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Einfache Entscheidung: Das ist das oberfränkische Wort des Jahres 2018

Das oberfränkische Wort des Jahres ist dem Jahrhundertsommer in Franken geschuldet. Die Entscheidung sei schnell und einvernehmlich gefallen, teilt die vierköpfige Jury mit. Trotzdem war die Konkurrenz stark.
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Die vierköpfige Jury hat ihre Entscheidung getroffen, sie sei sehr leicht gefallen. Das oberfränkische Wort des Jahres steht fest. Symbolfoto: Frank May/dpa
Die vierköpfige Jury hat ihre Entscheidung getroffen, sie sei sehr leicht gefallen. Das oberfränkische Wort des Jahres steht fest. Symbolfoto: Frank May/dpa

Das Oberfrankenwort des Jahres 2018 lautet "Derschwitzen". Der Sommer 2018 nämlich, mit seinen wochenlangen Höchsttemperaturen von über 30 Grad, sei doch genau das gewesen: "zum Derschwitzen". Diese Meinung teilte eine Großzahl der mehr als 1500 Einsendungen zahlreicher Oberfranken per Postkarte, Webformular oder E-Mail.

"Wir stehen noch unter den Eindrücken des Sommers"

Für vierköpfige Jury, bestehend aus Barbara Christoph, Leiterin der KulturServiceStelle des Bezirks Oberfranken, Sabine Knieling vom Medienpartner Extra-Radio aus Hof, Dr. Almut König vom Lehrstuhl für Germanistische Sprachwissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen sowie dem Leiter des Bauernhofmuseums Kleinlosnitz, Bertram Popp, war die Entscheidung entsprechend schnell klar. "Wir stehen immer noch unter den Eindrücken des Sommers. Daher fiel die Entscheidung auf dieses Dialektwort sehr schnell und einvernehmlich", gibt Barbara Christoph einen Einblick in Beratungen der Jury.

Was bedeutet "Derschwitzen"?

Laut Almut König vom Lehrstuhl für Germanistische Sprachwissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen ist die offizielle Bedeutung des Wortes "durch Schwitzen zu Grunde gehen". Die Sprachwissenschaftlerin erklärt: "Unsere Standardsprache kennt das Wort in der im Dialekt üblichen Bedeutung nicht", so die Sprachwissenschaftlerin. Das Deutsche Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm liste den Begriff "erschwitzen" mit den Bedeutungen "schwitzen, ausschwitzen oder durch Schwitzen etwas erlangen" auf. "Den Buchstaben d als Vorsilbe kennen wir in der Sprache bereits seit dem 12. Jahrhundert. In den bayerischen und ostfränkischen Dialekten hat sich dies zum Teil bis heute überliefert."

Die Konkurrenz war stark: Die Finalisten

In der engeren Auswahl standen in diesem Jahr noch die "Bäbbm" (Lippenherpes), "Hüts-on-Brüh" (Kloß mit Soß), die "Rowärn" (Radbere oder bekannter Schubkarre) und die "Blunz'n" (Blase, meist mit Fleisch gefüllt oder auch abfällig für einen stark hervorgetretenen Bauch). Die Verkündung selbst erfolgte im Rahmen des 21. Oberfränkischen Mundart-Theater-Tages im Bauernhofmuseum in Kleinlosnitz.

Zur Aktion "Oberfrankenwort des Jahres"

2015 kürte der Bezirk Oberfranken zusammen mit dem Medienpartner Extra-Radio aus Hof erstmals das "Oberfränkische Wort des Jahres". Das Wort müsse unseren Sprachschatz bereichern und das Gemeinte besonders treffend, originell oder präzise benennen, so die Veranstalter. Das Gewinnerwort 2015 wurde "Wischkästla" als oberfränkischer Begriff für "Smartphone", 2016 wurde die kurze oberfränkische Redewendung "a weng weng" gekürt. Vergangenes Jahr machte der fast vergessene Begriff "Urigeln" das Rennen, der das kribbelnde Gefühl beschreibt, wenn die kalten Hände oder Füße in der Wärme langsam auftauen.

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