Forchheim
Gericht

Gründer der Wehrsportgruppe: Karl-Heinz Hoffmann am Amtsgericht Forchheim verurteilt

Karl-Heinz Hoffmann ist wegen Veröffentlichung von Ermittlungsakten am Amtsgericht Forchheim verurteilt worden. Mit dem 81-jährigen Rechtsradikale aus Ermreuth stand ein Gesinnungsgenosse wegen Beihilfe und Beleidigung vor Gericht.
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Die Wehrsportgruppe Hoffmann (1973-1980) mit Karl-Heinz Hoffmann (vorne). Foto: Archiv FT
Die Wehrsportgruppe Hoffmann (1973-1980) mit Karl-Heinz Hoffmann (vorne). Foto: Archiv FT

Von Julia Heimberger

Wegen der Veröffentlichung von Ermittlungsakten wurde Karl-Heinz Hoffmann am Dienstag in Forchheim verurteilt. Die Verhandlung gegen den 81-jährigen Rechtsradikalen aus Ermreuth und seinen Kompagnon (43), die am Dienstag vor dem Amtsgericht Forchheim stattfand, hat eine lange Vorgeschichte. Angefangen hat alles am 26. September 1980 beim Oktoberfest-Attentat in München, als 13 Menschen starben und 211 Personen verletzt wurden.

Der größte Anschlag der Nachkriegszeit wurde bis heute nicht umfassend aufgeklärt. Nach wie vor gibt es Zweifel, ob der angebliche Einzeltäter Gundolf Köhler alleine gehandelt habe. Der 21-jährige Student war damals in der rechtsradikalen Wehrsportgruppe Hoffmann aktiv gewesen. Die Wehrsportgruppe wurde 1973 von dem fränkischen Nationalsozialisten Karl-Heinz Hoffmann gegründet und hatte etwa 440 Mitglieder. Stützpunkt war Hoffmanns Schloss Ermreuth in Neunkirchen am Brand.

Wehrsportgruppe Hoffmann wurde 1980 verboten

Die Gruppe wurde im Januar 1980 verboten, im September 1980 folgte das Attentat auf der Wiesn und im Dezember 1980 wurde der jüdische Verleger Shlomo Lewin und seine Lebensgefährtin Frieda Poeschke in Erlangen von einem ehemaligen Mitglied der Wehrsportgruppe erschossen. 2014 nahm die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe die Ermittlungen zum Oktoberfest-Attentat wieder auf.

Es wurde eine Sonderkommission "26. September" (Soko 26) gegründet, weil der Verdacht bestand, dass der Einzeltäter Mithelfer hatte. 2012 hatte ein Ex-Rocker vor dem Amtsgericht Würzburg mehrere Beamte des Landeskriminalamtes (LKA) der Korruption bezichtigt. Wie sich im Dezember 2016 dann herausstellte, ermittelte die Staatsanwaltschaft Nürnberg intern gegen den Soko-Chef und fünf LKA-Mitglieder.

Seiten der internen Ermittlungsakten ins Netz gestellt

Und genau diese Ermittlungsakte gelangte im März 2016 zu Hoffmanns Kompagnon, der gestern mit ihm vor Gericht saß. Wie die von der Polizei sichergestellten Emails belegen, hatte der aus Österreich stammende promovierte Germanist dem 81-jährigen Hoffmann zwei Seiten aus dem nicht öffentlichen Dokument zur Veröffentlichung geschickt. Der 43-Jährige behauptete gestern, er habe das Dokument von einem Journalisten erhalten.

Dafür musste er sich nun vor dem Amtsgericht Forchheim wegen Beihilfe zur verbotenen Mitteilung über Gerichtsverhandlungen verantworten. Da die internen Ermittlungen im März 2016 noch nicht abgeschlossen waren, gab es noch keine öffentliche Verhandlung gegen die Tatvorwürfe der LKA-Mitarbeiter. Die Verhandlung folgte dann vom November 2017 bis August 2018. Hoffmann stellte zwei Seiten aus dem insgesamt 144 Seiten dicken Ermittlungsbericht auf seiner Website online. Er berief sich während der Verhandlung darauf, dass die Unterlagen bereits von anderen Journalisten öffentlich gemacht worden wären. Daher hätte er gar nicht wissen können, dass es verboten sei, diese zu publizieren.

Richterin Schneider blieb hart

Amtsrichterin Silke Schneider sah das hingegen völlig konträr: "Nur weil ein anderer die Unterlagen verbotenerweise veröffentlicht, haben Sie kein Recht, das Gleiche zu tun." Hoffmann begründete seine Tat so: Er habe die LKA-Soko bloßstellen wollte, um zu verhindern, dass sein Name erneut mit dem Oktoberfest-Attentat in Verbindung gebracht werde.

Als die Soko ihre Arbeit 2014 aufnahm, habe man ihn als Zeugen verhört, die Presse habe ihn jedoch als "Mörder und Terroristen" verurteilt. Nachdem er herausgefunden habe, dass der Soko-Chef nicht integer sei, habe er verhindern wollen, dass dieser weiter an den Ermittlungen arbeiten dürfe. Richterin Schneider konnte seine Argumente durchaus nachvollziehen, blieb aber bei ihrem Schuldspruch.

Kompagnon auch wegen Beleidigung angeklagt

Hoffmanns Kompagnon musste sich zudem wegen zwei Beleidigungen auf seinem Internet-Blog rechtfertigen. Laut Staatsanwalt hat der Österreicher den ehemaligen Soko-Chef durch folgende Formulierungen öffentlich beleidigt: "Arschloch sein allein genügte nicht" und "Die toten Seelen der Wiesn sollen aus ihren Gräbern kriechen und euch die Eier abfressen, Herrschaften."

Der Angeklagte versuchte mit einer langen Rede seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen und zu vermitteln, dass die Aussagen "aus dem Zusammenhang gerissen" seien. Doch auch hier blieb die Amtsrichterin hart und verurteilte ihn wegen Beleidigung. Daher wurde Hoffmanns Kompagnon zu einer Geldstrafe von insgesamt 2250 Euro verurteilt; Hoffmann selbst zu 900 Euro Geldstrafe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.



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