Münnerstadt

Dicke Luft kann sie nicht leiden

Über 1,5 Millionen Euro sind vom Bezirk Unterfranken in die neue Physiotherapie-Abteilung im Thoraxzentrum investiert worden.
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Die Funktion der Lunge erklärte Oberarzt Dr. Willibald Beck anhand einer  zwei Meter hohen Nachbildung. Foto: Dieter Britz
Die Funktion der Lunge erklärte Oberarzt Dr. Willibald Beck anhand einer zwei Meter hohen Nachbildung. Foto: Dieter Britz
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Viele Bürger erinnern sich noch daran, dass Münnerstadt früher nicht weniger als drei Hallenbäder hatte: Das große städtische sowie zwei kleinere in Maria Bildhausen und im Thoraxzentrum, die allerdings nicht öffentlich zugänglich waren. Im Rahmen eines Tages der offenen Tür und des Deutschen Lungentages unter dem Motto "Dicke Luft - Gefahr für die Lunge" wurde dort, wo einst die Patienten der Klinik im Wasser planschen konnten, von Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel (CSU) die neue, sehr modern ausgestattete Physiotherapie-Abteilung eröffnet. Träger dieser Klinik ist der Bezirk Unterfranken. Schon am Haupteingang wurden die vielen Besucher aus der näheren und weiteren Umgebung mit dem Thema "Lunge" konfrontiert: Oberarzt Dr. Willibald Beck demonstrierte die Funktion dieses äußerst wichtigen Organs anhand einer "begehbaren Lunge", einem überdimensionalen Nachbau mit zwei Metern Höhe.

Wie gefährden Feinstaub und Stickoxide, die insbesondere durch den Straßenverkehr in die Luft gelangen, die Bevölkerung? Nach einer Vortragsreihe für Ärzte standen der Umweltmediziner Professor Dr. Hans Drexler (Erlangen) und die Bundestagsabgeordnete und Ärztin Sabine Dittmar (SPD) zu Diskussionen zur Verfügung. Diesel-Pkw hätten den größten Anteil an der Stickoxid-Belastung in den Städten, betonte die Politikerin, die gesundheitspolitische Sprecherin ihrer Fraktion ist. Sie wies darauf hin, dass deshalb in vielen Städten Fahrverbote für Diesel-Autos ab 2019 gerichtlich angeordnet wurden. Ziel der Bundesregierung sei es, möglichst ohne Fahrverbote, alle Städte so schnell wie möglich unter den erlaubten Jahresmittel-Grenzwert zu bringen.

Die Besucher, die zum Tag der offenen Tür gekommen waren, konnten sich an den Ständen mehrerer Selbsthilfegruppen für Lungenerkrankungen informieren oder ihre Lungenfunktion messen und durch einen Arzt auswerten lassen. Ärzte zeigten am Modell verschiedene endoskopische Untersuchungsmethoden in den Atemwegen. Wer alles mitmachen oder sehen wollte, hatte lange und viel zu tun. Betriebsleiterin Regina Vogl wies darauf hin, dass die Physiotherapie-Abteilung jetzt auf dem neuesten Stand und für die Versorgung der Patienten optimiert sei. Sie dankte dem Bezirk und Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel für den Weitblick und die Unterstützung. "Wir sind sehr stolz auf diese vom Bezirk getragene Klinik", hob Dotzel hervor. Mit ihren insgesamt 110 Betten sei sie die einzige Fachklinik für Pneumologie, Thorax-Chirurgie, Rehabilitation, Schlaf- und Beatmungsmedizin dieser Art im Unterfranken. Dass sie dem Bezirk sehr am Herzen liege, zeige einmal mehr die neue Physiotherapie-Abteilung. Über 1,5 Millionen Euro seien investiert worden. Im Zuge des Umbaus seien das alte Schwimmbad zurück gebaut und ein Muskelaufbau-Trainingsraum sowie ein Salz-Heilstollen und eine Infrarotkabine errichtet worden. Ein Teil der früheren Fassade wurde nach außen gerückt, erklärte Dotzel. Dadurch konnte die Fläche um etwa 20 Quadratmeter vergrößert werden. "Die Lunge ist ein besonders schutzbedürftiges Organ, und wohl auch deshalb steigt die Zahl der Patienten im Thoraxzentrum nach wie vor an. Dieser Entwicklung tragen wir mit unserer Investitionen Rechnung", sagte der Bezirkstags-Präsident. Er wies darauf hin, dass die Frankfurter Allgemeine Zeitung fast alle Krankenhäuser in Deutschland untersucht habe. Unter den bewerteten 1909 Kliniken sei das Thoraxzentrum auf Platz 214 gelandet. Damit sei es in der Spitzengruppe der rund zehn Prozent der besten Krankenhäuser. Er wies darauf hin, dass nun die Stationen zwei und drei im Ost-Trakt General betoniert werden sollen. Zwölf Zimmer mit 20 Betten im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss sowie das Schlaflabor seien davon betroffen. Mit der Sanierung solle insbesondere die Technik erneuert und mehr Fläche erzielt werden. Zudem sollen die Sanitärbereiche modernisiert und die Duschkammern barrierefrei gestaltet werden. Die Kosten betragen voraussichtlich 2,7 Millionen Euro. "Mit einer staatlichen Förderung können wir leider nicht rechnen" bedauerte Dotzel. Heike Linz-Keul, die Leiterin der Physiotherapie, freute sich darüber, dass die Abteilung mit ihren acht Mitarbeitern nun mit modernsten technischen Geräten arbeiten kann. In den Kabinen gebe es Druckluft und Sauerstoff. Ambulante Behandlungen sind für Patienten vor und nach Operationen möglich.

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