Bad Kissingen
Late Night Concert

Überraschung im Dreierpack

Das Trio KlaViS hat sein Publikum mit einem unklassischen Programm perfekt unterhalten.
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Jenny Lippl, Sabrina Hasanova und Miha Ferk. Foto: Gerhild Ahnert
Jenny Lippl, Sabrina Hasanova und Miha Ferk. Foto: Gerhild Ahnert
Es gibt immer mal wieder Veranstaltungen, zu denen man ohne Erwartungen hingeht und hinterher überrascht und beflügelt wieder nach Hause geht. Klar, das Kurgartencafé war optisch und auch akustisch der ideale Rahmen für das Trio KlaViS mit Jenny Lippl (Violine), Miha Ferk (Saxophon) und Sabrina Hasanova (Klavier). Aber es war auch die Musik, die die drei machten und die sich im Raum wunderbar entfalten konnte.
Das Programm war durchaus nicht unklassisch, aber enorm unterhaltsam. Eine kleine Überraschung: das Klaviertrio Nr. 1 op. 8 des 16-jährigen Dmitri Schostakowitsch, das eine Woche zuvor beim "Gipfeltreffen" Boris Brovtsyn, Torleif Thedéen und Alexander Gavrylyuk in der Originalversion gespielt hatten. Miha Ferk hatte einfach das Cello durch sein Saxophon ersetzt, und die Wirkung war verblüffend. Denn durch die größere klangliche Variabilität des Blasinstruments kam die Leidenschaftlichkeit des erstmals verliebten jungen Mannes wesentlich besser zur Geltung.
Eine Eigenkomposition für das Trio war die viersätzige "West East Suite" von Miha Ferk, eine köstliche Folge von Eindrücken, die die drei zum Teil auf ihren Reisen gesammelt haben: klang- und harmonietypische Souvenirs aus der Türkei, Simbabwe und China. Die vierte Suite, "Traubensaft", schrieb Miha Ferk als Student zwischen Bachschem Kontrapunkt, Jazz und einer durchzechten Nacht in Bosnien, seiner Heimat. Klar, dass die Zitate nur nebelhaft und verquer zu erkennen waren.
Bei der Bearbeitung von Astor Piazzollas "Tango-Suite für zwei Gitarren" konnte man staunen, wie viel Musik man aus zwei der-artigen Instrumenten herausholen kann. Da trieben die drei die klangliche und rhythmische Dichte auf die Spitze.
Als Zugabe spielte das Trio die so stimmungsvollen Bachianas Brasilieras Nr. 5 von Heitor Villa-Lobos. Ein höchst geistreicher und unterhaltsamer Schritt in den neuen Tag. Und beste Werbung für das Trio KlaViS. Denn das ist beim Wandelkonzert am Donnerstag noch einmal dabei - dann allerdings wesentlich klassischer.


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