Kronach

Geschichte wird greifbar

In der Kronacher Synagoge wird ab Samstag die Ausstellung "13 Führerscheine - 13 jüdische Schicksale" gezeigt. Entstanden ist sie aus einem Zufallsfund im Landratsamt Lichtenfels.
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Einer der 13 Führerscheine, abgebildet auf einer Karte, mit der Schüler des Meranier-Gymnasiums Lichtenfels zur Präsentation ihrer Forschungsergebnisse eingeladen hatten.  Repro: FT
Einer der 13 Führerscheine, abgebildet auf einer Karte, mit der Schüler des Meranier-Gymnasiums Lichtenfels zur Präsentation ihrer Forschungsergebnisse eingeladen hatten. Repro: FT

Einen Einblick in den Alltag unter der Nazi-Diktatur vermittelt die Ausstellung "13 Führerscheine - 13 jüdische Schicksale", die am kommenden Samstag, 23. Februar, um 11 Uhr in der Kronacher Synagoge eröffnet wird. Dazu laden der Aktionskreis Kronacher Synagoge und das Evangelische Bildungswerk Kronach-Ludwigsstadt ein. Die historische Ausstellung schildert die Biographien von 13 Menschen, denen 1938 im Bezirksamt Lichtenfels der Führerschein entzogen wurde, weil sie Juden waren.

Interessierte sind nicht nur zur Eröffnung eingeladen, sondern auch zu einem Werkstattgespräch mit den Autoren der Ausstellung, und zwar am Donnerstag, 28. Februar, um 19.30 Uhr in der Kronacher Synagoge.

Die Geschichte der Wiederentdeckung der 13 Führerscheine begann im Jahr 2017, als die Akten im Landratsamt Lichtenfels digitalisiert wurden. Gut versteckt unter Aktenordnern tauchten die Dokumente in einem alten Umschlag wieder auf. Landrat Christian Meißner sah nur zwei Möglichkeiten, auf den Fund zu reagieren: Entweder die Dokumente dem Staatsarchiv zu übergeben oder anhand der Führerscheine die Lichtenfelser Lokalgeschichte aufzuarbeiten. Er entschied sich für Letzteres und übergab sie Schülerinnen und Schülern eines Projektseminars am Meranier-Gymnasium Lichtenfels.

Beeindruckende Begegnungen

Unter der Leitung von Studiendirektor Manfred Brösamle-Lambrecht machten sich die jungen Menschen daran, die Lebenswege der 13 jüdischen Mitbürger nachzuzeichnen, denen nach der Reichspogromnacht 1938 auf eine Anordnung von Reichsführer SS Heinrich Himmler die Zulassungspapiere und Führerscheine entzogen wurden. Weder Lehrkräfte noch Schüler wussten zu Beginn, worauf sie sich da eingelassen hatten. Jetzt, nach der Forschungsphase, wissen sie, dass sie die Rekonstruktion der 13 Biographien geprägt und verändert hat. Sie sind Menschen begegnet - Lebenden und Gestorbenen - , die sie beeindruckt, ermutigt, gefordert und ihnen geholfen haben. Sie wurden mit Schicksalen konfrontiert und mit menschlicher Größe.

Fünf der Führerschein-Inhaber wurden ermordet, acht konnten rechtzeitig ins Ausland fliehen. Unverständnis und Abscheu über Verbrechen der Vergangenheit mischten sich mit Freude und Wärme in der Begegnung mit den Nachfahren der Opfer. Und so verwuchsen Vergangenheit und Gegenwart.

Die dreizehn Menschen und ihre Nachkommen sind den Schülern immer nähergekommen. Am Anfang waren es nur Papiere, am Ende wurde es Geschichte, die greifbar vor Augen stand. Und so erlebten die jungen Forscher einen bewegenden Moment, als die Führerscheine im Rahmen einer persönlichen Begegnung an einige der Nachfahren, die sich aus aller Welt nach Lichtenfels aufgemacht hatten, übergeben werden konnten.

Auf den Ausstellungsbannern sind nicht nur die Ergebnisse der Recherche zur Person der Führerscheininhaber zu sehen, sondern auch weitergehende Informationen zur Entwicklung der jüdischen Gemeinden im Landkreis Lichtenfels, zum Führerschein in den 30er Jahren, zum Bezirksamt (dem Vorgänger des heutigen Landratsamts) und zu den wenigen Lichtenfelsern, die den jüdischen Mitbürgern halfen. Zur Ausstellung ist ein über 100 Seiten starkes Begleitheft erschienen.

Die Ausstellung "13 Führerscheine - 13 jüdische Schicksale" ist jeweils zu den jeweiligen Öffnungszeiten von Samstag, 23. Februar, bis Samstag, 9. März, in der Kronacher Synagoge in der Johann-Nikolaus-Zitter-Straße zu sehen. red

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