Bamberg
Forschungsprojekt

Bamberg: Kostbarkeiten unter dem Mikroskop

Die weltweit einzigartigen "Kaisergewänder" im Bamberger Diözesanmuseum werden neu erforscht. Das Projekt ist an der Otto-Friedrich-Universität angesiedelt.
Artikel drucken Artikel einbetten
An den Kaisermänteln im Diözesanmuseum begeistern die Experten gerade auch die filigranen Details. Fotos: Barbara Herbst
An den Kaisermänteln im Diözesanmuseum begeistern die Experten gerade auch die filigranen Details. Fotos: Barbara Herbst
+9 Bilder
Gedimmtes Licht, kühle Temperatur, bruchsichere Vitrinen: Die mittelalterlichen "Kaisergewänder" werden im Diözesanmuseum so verwahrt, wie es ihrer Bedeutung als hochempfindliches Kulturgut entspricht. Der berühmte Sternenmantel, der blaue Kunigundenmantel oder das Bamberger Rationale gelten als weltweit einzigartiges, ältestes Ensemble herrscherlicher Textilien.

In ihrem Kernbestand gehen die sechs Gewänder auf die Regierungszeit von Kaiser Heinrich II. (1002-1024) und seiner Gemahlin Kaiserin Kunigunde zurück. Diese Kostbarkeiten werden als Erinnerungsstücke an den Bistumsgründer Heinrich gedeutet: Jahrhundertelang als Reliquien und Heiltumsschatz des heiliggesprochenen Kaiserpaares verehrt, "die mit der Identität des Bistums Bamberg zu tun haben", sagte Domkapitular Norbert Jung, Leiter der Hauptabteilung Kunst und Kultur im Erzbischöflichen Ordinariat, jetzt vor Pressevertretern.

Diese "goldgestickte Vergangenheitsinszenierung" hat Stephan Albrecht, Professor für mittelalterliche Kunstgeschichte an der Universität Bamberg, auf den Plan gerufen. Zumal die historische und kunsthistorische Literatur die Gewänder nicht abschließend behandeln und bis heute auf den Erkenntnissen einer dokumentierten Restaurierung Mitte des 20. Jahrhunderts basieren. Professor Albrecht trommelte also ein Team von Spezialisten aus unterschiedlichen Fachrichtungen zusammen - Kunstgeschichte und Inschriftenkunde, Textilrestaurierung und Materialkunde -, das diese Zimelien von unschätzbarem Wert in den nächsten vier Jahren neu erforschen will.

Kooperationspartner ist die Bayerische Akademie der Wissenschaften, finanzielle Förderin des 350 000-Euro-Projektes die "Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)". Domkapitular Jung stellt auch eine Unterstützung seitens des Erzbistums Bamberg in Aussicht.


usodifpspdofpsdfdf

Das Forscherteam wird sich mit den Fragen auseinandersetzen, welche Veränderungen an den Textilien zu welcher Zeit vorgenommen wurden, wer die jeweiligen Urheber und wer die ausführenden Handwerker waren. Oder ob sich die ursprünglichen Kompositionen als Konzept rekonstruieren lassen. Tanja Kohwagner-Nikolai, promovierte Mitarbeiterin an Professor Albrechts Lehrstuhl, benannte als eine tiefgreifende Veränderung die Eingriffe in die Gewänder im 15. Jahrhundert: Die Goldstickereien seien aus den originalen Trägerstoffen ausgeschnitten und auf neue Seiden appliziert worden. Bereits eine erste Autopsie im Rahmen epigraphischer Studien lege nahe, dass bei der Übertragung deutlich mehr verändert worden sei, als bisher angenommen.

Kunsthistorikerin Kohwagner-Nikolai führte neue Forschungs- und Analysemethoden an, mit denen die Gewänder untersucht werden sollen. Neben Basisanalysen würden Videomikroskop-Aufnahmen angefertigt und mikroinvasive Proben für Metall- und Farbanalysen genommen: "Damit können Material- und Technikunterschiede aufgezeigt und zeitliche Unterschiede in der Herstellung belegt werden", erklärte die Expertin. Angesichts der Bedeutung der Gewänder für Geschichte und Kunstgeschichte ergibt sich nach den Worten von Professor Albrecht durch die mögliche Rekonstruktion der Ursprungskonzeption "eine neue Sicht auf die Zeit Heinrichs II. und die erste Jahrtausendwende".


Neuinszenierung

Außerdem werde ein Blick auf die Neuinszenierung der Gewänder im ausgehenden Mittelalter sowie im Nachkriegsdeutschland "als Medien des Kaiser- und Heiligenkultes" ermöglicht. So sei es ein Projektziel, zu einer Neubewertung der Textilien im Hinblick auf die mehrmalige Inszenierung im Sinne einer Verehrung des kaiserlichen Stifterpaares beziehungsweise im Kontext der Rückbesinnung auf christliche Werte zu kommen. Die vorgesehene schonende "Schlüssellochchirurgie" des Spezialistenteams wird sozusagen am "lebenden" Objekt vorgenommen: Die Gewänder verbleiben während der Forschungsarbeiten im Diözesanmuseum und können weiterhin von den Besuchern bewundert werden. Die Untersuchungen finden nur außerhalb der Öffnungszeiten statt.






was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren