Haßfurt
Drogenprozess

Freiheitsstrafe für den "Holländer"

Das Landgericht in Bamberg brummte einem 25-jährigen Dealer aus dem Landkreis Haßberge eine mehrjährige Freiheitsstrafe auf.
Artikel drucken Artikel einbetten
Mit 5,5 Kilogramm Marihuana handelte der jetzt verurteilte Drogendealer. Symbolfoto: Christopher Schulz
Mit 5,5 Kilogramm Marihuana handelte der jetzt verurteilte Drogendealer. Symbolfoto: Christopher Schulz

Steil, aber kurz war die Karriere eines 25-jährigen Drogenhändlers aus dem Kreis Haßberge, der sich am Freitag am Landgericht Bamberg verantworten musste. Insgesamt 5,5 Kilogramm Marihuana sowie fünf Gramm Kokain verkaufte er innerhalb von 20 Tagen im vergangenen Jahr an zwei weitere Größen der Drogenszene im Haßbergekreis, die beide bereits zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden sind. Am Freitag erwischte es den 25-Jährigen. Die Dritte Strafkammer verurteilte den bislang strafrechtlich unbescholtenen Mann zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten.

Gleichzeitig ordnete das Gericht die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Außerdem muss der Verurteilte das eingenommene Drogengeld in Höhe von 38 000 Euro nach seiner Haftentlassung an die Staatskasse als "Wertersatz" zurückzahlen.

Zu "verdanken" hat er den Aufenthalt hinter schwedischen Gardinen einem seiner beiden Kunden, einem 20-Jährigen, der bei der Polizei ein umfangreiches Geständnis ablegte und dabei Namen von Lieferanten, Hintermännern, Komplizen und eigenen Abnehmern nannte - darunter auch den Namen des Angeklagten. Der Kronzeuge wurde am 27. März dieses Jahres zu einer dreijährigen Jugendstrafe verurteilt und erhielt aufgrund der "Kronzeugenregelung" eine mildere Strafe.

Laut Anklage hatte der 25 Jahre alte Beschuldigte bei drei Gelegenheiten zwischen 20. April und 10. Mai 2018 seinen beiden Abnehmern ein, 1,5 und drei Kilogramm Marihuana sowie die geringe Menge Kokain verkauft. Die Übergaben fanden an einem Waldrand bei Ottendorf, am Sportplatz in Abersfeld (Kreis Schweinfurt) und in Obertheres statt. Über seinen Verteidiger Christian Barthelmes räumte der Angeklagte alle Vorwürfe ein.

Nach dem Tod eines Großdealers sei sein Mandant von einem alten Bekannten gefragt worden, ob er eine Rauschgiftquelle wisse. Weil er Geld für den Eigenkonsum von ein bis zwei Gramm täglich brauchte, habe der Angeklagte zugesagt, Stoff zu besorgen. Er wohnte damals in der Nähe von Gütersloh, wo er eine Ausbildung machen wollte. Von einem dortigen Bekannten, dessen Namen der Angeklagte vor Gericht nicht nannte, bezog er das Rauschgift und brachte es in Mietautos nach Unterfranken, wie das Gericht erfuhr.

Nach Auskunft des ermittelnden Beamten der Kripo Schweinfurt ist der Angeklagte bereits seit 2015 polizeilich bekannt, weil er im Jahr 2013 über das Darknet 53 Drogenbestellungen getätigt hatte, darunter auch 500 Ecstasy-Tabletten. Einer Straftat überführt wurde er jedoch erst im vergangenen Jahr durch die Aussage des 20-jährigen Abnehmers. In der Szene habe der Angeklagte den Spitznamen "der Holländer" gehabt, weil er in Nordrhein-Westfalen in der Nähe der holländischen Grenze wohnte, schilderte der Zeuge. Festgenommen wurde der Angeklagte bei einer Wohnungsdurchsuchung in Nürnberg am 11. Dezember vergangenen Jahres. Dabei fanden die Fahnder einen Zettel mit drei Telefonnummern von Bekannten des Angeklagten aus Gütersloh, die ebenso eine Anzeige wegen Drogenhandels erhielten wie ein weiterer Mann aus Nürnberg. Rauschgift fanden die Fahnder nicht. Der Angeklagte sei professionell vorgegangen, erklärte der Polizist. Die Kommunikation mit seinen Abnehmern erfolgte per codierter Mitteilungen über einen Messenger-Dienst. Die Chat-Verläufe wurden vom Handy gelöscht.

Psychiater Christoph Matern bescheinigte dem Angeklagten eine psychische Abhängigkeit von Cannabis, sah aber aufgrund des systematischen Vorgehens keine eingeschränkte Schuldfähigkeit des Angeklagten. Staatsanwalt Martin Barnickel stellte die "seltene Klarheit" des Falls heraus. Die Ortung der Handys und Navigationssysteme der Abnehmer passten zusammen mit dem Zeitpunkt der Anmietung der Mietwagen durch den Angeklagten und der Auswertung der GPS-Daten der Mietwagen. Der Angeklagte habe eine außergewöhnlich blütenweiße Weste ohne Eintragung im Bundeszentralregister und einen akkuraten Lebenslauf - untypisch für einen Drogendealer in dieser Größenordnung. Der Anklagevertreter forderte vor allem aufgrund der großen Menge der gehandelten Rauschgiftmenge eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten, die das Gericht so übernahm.

Verteidiger Barthelmes argumentierte, dass sein Mandant in den Drogenhandel "hineingerutscht" sei, weil ein Lieferant gestorben sei. Sein Mandant brauche eine Therapie, keine Haft. Die Einziehung von Wertersatz in Höhe von 38 000 Euro würde seinen Mandanten sein Leben lang "heftig beschweren".

Das Gericht folgte der Forderung des Staatsanwalts vor allem deshalb, weil der Verurteilte keine Angaben zu Hintermännern gemacht habe und somit nicht von der Kronzeugenregelung profitieren könne. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren