehmenden Chöre auf den Stufen des Amphitheaters um mit drei gemeinsamen Liedern das Festival zu beenden.Christian Ziegler
Beim Abschlusssingen in der Arena sammelten sich alle teilnehmenden Chöre auf den Stufen des Amphitheaters um mit drei gemeinsamen Liedern das Festival zu beenden.Christian Ziegler
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Einige unvergessliche Tage erlebte der Gesangverein Stettfeld bei seiner Chorreise nach Verona, wo 29. Mal das "Concorso internazionale di canto corale" - das internationale Chorfestival stattfand. 32 Chöre aus aller Herren Länder, von den USA über Schweden, Deutschland, Italien, Kroatien, der Türkei und Russland, präsentierten sich dort bei einem Wertungssingen vor einer hochkarätig besetzten, siebenköpfigen Jury.

Groß war die Freude der Stettfelder Sänger von "Chor Intakt" über die silberne Auszeichnung in ihrer Kategorie "Jazz, Pop, Blues", die dem Chor ein "Sehr gut" für seine musikalische Leistung bescheinigt.


Das ganze Auditorium summte

Lino Pasetto, Vorsitzender der veronesischen Chorvereinigung, ist ein Mann, der für die Sache der Musik brennt und dessen begeisterter Redefluss von Dolmetschern kaum zu bändigen war. Er nutzte die Eröffnung im eindrucksvollen Palazzo della Grand Guardia, um gleich den tieferen Sinn des Festivals zu betonen. "Musik ist eine universelle Sprache. Noch sind wir uns alle nicht bekannt, doch es braucht nicht viel und wir sind alle im Einklang."

Pasetto unterstrich dies mit einem Experiment, das den Teilnehmern die Gänsehaut über den Rücken laufen ließ. Er stimmte summend "Amazing Grace" an und wenige Sekunden später summte das zum Bersten gefüllte Auditorium in perfekter Harmonie.


Bereicherung für die Stadt"

Auch die für Kultur und Tourismus zuständige Rätin, Francesca Briani, zeigte sich überaus erfreut, so viele Gäste in Verona begrüßen zu dürfen: "Sie alle sind eine ungemeine Bereicherung für das kulturelle Leben in unserer Stadt!" Sie versprach, dass von Seiten der Stadt und des Chorverbandes alles unternommen worden sei um den Gästen eine schöne und unvergessliche Zeit zu bescheren. Den musikalischen Abschluss bildete der Chor des Lars-Erik-Larsson-Gymnasiums aus dem schwedischen Lund, der im Vorjahr den Sonderpreis "Oswald Stocker" der Jury gewonnen hatte.

Bereits am nächsten Vormittag stand das Wertungssingen vor der international besetzten Jury auf dem Programm. Die Stettfelder Sänger brachten "Breaking up is hard to do", "People help the people" und "Traum" zu Gehör und insbesondere der Chorklang wurde von den Juroren als "Sehr gut" befunden.


Der angebaute Sarkophag

Natürlich durften neben der Musik auch der Spaß und das Gesellige nicht zu kurz kommen. Nach dem Auftritt beim Wettbewerb machten sich die Teilnehmer auf, um die wunderschöne Altstadt Veronas zu erkunden. Sie wandelten auf den Spuren des wohl berühmtesten Liebespaares der Welt und neben einem Abstecher zum Haus von Romeo war natürlich auch ein Blick auf den Balkon der Julia für viele Pflicht.

Reiseleiterin Angela, ließ die romantischen Träume allerdings recht schnell platzen, als sie die Hintergründe der "Casa di Julietta" erläuterte. "1935 ist der Direktor der städtischen Museen auf die Idee gekommen dieses Haus als Haus von Julia festzulegen, weil der Name der ursprünglichen Besitzer einigermaßen gepasst hat. Weil es keinen Balkon hatte, wurde da einfach ein alter Sarkophag angebaut und jetzt lieben es die Touristen", erklärte sie augenzwinkernd.


Spaß am Gardasee

Am Freitag, einem freien Tag, lockte das romantische Sirmeone mit seinem wunderbaren Blick auf den See und das malerische Lazise mit seinen verwinkelten Gassen. Wem der Sinn mehr nach Spaß und Action stand, hatte im Gardaland mit zahllosen Fahrgeschäften die Gelegenheit, sich auszutoben. Schnell war der Tag vorbei und es näherte sich der Höhepunkt, die Preisverleihung und das Abschlusssingen.

Bereits der Morgen brachte die erste Überraschung. Der Stettfelder Bürgermeister Alfons Hartlieb war eigens angereist um die Abschlussveranstaltung und das Gastkonzert mit einem italienischen Chor mitzuerleben.

Für die meisten Reisenden gab es nun noch einmal die Gelegenheit, die Schönheit Veronas auf sich wirken zu lassen, ein Souvenir zu erstehen oder ein Eis zu schlecken. Die Vorstände und Dirigenten der teilnehmenden Chöre waren derweil zu einem Empfang bei Bürgermeister Frederico Sboarina geladen. Da er selbst gerne singe, betonte er, welche Ehre es für ihn und die Stadt sei, derart viele internationale Chöre in der Stadt der Liebe und der Julia begrüßen zu dürfen. "Ich wollte mir nicht nehmen lassen, Ihnen allen das auch persönlich zu sagen."


