Bamberg — Der morgige 11. April könnte mit einem Pokaltriumph der Brose Baskets zum zweiten Mal geschichtsträchtig werden, denn auf den Tag genau vor 40 Jahren stand Basketball-Bamberg nach dem Aufstieg des 1. FC 01 in die Bundesliga schon einmal kopf. Diesmal Frankfurt mit über 1000 Fans, damals war Darmstadt nach dem zweiten FCB-Aufstiegsspiel die Stätte des Erfolgs vor 500 Schlachtenbummlern, die die "Oberhaus-Geburtsstunde" der damals in Deutschland noch jungen Sportart vor Ort miterlebten. Der FT titelte seinerzeit mit "Die Invasion".

Basketballfieber und Höhenrausch zugleich, von Basketball und Bamberg schwärmte ganz Deutschland. Einerseits ob der Leistungen des Teams um US-Star Jim Wade, andererseits wegen der Zuschauermassen in der John-F.-Kennedy-Halle. "Man kam kaum mehr in die Halle, diesen Boom konnten wir nicht erahnen. Fast 3000 Fans mussten durch die Eingangskontrollen an der Armeestraße geschleust werden, organisatorisch jedes Mal ein Riesenaufwand", erinnert sich Dr. Gerhard Müller. Spätestens nach der Meisterschaft in der Oberliga Süd und den Aufstiegsspielen brachen die Dämme der Begeisterung.

Ein 23-Punkte-Vorsprung aus dem Hinspiel gegen den BC Darmstadt ließ die "Violetten" mit Coach "Pablo" Hartmann trotz des Fehlens von Jim Wade "frohen Mutes", so Wolfgang Reichmann, der im ersten Spiel wegen einer Skifahrt gesperrt war ("Kapitän" Werner Voigt erklärte sich damals solidarisch), zum großen Finale nach Hessen fahren. Die "Gesperrten" markierten im Rückspiel zusammen 41 Punkte, auch der erst im Dezember 1969 vom MTV verpflichtete Gerhard Brand (17) sorgte dafür, dass nach der 44:41-Führung zur Pause der Rückstand nie größer als 14 Punkte (51:64) war. 73:85 - Bamberg hatte trotz Foulproblemen den BC-Ansturm abgewehrt. Sektkorken knallten in der Hochschulhalle (der erste bereits beim ersten FCB-Korb!), spät abends dann weiter in der Buger "Hoffmanns-Klause", dem traditionellen Basketball-Treff. Einziger Wermutstropfen auf der Jubel-Heimfahrt: Eisglätte auf der Haseltal-Brücke sorgte für eine Unfallserie, Gott sei Dank gab es meist nur Blechschäden.


"2000 Dauer- karten waren in drei Stunden weg."


Aufstiegsspieler "Fips" Hofmann, im Jahr darauf Co-Trainer des US-Sergeanten Robert Lewis, und Abteilungsleiter Dr. Gerhard Müller erkannten sehr schnell die Zeichen der Zeit. "Diese Euphorie mussten wir ausnutzen. Fips und ich unternahmen alles Mögliche, den Basketballsport auf professionelle Füße zu stellen", berichtet Dr. Müller aus einer Zeit "ohne Geld, ohne Sponsoren, ohne Werbung". Die Basketballer lebten neben dem einen oder anderen privaten Gönner einzig und allein vom Erlös aus dem Kartenvorverkauf. "Innerhalb von drei Stunden waren bei Ostrowsky die 2000 Dauerkarten weg. Schon Stunden zuvor bildeten sich in der Langen Straße riesige Warteschlangen", weiß Fritz Hofmann noch ganz genau die Haupteinnahme-Quelle des damaligen 90 000 DM-Etats.

"Unser Spiel war eine Art Free-Play mit vielen Überraschungsmomenten, es lebte die individuelle Spielweise. Es gab keine beinharte Manndeckung wie heutzutage. Spielerische Raffinesse statt Athletik kennzeichnete unsere Partien", charakterisiert Wolfgang Reichmann, der mit seinen Schnellangriffen von links die Fans begeisterte, die Spielweise in den 70er-Jahren. Unvergessen sind auch die Hakenwürfe und die Reboundstärke von Center Gerhard Brand, dessen Leichtathletik-Fähigkeiten sehr hilfreich waren. Beide Bamberger schafften es in die Nationalmannschaft, Brand wirkte bei der EM 1971 in Essen mit, bei Reichmann stechen die Länderspiele in Bamberg hervor.

Charisma bleibt unvergessen


Das Prädikat "Idol" gebührt aber ohne Wenn und Aber Jim Wade, dessen Einsatz auf Grund seiner Verpflichtungen als US-Soldat oft zu einer Gratwanderung und Zitterpartie wurde. "Er hatte einfach Charisma, seine Ausstrahlung bleibt unvergessen. Auch sein Handgelenk beim Wurf. Seitlich quer hinter dem Kopf warf er auf sehr spektakuläre Weise. Ein exzellenter Distanzschütze, aber kein guter Verteidiger", so die Beschreibung von Fritz Hofmann über den "Barons"-Akteur, der die ersten Seiten des Bamberger Basketball-Geschichtsbuches prägte.

Nach einer verpatzten Heimpremiere gegen GW Frankfurt (73:75 - Wade 30, Reichmann 15, Brand 10 Punkte) gelang im dritten Spiel der Premieren-Saison beim TSV 1860 München der erste Erfolg in der Bundesliga (85:77). "Wade (27) und Brand (26) auf Löwenjagd in München" hieß es im FT-Sportteil. Das erste Bundesligajahr glich, da aus der Gruppe Süd vier von zehn Teams abstiegen, einem Krimi, der erst mit dem letzten Heimsieg über den USC Mainz ein Happy-End fand.

Bleibt die Gegenwartsfrage: Können an diesem Wochenende Jacobsen & Co. der Mannschaft um Jim Wade nacheifern, was den 11. April betrifft?