Ebersdorf
Insolvenz

Ebersdorfer Polstermöbelhersteller Ewald Schillig macht dicht

Die Kanzlei SRI als Insolvenzverwalter hat am Dienstag in einer Pressemitteilung das Ende des Polstermöbelherstellers Ewald Schillig verkündet.
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Vor dem Aus: Der traditionsreiche Ebersdorfer Polstermöbelhersteller Ewald Schillig muss voraussichtlich Ende November seinen Betrieb einstellen.Berthold Köhler
Vor dem Aus: Der traditionsreiche Ebersdorfer Polstermöbelhersteller Ewald Schillig muss voraussichtlich Ende November seinen Betrieb einstellen.Berthold Köhler

Die Rettung der Ewald Schillig GmbH & Co. KG aus dem oberfränkischen Ebersdorf bei Coburg ist in letzter Sekunde an einem nicht unterschriebenen Mietvertrag gescheitert. So heißt es in der Pressemitteilung. "Wir waren uns mit dem Investor Grundbesitz Partner AG einig, der Übernahmevertrag war bereits unterschrieben. Der Investor wollte das Unternehmen fortführen und 130 Arbeitsplätze erhalten", teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Jochen Zaremba aus der Kanzlei SRI am Dienstag schriftlich mit. Die Letztentscheidung lag am Wochenende bei den Unternehmensinhabern, die als Eigentümer der Immobilie den Mietvertrag mit dem Investor hätten unterschreiben müssen.

Zu Berichten, wonach die Eigentümerfamilie Henning von der Grundbesitz Partner AG eine Arbeitsplatzgarantie für 160 der 230 Mitarbeiter forderte, äußert Zaremba: "Der Investor hätte 160 Mitarbeiter ungekündigt übernommen und sich mittelfristig auf 130 Mitarbeiter eingependelt". Zaremba weiter: "Ewald Schillig ist insolvent und daran haben nicht die Mitarbeiter schuld. Wir hätten 130 Arbeitsplätze retten können. Nun ist es vorbei".

In einer Betriebsversammlung am heutigen Dienstag überbrachte Zaremba den Mitarbeitern die bittere Nachricht. "Kunden und Lieferanten haben Ewald Schillig bis zuletzt die Treue gehalten, wir haben Aufträge in Millionenhöhe in den Büchern" - Insolvenzverwalter Zaremba bat die Mitarbeiter in der Betriebsversammlung, zur Ausproduktion noch an Bord zu bleiben, um die Aufträge abarbeiten zu können. Die Mitarbeiter von Ewald Schillig seien hervorragend qualifiziert und motiviert, jede Firma könne sich glücklich schätzen, sie in ihren Reihen zu haben. "Nach dem Insolvenzrecht bleibt nun nur noch die Ausproduktion und Schließung bis November, wir sind da an Recht und Gesetz gebunden", so Zaremba.

Der Investor Grundbesitz Partner AG sei im Gläubigerausschuss auf Wohlwollen gestoßen. Andere Investoren, die nur 50 Arbeitsplätze erhalten wollten, seien nicht zum Zuge gekommen. Die offene Mietfrage lag aber in der Entscheidungsgewalt der Immobilieneigentümer, nicht des Insolvenzverwalters. Der Investor wünschte einen Zehn-Jahres-Vertrag mit Mietfreiheit im ersten Jahr. Dies sei keine ungewöhnliche Forderung, denn in das Unternehmen müsse trotz der bisherigen Sanierungsmaßnahmen viel Geld investiert werden, so Zaremba. Die Kosten hätten drastisch reduziert werden müssen, um Ewald Schillig wieder fit zu machen für den Möbelmarkt. "Dieser Investor war die einzige Chance für das Unternehmen, weiterzubestehen", so Jochen Zaremba.

Was bisher geschah

Am 13. Juli hatte das Unternehmen Ewald Schillig GmbH & Co. KG Insolvenz angemeldet. Dr. Jochen Zaremba aus der Kanzlei SRI Schwartz Rechtsanwälte Insolvenzverwalterwurde wurde vom Amtsgericht Coburg zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Die Ewald Schillig GmbH & Co. KG beschäftigt 230 Mitarbeiter. Das Unternehmen erwirtschaftet knapp 68 Millionen Euro Umsatz an neun Produktionsstandorten in sechs Ländern und beliefert rund 1000 Fachhändler in zehn Ländern. Die Ewald Schillig GmbH & Co. KG ist ein oberfränkischer Polstermöbelhersteller und "Spezialist für Sofas, Sitzlandschaften und Sessel mit komfortunterstützenden Funktionen". Die Firma gestaltet und fertigt laut Website "ausnehmend schöne, facettenreiche und funktionsbetonte Polstermöbel" - als familiengeführtes oberfränkisches Traditionsunternehmen "mit viel Herzblut, Erfindungsfreude und einem handwerklichen Erfahrungsschatz, der bis ins Jahr 1945 zurückreicht".

Weitere Hintergründe zur Schließung der Firma Ewald Schillig lesen Sie demnächst auf inFranken.dePLUS.



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