Coburg
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Was Hagen Rether und Bio-Bananen mit dem Rest zu tun haben

"Bio-Bananen sind auch so ein Paradoxon", sagt Hagen Rether und beißt ein großes Stück ab. Ziemlich witzige Ausdrücke gebe es in der deutschen Sprache: "Holzeisenbahn. Brennholzverleih. Oder der Klass...
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Hagen Rether hat seine eigene Philosophie. Diese war jüngst im Kongresshaus zu erleben.  Foto: Marieke Fiala
Hagen Rether hat seine eigene Philosophie. Diese war jüngst im Kongresshaus zu erleben. Foto: Marieke Fiala

"Bio-Bananen sind auch so ein Paradoxon", sagt Hagen Rether und beißt ein großes Stück ab. Ziemlich witzige Ausdrücke gebe es in der deutschen Sprache: "Holzeisenbahn. Brennholzverleih. Oder der Klassiker: herrenloses Damenfahrrad." Doch wenn der Kabarettist sich entspannt in seinem Bürostuhl zurücklehnt und mit ruhiger Stimme erzählt, was ihn so beschäftigt, ist er fast schon selbst ein Paradoxon. Schließlich sind die Themen, die er anschneidet, überhaupt nicht entspannt und ruhig.

Mit seinem Programm "Liebe" hält er dem Publikum im Kongresshaus den Spiegel vor - aber immer mit Humor. Vor zwei Jahren sei er schon einmal in Coburg gewesen. Aber die Zeit verfliege schnell, wenn man in seiner Routine drin ist. "Der Reifenwechsel zum Beispiel, der gibt mir Struktur", sagt Rether. Leicht zu merken, wie lange die Reifen draufbleiben: Immer von O bis O - von Ostern bis Oktober.

Das ist aber nicht die einzige Routine, in der wir anscheinend feststecken. Schließlich halten wir auf vielen Ebenen an alten Traditionen fest. "Irrsinn", sagt Rether dazu nur, "versteh' ich nicht."

"Mir geht's um diese schräge Ethik, die wir uns zusammenbauen", erklärt er. Dabei bewegt er sich auf vielen Ebenen: Politik, Islamfeindlichkeit, Sexismus, Religion und Massentierhaltung. "Vor Jahren wurde Sex mit Tieren verboten, weil ,man die Tiere ja davor nicht fragen könne‘." Als würde man das sonst tun, sagt der bekennende Veganer. "Fragen Sie mal eine Kuh, ob sie lieber Sex mit dem Bauern haben möchte oder abgeschlachtet werden will!" Man müsse ja nicht von heute auf morgen vegan werden, beruhigt er das Publikum. "Langsam, nach und nach einfach weniger tierische Produkte konsumieren. Perfekt ist man eh nicht."

Doch er hat auch ein Ohr für die vielen Kritiker da draußen. Zum Glück aber auch immer eine passende Antwort parat. Zum Stichwort Reißzähne: "Ja, dann geh doch und jag deine Bockwurst!" Zum Hobby Jäger: "Dein Mann ist kein Jäger. Der sitzt mit einer Thermoskanne und einem Schinkenbrot drei Meter über dem Boden." Und was ist mit den Metzgern? Die werden doch sonst arbeitslos. "Ja und? Es gibt ja schließlich auch keine Kutschbauer mehr oder Siebdrucker."

Alles in allem gehe es ihm aber um die Grundeinstellung unserer Gesellschaft, "das hat nichts mit Parteien zu tun".

Am wichtigsten ist ihm aber, dranzubleiben und nicht nachzugeben. Egal um welches Thema es geht. "Irgendwo muss man einfach anfangen. 100 Prozent gehen nie."

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