Coburg
Rahmenplanung

So könnte das Coburger Güterbahnhof-Gelände in Zukunft aussehen

Nach sieben Monaten Planung liegt ein Konzept vor, mit dem die Stadt in die Vermarktung des Areals gehen und versuchen kann, Fördermittel zu erhalten. Die Kosten für Erschließung und Altlastenbeseitigung werden auf 18,5 Millionen Euro geschätzt.
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Wie das Güterbahnhof-Areal in Zukunft einmal aussehen könnte, zeigt dieser Entwurf: Firmengebäude und Parkhäuser im Süden (unterer Bildrand), ein zentraler Platz im Bereich der früheren Pakethalle, mit einer Fußgänger- und Radfahrerbrücke über die Itz zur Karchestraße. Für den Autoverkehr soll das Areal durch eine Brücke in Verlängerung der Ernst-Faber-Straße erschlossen werden. Grafik: Schirmer Architekten & Stadtplaner
Wie das Güterbahnhof-Areal in Zukunft einmal aussehen könnte, zeigt dieser Entwurf: Firmengebäude und Parkhäuser im Süden (unterer Bildrand), ein zentraler Platz im Bereich der früheren Pakethalle, mit einer Fußgänger- und Radfahrerbrücke über die Itz zur Karchestraße. Für den Autoverkehr soll das Areal durch eine Brücke in Verlängerung der Ernst-Faber-Straße erschlossen werden. Grafik: Schirmer Architekten & Stadtplaner
Die Vision vom neuen Güterbahnhof liegt vor: Kultur und Hochschule im Norden (beim ehemaligen Schlachthof), Forschung und Gewerbe in der Mitte (rund um die noch vorhandene Pakethalle), Parken und Gewerbe im Süden. Einzelne Gebäude wie die Pakethalle bleiben stehen, um an die Geschichte des Areals zu erinnern.

Das Ganze ist ein Ergebnis eines sieben Monate dauernden Planungs- und Besprechungsprozesses. Schnell und konzentriert habe man gearbeitet, lobten mehrere Stadtratsmitglieder in der Sitzung am Donnerstag das Vorgehen, das unter der Regie des Planungsbüros Schirmer (Würzburg) und der Wohnbau Coburg stand. Eigentlich galt es nur, eine Rahmenkonzeption zu erstellen. Doch im Zuge dessen wurden gleich ein paar Dinge abgearbeitet, die im weiteren Planungsprozess sowieso erledigt werden müssen.

Altlasten kommen teurer als gedacht

Die Frage nach den Altlasten, zum Beispiel. Die kommen nun offenbar weitaus teurer als angenommen - beim Kauf des Grundstücks war die Stadt noch davon ausgegangen, dass die Menge zu entsorgender Stoffe im Erdreich überschaubar sei beziehungsweise im Boden verbleiben könne. Doch nun bezifferte Professor Martin Schirmer die Kosten für Altlastenbeseitigung und Abbruch vorhandener Gebäude allein auf 9,4 Millionen Euro.

Laut Andreas Heipp (Wohnbau Coburg) liegt das daran, dass das Güterbahnhofsgelände komplett aufgeschüttet wurde. Verbaut wurde damals Erdreich und Bauschutt, und vieles davon müsste deponiert werden, wenn man es entfernt. Außerdem gibt es Altlasten im Bereich des ehemaligen Lokschuppens und der Wagenhalle, bei der Güterverladung und beim früheren Öldepot. Allerdings besteht Heipp zufolge die Aussicht, dass die Stadt für die Altlastenbeseitigung Zuschüsse erhält.

Eine Straßenbrücke im Süden des Geländes

Liegenlassen kann die Stadt das Gelände auch nicht, zumindest nicht den südlichen Teil: Brose nutzt hier einen große Fläche als Mitarbeiterparkplatz. Erreichbar ist der zurzeit nur von Norden her, über die Schlachthofstraße. Hinüber zur Uferstraße führt lediglich eine Fußgängerbrücke. Deshalb sieht das Konzept hier eine Straßenbrücke in Verlängerung der Ernst-Faber-Straße vor. Gebraucht wird die auch als Zufahrt zu den Hallen, in denen sich noch die Betriebe Max Carl und Klöckner Metallhandel befinden. Dorthin wird nämlich die Firma Ros ihre Produktion verlagern, die sich noch in der Bamberger Straße befindet.

Das Konzept sieht hier auch ein Parkhaus vor. Ob und wann das gebaut wird, ist noch offen: Das werde im Wesentlichen davon abhängen, wie lange die jetzt als Parkplatz genutzten Flächen noch zur Verfügung stehen, sagt Andreas Heipp. Denn der Rahmenplan umfasst auch schon eine Aufteilung des Geländes in mögliche Parzellen für Investoren. Am 14. April werde die Coburger Wirtschaftsförderungsgesellschaft (Wifög) einen ersten Informationsabend für Investoren anbieten, sagte Heipp.

Ein zentraler Platz für öffentliches Leben

Die Wifög soll sich auch selbst engagieren: Mit einem Start-Up-Center und einem "Boarding-Haus" im Bereich der früheren Pakethalle. Hier soll ein zentraler Platz entstehen, der "hohe Urbanität" aufweist, wie Professor Schirmer in der Stadtratssitzung sagte. "Damit hier so etwas wie öffentliches Leben entstehen kann." Zwecks der besseren Erreichbarkeit soll vom zentralen Platz eine Brücke für Fußgänger und Radfahrer über die Itz führen, die dann über die Karchestraße und durch den Rosengarten zur Innenstadt gelangen können. Auch an Bahnhaltepunkte ist gedacht, wobei deren Lage noch nicht feststeht. Das Konzept müsse flexibel sein, um auch künftigen Erfordernissen gerecht zu werden, betonte Schirmer. "So eine Entwicklung dauert zehn bis 15 Jahre."

Ein Museum zur Industriegeschichte im alten Schlachthof wäre möglich

Im Norden, an der Frankenbrücke und dem ehemaligen Schlachthof, könnten Einrichtungen der Hochschule sowie "Kultur" angesiedelt werden. Einige der Gebäude im ehemaligen Schlachthof sind denkmalgeschützt; der Schlachthof war schon als Standort eines Museums zur Industriegeschichte im Gespräch. Wenn Kultur gewollt sei, müsste sich hier die Stadt finanziell engagieren, sagt Heipp.

Alles in allem werden die Kosten für Altlastenbeseitigung, Straßen- und Brückenbau sowie Erschließung auf 18,55 Millionen Euro geschätzt. Ein Teil davon soll über Zuschüsse gedeckt werden, ein weiterer durch den Verkauf von Grundstücken.
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