Die Preisverleihung

Im Anschluss hieß es sich sputen, denn nun ging es an die Preisverleihung im Teatro Filarmonico, dem Opernhaus Veronas. Der imposante Bau, mit seinen zahlreichen Logen, Lüstern und goldenen Verzierungen war der ideale Ort, um die Teilnehmer des Sangeswettstreits zu ehren. Lino Pasetto ergriff nochmals das Wort, um allen Teilnehmern und Gästen zu danken, die auch die 29. Auflage des Festivals zu einem vollen Erfolg gemacht hatten: "Ich hoffe Sie hatten eine wunderbare Zeit in Verona, wir hatten auf jeden Fall eine wunderbare Zeit mit Ihnen". Im Anschluss erhielten alle Chöre ihre Auszeichnungen und Pokale.

Hoch erfreut durften Vorsitzende Maria Egglseder und Chorleiter Thomas Kaminski den Pokal und die Jury-Bewertung aus den Händen von Maestro Felix Resch, dem ehemaligen Direktor des Bozener Musikkonservatoriums, entgegennehmen. Der Preis der Jury ging auch nach Deutschland. Der Universitätschor Halle durfte sich über diese besondere Auszeichnung freuen, die dem besten Chor des Wettbewerbs mit einer Bewertung von mindesten 98 von 100 Punkten verliehen wird. Seit der Stiftung des Preises im Jahr 2014 wurde er erst zweimal vergeben.


Großer Gemeinschaftschor

Wer an Verona denkt, denkt an die Arena. Und so ging es nach dem Mittagsimbiss, den der Chorverband Verona im Innenhof des Arsenals vorbereitet hatte, zurück zum eindrucksvollem Amphitheater, dem drittgrößten weltweit. Mit Platz für 22 000 Besucher ist es weltberühmt für seine grandiose Akustik. Das alljährliche Opernfestival war schon für viele Sängerinnen und Sänger ein Sprungbrett zu großen Karrieren, deshalb ist es der Traum von vielen Musikbegeisterten, einmal hier zu singen.

Für den "Chor Intakt" und "Teens in Takt" sollte auch dieser Traum wahr werden. Verdis Gefangenenchor aus Nabucco, "Amazing Grace" und Beethovens "Ode an die Freude" erklangen als Gemeinschaftschor von den Rängen. Erneut, ein Gänsehautmoment. Während die nichtsahnenden Touristen gebannt dem Vortrag lauschten, ließen sich die Arbeiter, die derzeit die Bühne für die Opernsaison errichten, nicht stören - man ist Musik in Verona eben gewohnt.

Als letzter Höhepunkt auf dieser an Höhepunkten nicht armen Reise ging es am Abend nochmals zurück nach Verona. Im Vorort Santa Lucia fand in der gleichnamigen Kirche ein gemeinsames Konzert mit dem örtlichen Chor "La Parete" statt.


Viel Applaus für den Chor

Der Männerchor ist auf Berg-, Volks- und sakrales Liedgut spezialisiert und präsentierte seinen Gästen und den einheimischen Zuhörern unter anderem ein wundervolles "Ave Maria". "Teens in Takt" unter Leitung von Marianne Markert sangen sich in die Herzen des italienischen Publikums. Spätestens mit ihrer spritzigen Interpretation des italienischen Volkslieds "Ma come bali bene bella bimba" hatten sie alle Sympathien auf ihrer Seite. Auch der "Chor Intakt" präsentierte einen breiten Querschnitt seines vielfältigen Repertoires. Von Brahms "Erlaube mir fein's Mädchen" über den "Kleinen Grünen Kaktus" der Comedian Harmonists reichte er bis zu "Traum" des Rappers Cro. Beide Chöre durften sich über den großen Applaus des italienischen Publikums freuen.

Im Anschluss hatte die Kirchengemeinde einen Empfang vorbereitet und zeigte ihren deutschen Gästen herzliche italienische Gastfreundschaft. Leckere kleine Köstlichkeiten, guter Wein und natürlich auch noch die ein oder andere musikalische Darbietung ließen die Zeit wie im Flug vergehen. Angeregte Gespräche, zum Teil mit Händen und Füßen, ließen schnell aus Fremden Freunde werden und so ließ es sich Maria Egglseder nicht nehmen, die Mitglieder von "La Parete" zu einem Gegenbesuch nach Stettfeld einzuladen.


Die nächsten Termine

Müde, glücklich und mit vielen Eindrücken verließen die Stettfelder am nächsten Tag Italien, um sich auf den Weg zurück in die Heimat zu machen. Dort stehen nämlich bereits die nächsten Termine an. Die Theater-Kids stehen am kommenden Samstag, 14. April, um 16 Uhr im hohenlohischen Reinsbronn mit "App ins Märchenland" auf der Bühne. Am 22. April findet um 17 Uhr unter dem Motto "Nauswärts" ein Frühlingskonzert aller Chöre auf dem Stettfelder Kirchplatz statt.


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